SWR-Intendant Peter Boudgoust kündigte eine strategische Neuausrichtung des Senders an. Foto: dpa
Stuttgart - Der Südwestrundfunk (SWR) steht vor einer strikten Sparrunde. In den kommenden zehn Jahren sollten mindestens 15 Prozent der Kosten eingespart werden, sagte Intendant Peter Boudgoust am Freitag in Stuttgart. "Der SWR 2020 wird schlanker, aber nicht schlechter sein als der SWR 2010." Zuerst soll bei der Verwaltung, Intendanz und und im Bereich Technik und Produktion gekürzt werden. Es komme später auch zu Einschnitten im Hörfunk und im Fernsehen. Der Sender rechnet in diesem Jahr mit Einnahmen von 1,15 Milliarden Euro und mit Ausgaben von 1,14 Milliarden Euro.
Die Zwei-Länder-Anstalt steht nach Auffassung ihres Intendanten vor großen finanziellen Herausforderungen. Auch das geplante Finanzierungsmodell für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ändere daran nichts. "Unser Fortbestand, die pure Existenz, ist zwar zunächst gesetzlich garantiert, aber das ist eine trügerische Sicherheit." Die Kürzungen sollen ohne Entlassungen von Mitarbeitern erfolgen. Zwischen 2013 und 2020 gingen etwa 1000 Beschäftigte in den Ruhestand, berichtete der Intendant anlässlich einer Sitzung des Rundfunkrates. Die Stellen könnten dann entweder nicht wiederbesetzt oder in einem anderem Bereich verwendet werden. Ende 2009 hatte der SWR 3681 Stellen.
Boudgoust will auch bei den Hörfunkwellen SWR1 und SWR2 kürzen. SWR 2, das kulturell orientierte Programm mit dem höchsten Einzeletat, sei am stärksten betroffen. Hier stehen bis zu einem Viertel des Budgets zur Diskussion. Hingegen die Jugendwellen SWR3 und "Das Ding" verschont werden, dagegen wird bei der Regionalwelle SWR4 der Rotstift angesetzt. Da stehe etwa ein Fünftel des Etats zur Disposition. Beim SWR-Fernsehen sollen die Kosten um bis zu 25 Prozent zusammengestrichen werden.
Der Rundfunkrat bestätigte Harald Augter als Vorsitzenden des Gremiums. Von 59 abgegebenen Stimmen erhielt der 64-Jährige 52 Ja- Stimmen und 6 Nein-Stimmen. Ein Mitglied des Gremiums enthielt sich. Der promovierte Jurist steht sei Januar 2008 an der Spitze des Rundfunkrates und ist nun bis 2013 gewählt. Als Stellvertreter wurden der ehemalige baden-württembergische Innenminister Frieder Birzele (SPD) und die CDU-Landtagsabgeordnete Ursula Lazarus bestätigt.
Das Gremium genehmigte auch die Online-Angebots des öffentlich- rechtlichen Senders. Mit dem sogenannten Drei-Stufen-Test wurde geprüft, ob die Online-Angebote wirtschaftlich vertretbar sind, wie sie sich auf die Konkurrenz auswirken und welche publizistische Bedeutung sie haben. Der Rundfunkrat sieht alle diese Fragen positiv beantwortet. Das Online-Angebot leiste einen "qualitativen Beitrag zum publizistischen Wettbewerb", erklärte der Rundfunkrat.
Das Maerchen der oeffentlich rechtliche Objektivitaet.
Fuer diejenigen die weiter das Maerchen der Unabhaengigkeit der oeefentlich rechtlichen Sendeanstalten glauben und glauben machen wollen, folgende Personalie vom 10. Juli 2010:
Steffen Seibert, Anchorman der ZDF - Nachrichten "Heute" wird neuer Regierungssprecher der aktuellen Bundesregierung und dessen Vorgaenger Ulrich Wilhelm wird Intendant de Bayerischen Rundfunks.
Alle unsere Schoenredner und Kulturliebhaber von SWR2 moegen an diesen Beispielen sehen: Es liegt KEINE Unabhaengigkeit der oeefentlich - rechtlichen Sendeanstalten vor. Sie sind Erfuellungsgehilfen des jeweiligen poltischen Establishments und sollen deren Weltanschauung in das Waehlervolk indoktrinieren. Dies beginnt bei der Art und Auswahl von Nachrichten, bei der Wahl der Themen in Politimagazinen und endet im demonstartiven Rollenbild der Akteurinnen in diversen Kriminalklamotten. Ideologische Indoktrination.
Und dann ueberschuetten sich die Akteure der oeffentlich - rechtlichen Sendenanstalten bei diversen teuren Medienveranstaltungen jaehrlich noch mit Eigenlob und Auszeichnungen.
Und fuer diese gesamte Pseudo - Objektivitaet wird noch jeder Bundesbuerger, - ausser denen die eh schon vom Staat leben -, gezwungen neben den Steuern und Abgaben diese Show noch zu beGEZahlen.
So nicht.
Reinhold Grau.
JUL
09
20:02 Uhr, geschrieben von EH
Kritische Berichterstattung - ÖR Rundfunk wichtig wegen Unabhängigkeit
Herr Grau, wenn der SWR links sein soll, was ist denn dann rechts?
