Vorzeigekonzern Benetton Neue Farben braucht der Sohn
Paul Kreiner, 05.02.2012 10:00 Uhr
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Die neue Kampagne von Benetton sorgt für Empörung. Nach einem geharnischten Protest aus dem Vatikan werden die Bilder des knutschenden Papstes aus dem Verkehr gezogen. Foto: dpa
Die neue Kampagne von Benetton sorgt für Empörung. Nach einem geharnischten Protest aus dem Vatikan werden die Bilder des knutschenden Papstes aus dem Verkehr gezogen. Foto: dpa

Rom - Alles begann mit einem gelben Pullover. Den schenkte Giuliana Benetton, die ihr Geld als Strickerin für ein kleines Modegeschäft verdiente, eines Tages ihrem Bruder Luciano. Der war Verkäufer von Beruf, und er erkannte die Chance: „Damals, nach dem Krieg, trugen alle so Beerdigungsfarben und hatten sie satt. Da kam ich mit dem gelben Pullover daher, und geradezu verzweifelt wollten alle so was haben. Wir kauften eine alte Strickmaschine, und seither konnte uns niemand mehr aufhalten.“

So weit die Firmenlegende. Wahr ist, dass die vier Geschwister Benetton – Luciano, Giuliana, Gilberto und Carlo – mit ihren locker-leichten „United Colors“ in gut fünfzig Jahren nicht nur ein Milliardenvermögen gemacht haben. Sie haben von Treviso aus, dreißig Kilometer nördlich von Venedig, ein Weltreich aufgebaut. Selbst wer sich nicht für die bunte Strickmode interessierte, kam nicht vorbei an den provozierenden Werbekampagnen, die der Fotograf Oliviero Toscani für Benetton inszenierte.

Doch das Geschäft läuft nicht mehr so gut. Die jungen Spanier von Zara, die kreativen Schweden von H&M setzen den etablierten Italienern zu. Benetton – mit 6400 Läden in 120 Ländern präsent – kann nicht mehr zulegen, und der Nettogewinn, der 2008 noch bei 155 Millionen Euro gelegen hatte, halbierte sich bis 2011. „Wir sind eine Dame mit Falten geworden“, gab der Konzern freimütig zu. Der Aktienkurs rutschte immer tiefer, und nun, am Ende, billigten die Anleger den Benettons nur mehr einen Börsenwert zu, der 300 Millionen Euro unter dem schieren Wert der Konzern-Immobilien lag.

Beteiligungen reichen vom Bahnhof bis zur Raststätte

So konnte das nicht weitergehen, und deshalb haben die Benettons beschlossen, die etwa 27 Prozent Streubesitz zurückzukaufen, die ihnen an ihrer Modesparte nicht mehr gehörten. Abseits vom Druck der Börse, abseits vom allvierteljährlichen Zwang zu immer neuen, zu immer besseren Quartalszahlen, so lassen sie durchblicken, wollen sie den Konzern umstrukturieren, oder – in der Haussprache – „die Eleganz und den jugendlichen Geist dieser Dame, die Werte, für die Benetton steht, wiederbeleben“. Verkaufsgerüchte indes, die auch schon aufgekommen sind, dementiert Benetton entschieden. Wobei: so abwegig war der Gedanke nicht. Zu den knapp zwölf Milliarden Euro Umsatz, den die Familienholding Edizioni meldet, trägt die Mode („United Colors“, „Undercolors“, „Sisley“, Playlife“) nur mehr ein Sechstel bei.

Weit lukrativer sind die anderen Sparten, in die sich die Benettons eingekauft haben, weil sie genug Geld dafür hatten. Atlantia zum Beispiel. Börsennotiert in Mailand, betreibt dieser Konzern allein in Italien 3400 Kilometer Autobahnen. Seine stetig steigenden Gewinne sowie die geplanten 21 Milliarden Euro Investitionen stammen aus Mauteinnahmen, die auf staatlichen Konzessionen beruhen.

Dazu passt, dass sich Benetton auch gleich die Firma „Autogrill“ gesichert hat, den weltgrößten Betreiber von Raststätten, sowie von Restaurants und Imbissständen in Bahnhöfen und auf Flughäfen. Und nachdem man sich auf diese Weise schon ins Reisewesen begeben hatte, lagen Beteiligungen an den größten Bahnhöfen Italiens, sowie an den Flughäfen von Rom, Turin und Florenz nahe. Daneben gehören den Benettons – die ihre Rohstoffe zum größten Teil aus Italien beziehen, die Produktionsstätten aber über die ganze Welt verteilt haben – 3000 Hektar Land vor den Toren Roms. Damit sind die Modemacher zu Italiens zweitgrößten Milchproduzenten aufgestiegen und müssen sich auf diesem Feld nur einer sardischen Bauernkooperative geschlagen geben.

Die Umstrukturierung des Konzerns geht auch mit einem Generationswechsel einher. Luciano Benetton, der Gründer und Präsident mit seiner Lockenmähne als Markenzeichen, wird im Mai diesen Jahres 77 Jahre alt; Giuliana, seine Schwester und erste Chefdesignerin, wird 75. Eigentlich – „theoretisch wenigstens“, sagt er selbst – ist Lucianos Sohn Alessandro (47) bereits der Chef im Haus. Ihn hat die Familie mit einer Idealausbildung auf die Konzernführung vorbereitet: Mit Mode hat er nichts zu tun; er studierte Finanzwissenschaften in Boston (USA) und lernte bei Goldman Sachs in London. Noch darf sich Alessandro unter seinem Vater nur „Vize-Exekutiv-Direktor“ nennen, aber im Frühjahr, so sagt man, übernimmt er offiziell die Geschäfte. Der Rückkauf der Aktien und der Abschied von der Börse, das war seine Idee. Alessandro ist der Einzige der zweiten Benetton-Generation, der im Konzern tätig ist. Jetzt baut er ihn um.

Kommentare (1)
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FEB
06
sam.boskop, 10:04 Uhr

langfristig

familienunternehmer planen langfristiger und konservativer, als vorstände von aktiengesellschaften, die jedes 1/4 jahr höhere umsätze und gewinne melden müssen, um den aktionären zu gefallen.

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