Von Schwaben und ihren Eigenheiten

Von "Leonberger Kreiszeitung" 

Leonberg Der Autor Holger Hommel hat sich vor der eigenen Haustür umgesehen und ein Buch übers Ländle verfasst. Von Elisa Wedekind

Leonberg Der Autor Holger Hommel hat sich vor der eigenen Haustür umgesehen und ein Buch übers Ländle verfasst. Von Elisa Wedekind

In Leonberg ist Holger Hommel bekannt wie ein bunter Hund. Und bunt trifft es in diesem Fall allemal. 160 Länder der Erde hat der Buchautor schon bereist. Sein letztes Buch "Witwentröster und Lila Pudel" mit Reisegeschichten und -berichten aus Asien kam gut an. Für sein neuestes Werk musste Hommel gar nicht weit reisen. "Schwabenland. Wo einem der Marsch gekocht und nicht geblasen wird - ein Heimatbuch" ist eine wortwitzige und bisweilen schräge Liebeserklärung an seine Heimat. Vergangenen Donnerstag hat Holger Hommel in der Stadtbücherei gelesen. Das Publikum war begeistert.

Zu Beginn stellt Holger Hummel gleich mal fest: "Schwäbische Mysterien vor schwäbischem Publikum enthüllen - ja bin ich denn meschugge?" Schließlich wüssten die Leonberger selbst am besten, welcher Ruf ihnen und all den übrigen Schwaben voraus eilt. Etwas über die Schwabenmentalität zu schreiben, danach habe ihm nun wirklich nicht der Sinn gestanden, sagt Hommel. "Ich bin doch ein Asienmensch", beteuert er. Aber sein Verleger habe das so gewollt. "Herr Hommel, wirklich nur Sie können das", soll er gesagt haben. Und seien wir doch mal ehrlich, welcher Autor kann bei so viel Bauchpinselei schon widerstehen?

Knapp zwei Stunden dauert der Trip, auf den der 51-jährige Autor, Sinologe, Dolmetscher, Reiseleiter und Literaturkabarettist sein Publikum durch die Welt der Schwaben macht. Es geht um Klischees und Vorurteile, um Eigenheiten und schlichtweg um "dummes Geschwätz von und über uns Schwaben". Geiz und Kehrwoche habe sein Verleger haben wollen. Und davon doch bitteschön ganz viel. "Koi Problem, mach mer", sagt Hommel und lacht selbst am meisten über das wohl gängigste Vorurteil. In "Schwäbisch Grundsätzliches" räumt er damit auf, der Schwabe an sich sei "verdruckt" und wortkarg. "Wir Schwaben wollen da gar nicht erst um den heißen Brei herumreden", erklärt der Autor. "Wir sind nämlich direkt gradraus." Das sei zwar nicht Hochdeutsch, aber wer sich ein bisschen Mühe gebe, könne schon verstehen, was die Schwaben damit meinen. Das sollten auch die anderen, sich ein bisschen Mühe geben, die Schwaben und ihre Sprache zu verstehen. "Was können wir denn dafür, wenn die Nordrandrestdeutschen derart dialektunbegabt sind?", wettert Hommel. Das Publikum lacht. Auch sei der Schwabe keinesfalls kontaktunfreudig. "Wir sind sehr freundliche Menschen - wenn wir wollen", sagt Hommel. Und stellt klar: "Komisch sind bei uns immer nur die anderen."

Bekannt ist auch das größte kulinarische Lob, das man Schwaben entlocken kann: "Des isch besser wie a Gosch voll Glufa." Das Publikum kann sich vor Lachen kaum noch halten. "Bei einer Lesung in Düsseldorf muss ich das alles immer ins Hochdeutsch übersetzen", sagt der Autor mit Blick auf die Glufa, die Reißnägel. Nicht so in Leonberg, hier darf er schwätzen, wie ihm die "Gosch gwachse isch".

Der Leonberger schreibt und liest mit Witz und Humor. Seine Geschichten sind überaus unterhaltsam und wer zwischen den Lachattacken nicht wenigstens mal kurz Luft holt, dem droht der Erstickungstod. Endgültig vorbei ist es dann, als Hommel vom "seggelblöden Dackel" und der "Schwertgosch" erzählt, mit der wohl so ziemlich jede schwäbische Frau ausgestattet sei. Das Publikum spendet tosenden Applaus.

Lange recherchieren habe er für dieses Buch nicht müssen, sagt Holger Hommel. "Die Geschichten lagen quasi vor der Haustür", erzählt der selbsternannte Leonberger aus Leidenschaft. Schwabenland - ein Heimatbuch, ein Muss für alle, die mal wieder ordentlich lachen möchten.

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