Vom Wert der Rituale Alles andere als leere Gesten

Von Claudia Wessel 

Rituale können das Unterbewusstsein beeinflussen – ob man sich trennen oder neu beginnen will.

Das Anstoßen ist eines von unzähligen tradierten Ritualen. Trotzdem entstehen noch neue Rituale  für verschiedenste Lebenslagen. Foto: dpa-Zentralbild
Das Anstoßen ist eines von unzähligen tradierten Ritualen. Trotzdem entstehen noch neue Rituale für verschiedenste Lebenslagen.Foto: dpa-Zentralbild

Stuttgart - Es tat weh, als sie die Kreppbänder zerrissen – einerseits. Andererseits war da auch sofort eine Erleichterung, sie bekamen beide wieder besser Luft, als die Enge, die sie sich selbst geschaffen hatten, aufgelöst wurde. Sarah und Peter haben das getan, was immer mehr Menschen tun: Sie haben sich für ein organisiertes Ritual entschieden. In unserem Alltag finden sich zahllose Rituale, Sarah und Peter aber wollten eines, dass ihnen die Trennung erleichtert. Deshalb meldeten sie sich für ein Trennungsritual bei Lore Galitz in München an.

Beide hatten sie jemanden mitgebracht. Sarah zwei Freundinnen, Peter zwei Freunde. Das Paar stand zusammen auf einem weißen runden Teppich, und sie verbanden sich gegenseitig mit Kreppbändern, wobei sie bei jedem neuen Band laut Dank für Gutes in ihrer Beziehung aussprachen. Dadurch sollten sie noch einmal die Achtung für die schöne Zeit, die sie zusammen verbracht hatten, erbringen. Aber obwohl die beiden sich trennen wollten und das Gefühl hatten, dass sich ihre Beziehung totgelaufen hat, klebten sie aneinander und schafften es nicht, voneinander loszukommen.

Wenn das Kreppband zerreißt, ist die Befreiung spürbar

Das Umwickeln mit den Kreppbändern brachte den beiden die Erkenntnis: Sie hatten sich gegenseitig eingeengt, genau in der Weise, wie sie sich nun voneinander eingewickelt fühlten. Somit tat das anschließende Zerreißen der Bänder zwar weh, aber es wurde auch die Befreiung spürbar. Jeder sprach dabei jeweils einen Satz: „Ich löse diese Verbindung, weil . . .“ Die Bänderreste warfen sie in ein Feuer, dann sprangen beide in jeweils andere Richtungen über die Flammen. Aus dieser Entfernung voneinander riefen sie sich gute Wünsche zu, machten noch einmal einen Schritt weit weg. Damit war das Ritual bei Lore Galitz aber noch nicht beendet. Die frisch Getrennten wurden von ihren Freunden in Empfang genommen, die auf Pappe bereits gute Wünsche darauf notiert hatten. Auf ihrer roten und seiner blauen Pappe wurden nun Texte und Bilder zu einer Collage verbunden, Visionen für das neue selbstständige Leben.

Das Trennungsritual ist eines unter vielen Angeboten von Lore Galitz. Die Fünfzigjährige hat Religionspädagogik studiert, eine sogenannte schamanische Lehrling­schaft, eine Hypnose- und eine Feng-Shui-Ausbildung gemacht sowie chinesische Astrologie und Qigong erlernt. Zum Thema Rituale kam sie durch ihre eigene Betroffenheit: Nach einer Fehlgeburt hatte sie die Idee, für sich selbst ein Abschiedsritual von dem ungeborenen Kind zu machen. Es tat ihr gut und machte, wie sie heute glaubt, den Weg frei für ihren zweiten Sohn, der danach geboren wurde.

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1 KommentarKommentar schreiben

trennungsritual: feng-shui und anderer hokus-pokus. da ersetzen die menschen jetzt den aberglaube der christlichen religionen gegen den aberglauben anderer gemeinschaften.

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