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Baden-Württemberg
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Vorstand der L-Bank Politische Turbulenzen

Andreas Müller, vom 26.05.2010 07:32 Uhr
Zu alt? Zu hoch bezahlt? Der Vorstand der L-Bank im Fokus der Politik. Foto: dpa
Zu alt? Zu hoch bezahlt? Der Vorstand der L-Bank im Fokus der Politik. Foto: dpa
Stuttgart - Jürgen Hägele (62) ließ sich nichts anmerken. Wie jedes Jahr saß der Vizechef der L-Bank unlängst bei der Bilanzpressekonferenz neben seinen Vorstandskollegen, um das Geschäftsergebnis des Vorjahres zu präsentieren. Dank der guten Zahlen, so die Botschaft der landeseigenen Förderbank, bleibe man ein "stabiler Partner der Wirtschaft". Alle vier Herren wirkten zufrieden. Dabei hatte Hägele durchaus Grund zum Grollen. Wenige Tage zuvor musste er im Verwaltungsrat eine böse Überraschung erleben: Die sicher geglaubte Verlängerung seines Vertrages wurde plötzlich zur Zitterpartie. Eigentlich schien die erneute Bestellung als stellvertretender Vorsitzender des Vorstands reine Formsache zu sein. Immerhin gehört er bei der L-Bank fast zum Inventar. Vor 38 Jahren begann der gelernte Verwaltungsinspektor dort als Kreditbearbeiter, dann arbeitete er sich Stufe um Stufe nach oben. Seit 1996 sitzt er im Vorstand, seit 2002 als Vize, zuständig unter anderem für Kreditbetreuung, Bilanzen und Controlling.

Die Vorbereitungen für das Treffen des Verwaltungsrates, den Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) leitet, liefen noch ganz nach Plan. An Hägeles Konditionen sollte sich nichts Wesentliches ändern, Diskussionsbedarf um Posten oder Person schien es keinen zu geben. Doch als Pfister die Personalie in dem Gremium aufrufen wollte, wurde er nach Teilnehmerangaben jäh vom L-Bank-Chef Christian Brand gestoppt. Es gebe noch offene Fragen zu klären, man könne heute nicht entscheiden, beschied Brand seinen Chefaufseher. Der Minister war genauso verdattert wie die übrigen Verwaltungsräte.

Seither wird gerätselt, was sich zuvor im Hintergrund abgespielt hat. Brand habe einen entsprechenden Hinweis aus dem Staatsministerium erhalten, lautet die durchaus plausible Erklärung. Nur die Regierungszentrale nämlich könnte Pfister als obersten Regierungsvertreter im Verwaltungsrat stoppen. Warum aber geschah das erst auf den letzten Metern? Innerhalb des Kabinetts, das ist offenkundig, gab es erhebliche Kommunikationsprobleme. Die Ursache, vermuten Eingeweihte, könnte im Wechsel von Günther Oettinger zu Stefan Mappus im Amt des Ministerpräsidenten liegen, aber auch in der schwierigen Zusammenarbeit zwischen Mappus und Finanzminister Willi Stächele; der sitzt ebenfalls, wie fast der halbe Ministerrat, im Verwaltungsrat der L-Bank. Der Hauptbetroffene, Jürgen Hägele, schien eher das Zufallsopfer der Abstimmungspanne zu sein.

L-Bank-Vorstand verdient weiter über dem Limit


Doch die politischen Turbulenzen entfachten unversehens eine Diskussion über den Bankvorstand. Man könne das Vertragsende des demnächst 63-Jährigen doch nutzen, um eine Verjüngung der Führungsspitze anzugehen, empfahl laut Teilnehmern die Verdi-Landeschefin Leni Breymaier. Anlass dazu gäbe es allemal: Christian Brand zählt bereits 60 Lenze, seine Kollegen Karl Epple und Manfred Schmitz-Kaiser erreichen dieses Alter nächstes Jahr. Das sei jedoch nicht der einzige Grund für Breymaiers Vorstoß, glauben Insider. Sie agiere auch im Sinne der Personalvertretung, die mit Hägele schon öfter hart aneinander geraten sei. So unbestritten der Vorstandsvize fachlich ist, so umstritten ist sein Umgang mit Mitarbeitern; da könne er ziemlich rüde sein.

Auch Ministerpräsident Mappus sah sich bei der Regierungspressekonferenz prompt mit Fragen zum L-Bank-Vorstand konfrontiert. Ob eine vom Staat getragene Förderbank wirklich vier Vorstände brauche, die zwischen einer guten dreiviertel Million und einer knappen halben Million Euro verdienten? Diese Zahlen ergeben sich aus dem aktuellen Geschäftsbericht. Brand erhielt danach 707.000 Euro zuzüglich 92.000 Euro aus anderen Mandaten, die übrigen drei Vorstände kommen rechnerisch im Schnitt auf 470.000 Euro, wobei der Vize Hägele etwas mehr einstreichen dürfte. Wie passt das, nebenbei, zum (zumindest theoretischen) Gehaltslimit von 500.000 Euro bei der Landesbank Baden-Württemberg, LBBW?

Mappus zog sich mit Ahnungslosigkeit aus der Affäre: Er kenne die Vergütungsstruktur der L-Bank "schlicht und ergreifend nicht", im übrigen sei ohnehin der Finanzminister zuständig. Zur Höhe der Vorstandsbezüge sagte Willi Stächele lieber gar nichts, obwohl er dazu dem Vernehmen nach durchaus eine - kritische - Ansicht hat. Zu Hägeles Vertragsverlängerung meinte er nur, die Entscheidung darüber sei "aufgeschoben worden" und falle "in absehbarer Zeit".

Tatsächlich ist die Regierung inzwischen offenbar wieder einig, was sie bei der L-Bank will. Derzeit wird die Personalie im schriftlichen Umlaufverfahren abgesegnet, die Zustimmung des Kabinetts gilt danach - diesmal wirklich - als Formsache.
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Kommentare (3)
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MAI
27
18:47 Uhr, geschrieben von C. Wenzel
Vorbilder?
Man muss froh sein, dass so etwas rauskommt an die Oeffentlichkeit. Wie unsere jungen Menschen allerdings ihre Vorbilder finden sollen, das ist mir ein Rätsel.
MAI
26
13:11 Uhr, geschrieben von Günther
Eierkuchen
Wenn du als Freiberufler deine Steuern wegen der Finanzkrise kurz mal nicht abdrücken kannst, brechen dir die Helferlein der Finanzämter schnell mal das Genick, selbst wenn es nur um kleine Eurobeträge geht. Oder sperren einfach mal das Konto, wie bei einem Freund geschehen. Nur um sicher zu stellen, dass den Herren oben auch ihr großzügiges Gehalt sicher ist - obwohl eigentlich ne Obergrenze von 500.000 vereinbart ist bei der Lbbw. Aber dort verdient der Chefe auch mehr, weil Öttinger das so wollte. Irgendwann ist Schluss mit Friede, Freude, Eierkuchen!
MAI
26
09:29 Uhr, geschrieben von Na NA NA
"verdienen" ist hier mal wieder das nicht zutreffende Wort:
"bekommen" muß da meiner Meinung nach stehen. Hier geht es einmal mehr um die Pfründe der Politik. Und dann noch schlechten Umgang mit den Mitarbeitern. Echt konservativ-autoritär. Genau so, wie man es immer wieder erwartet. Flasche leer?
 
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