Man kann dem SWR ja vieles vorwerfen, aber dass er links sein soll, gewiss nicht. Eher dass er - aufgrund der Zusammensetzung des Rundfunkrats - zu weinig kritsche Berichte über kritsche Themen bringt, die nicht der Meinung der Regierung in BW entsprechen. Beispiel Stuttgart 21 - wurde lange nur sehr wenig darüber berichtet und selbst nichts bzw. wenig recherchiert (soweit ich es mitbekommen habe).
Der Rundfunkrat hat zu viele "regierungsnahe" Mitglieder. Da sollte mehr tatsächliche Unabhängigkeit her, die Zusammensetzung sollte geändert werden. Wenn der tatsächlich existierende öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht in allen Bereichen ideal ist, bedeutet das nicht, dass man das System nicht verbessern kann, und inbesondere nicht, dass die Idee einer unabhängigen vierten (Gegen-)Macht im Staat - u.a. als Erkenntnis der Ereignisse im 3. Reich - wichtig ist. Im Vergleich zum privaten Rundfunk (Fernsehen und Radio) nehmen die ÖR Rundfunkanstalten diesen Auftrag tatsächlich wahr - im Vergleich zu dem, was man sich an kritschen Berichten usw. wünschen würde, gibt es Verbesserungsbedarf.
Die Rundfunkgebühren sind übrigens keine Steuern und werden unabhängig vom Staat erhoben und eingezogen. Der Staat "kastriert" die ÖR Rundfunkanstalten jedoch, indem z.B. die mit unseren Gebühren entstandenen Webinhalte nach kurzer Zeit wieder gelöscht werden müssen, nur damit die Privaten nochmal kräftig abkassieren können von uns Bürgern für etwas, was wir eigentlich schon bezahlt hatten.
Wie sehr private Medien - darunter zähle ich nun im weitesten Sinne auch die "Nachrichten- und Werbeangebote in den Stadtbahn- und S-Bahn-Haltestellen (schließlich bringen die auch kurze Nachrichten und wollen unterhalten) - abhängig sind von den Interessen ihrer Geldgeber und Eigentümer, konnte man erst diese Woche feststellen, als der Werbespot zu der S21 Demo am Samstag von Bahn und SSB zensiert und das Wiedergeben verboten wurde. In diesem Fall wurde das öffentlich - die meisten Beeinflussungen von Zeitungen und privatem Rundfunk sind mehr subtiler und werden nicht so direkt bekannt.
Ganz abgesehen von dem miesen und veräppelnden Kommentaren zwischen der Musik in den Privatradios - um nur ein Beispiel zu nennen.
Es steht Ihnen frei, die Privatradios und Privatsender usw. zu hören und zu sehen. Die vierte unabhängige (Gegen-)Macht im Staate zu Legislative, Exekutive und Judikative ist eine Gesamtaufgabe für alle, weshalb auch alle solidarisch ihren Beitrag leisten sollen. Diese Idee ist richtig und wichtig für unsere Gesellschaft - an der konkreten Umsetzung kann man Verbesserungsvorschläge machen. Die Forderung nach Abschaffung ist die falsche Konsequenz, weil man damit auch die guten Ideen und Ideale vernichtet.
Um beim Beispiel Stuttgart 21 zu bleiben: Viele Menschen sind gegen Stuttgart 21. Aber sie sind nicht gegen Veränderungen am Bahnknoten Stuttgart, oder gar der Abschaffung der Bahn, sondern im Gegenteil für Verbesserungen des Bahnverkehrs und des HBfs Stuttgart. Nur die Vorgehensweise wie bei Stuttgart 21 passt nicht, da es Verschlechterungen statt Verbesserungen bringt. Genauso ist es beim Rundfunk: Nicht das System abschaffen, sondern es verbessern ist das Gebot der Stunde. Schicken Sie doch dem Sendern und ggf. auch der Politik konkrete Verbesserungsvorschläge. Wenn genügend Menschen das gleiche gut finden wie Sie und es machbar und finanzierbar ist, wird es vielleicht umgesetzt?
Und was die Bezahlung angeht: Auch Journalisten beim ÖR Rundfunk sollen für gute Arbeit gut bezahlt werden. Über die genaue Höhe habe ich keine Informationen, aber ich vermute, dass z.B. beim Management der privaten Sender die Gehälter noch viel höher sind als beim ÖR Rundfunk, und die "kleinen" Mitarbeiter bei den Privaten eher weniger bekommen (denn der Gewinn muss ja maximiert werden). Aber dies in nur eine Vermutung.
JUL
09
16:31 Uhr, geschrieben von Jean Pütz
@Herr Grau - es gibt auch noch Kultur.
Ein Herr Grau darf gerne zu seinen werbefinanzierten Privat-Einlull-Sendern umschalten, wir wollen Kultur. Und das bei SWR 2.
Keine volkstümblichen und keine hinterwäldlerischen Jodelsendungen, keine Bierzeltphilharmoniker, keine Heia-Popeia-Musik. Wir wollen SWR 2.
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