Votum über Stuttgart 21 Ums Geld wird wohl auch künftig gestritten
Thomas Braun, 28.11.2011 08:06 Uhr
Am Bauzaun des Grundwassermanagements ist es am Sonntag ruhig geblieben. Foto: Stoppel
Am Bauzaun des Grundwassermanagements ist es am Sonntag ruhig geblieben. Foto: Stoppel
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Stuttgart - Nach dem Sieg der Projektbefürworter bei der Volksabstimmung will die Bahn nach dem 6. Januar mit den Abrissarbeiten für den Südflügel beginnen. Um die Bäume im Mittleren Schlossgarten wird es dann vom 15. Januar an gehen: Wenn möglich, sollen sie versetzt, andernfalls gefällt werden. Bis Juli sind finale Arbeiten am sogenannten Grundwassermanagement angekündigt - die Voraussetzung für das Ausheben der Baugrube für den Tiefbahnhof. Im Herbst ist der Tunnelanstich für die zehn Kilometer lange Tunnelröhre zwischen Hauptbahnhof und Flughafen vorgesehen.

Doch zunächst einmal wird am Montag in Berlin der Konzernvorstand der Deutschen Bahn AG zusammentreten. Erwartet wird ein Appell an die Landesregierung, künftig mit dem Bauherrn Bahn konstruktiv zu kooperieren und ihre bisherige, aus Bahnsicht obstruktive Haltung gegenüber Stuttgart21 aufzugeben. Man erwarte, so war aus Konzernkreisen zu hören, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zu seinem Wort stehe, wonach das Projekt nunmehr realisiert werde und die Regierung das Baurecht der Bahn durchsetze. Die Bahn-Spitze, also Vorstandschef Rüdiger Grube und der verantwortliche Technikvorstand Volker Kefer, wollen sich am Montagnachmittag auf einer Pressekonferenz in Berlin äußern - die Bahn will zunächst die politische Reaktion der Landesregierung auf das Abstimmungsergebnis abwarten.

Die Bahn hat bereits im Vorfeld der Volksabstimmung eine baldige Sitzung des S-21-Lenkungskreises nach dem Plebiszit angemahnt, um die Landesregierung an ihre Projektförderpflicht zu erinnern. Einem Treffen noch vor der Volksabstimmung hatte sich die DB verweigert. Bei der Zusammenkunft, deren Termin noch nicht feststeht, wird der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) aber voraussichtlich erneut darauf dringen, dass der Bauherr über weitere Kostenrisiken berichtet. Dabei geht es auch um die bereits eingetretene zweijährige Verzögerung des Baubeginns für die Fildertrasse zwischen Rohrer Kurve und Flughafen. Nach wie vor befürchten die Grünen, dass die auf maximal 4,5 Milliarden Euro kalkulierten Projektkosten nicht zu halten sein werden.

Sofortiger Stopp der Proteste lässt sich nicht verordnen

Die grün-rote Landesregierung hat in der Koalitionsvereinbarung fixiert, dass Baden-Württemberg über seinen maximalen Kostenanteil in Höhe von 930 Millionen Euro hinaus kein Geld nachschießen wird. Bahn-Chef Grube wiederum steht auf dem Stadtpunkt, dass Land, aber auch Stadt, Region und Flughafen sich gegebenenfalls an der Finanzierung von Zusatzkosten oberhalb der von ihm als "Sollbruchstelle" bezeichneten Summe von 4,5 Milliarden beteiligen müssten.

Im Finanzierungsvertrag ist vereinbart, dass sich die Projektpartner in einem solchen Fall zusammensetzen und miteinander reden. Juristen interpretieren diese sogenannte Sprechklausel unterschiedlich - die einen als Gespräch über die Aufteilung der Mehrkosten zwischen Bahn, Land, Stadt, Region und Flughafen, die anderen als informelles Treffen ohne daraus abzuleitende Zahlungsverpflichtungen.

Und die Projektgegner? Beim Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 heißt es, man werde auf jeden Fall am Montagabend noch die 101. Montagsdemonstration abhalten, auch um den Frust zu kanalisieren und "Druck abzubauen", wie es der Bündnissprecher und Stuttgarter SÖS-Stadtrat Hannes Rockenbauch ausdrückt. Zwar akzeptierten die Stuttgart-21-Gegner ihre Niederlage, ein sofortiger Stopp der Proteste lasse sich aber nicht verordnen. Deshalb plant das Aktionsbündnis eine baldige Konferenz, auf der entschieden werden soll, welche Perspektiven sich aus dem Ergebnis des Plebiszits ableiten lassen.

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Kommentare (26)
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Karl Heinz Siber, 10:55 Uhr

@ masochist

Sie schreiben: "Der bahn muss jetzt unmissverständlich und rechtsverbindlich klar gemacht werden, dass sie keinen cent über den sogenannten kostendeckel hinaus bekommt. dann wird sie auch nicht bauen wollen." Das ist zwar gut gemeint und leicht gesagt, aber wie soll das gehen? Dass die 4,5 Mrd. nicht reichen werden, mag den meisten jetzt schon klar sein, aber es wird der DB ein leichtes sein, dies für ein paar Jahre zu verschleiern. Irgendwann kommt es dann zum Schwur, d.h. die DB muss irgendwann bekennen, dass alles leider viel teurer geworden ist bzw. noch wird. Angenommen, das passiert im Jahr 2014. Was tun in der Situation dann die Stadt Stuttgart und das Land B-W? Den Geldhahn zudrehen? Dann sagt die Bahn: Schön und gut, aber dann können wir leider nicht weitermachen, dann bleibt die Baustelle, wie sie ist, und der Bahnverkehr wird auf unabsehbare Zeit weiter über die provisorischen Bahnsteige abgewickelt. Wer wird dann wohl nachgeben und schweren Herzens die Mehrkosten hinblättern?

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29
Karl Heinz Siber, 10:48 Uhr

@ Booker_T

Sie fordern die Stuttgarter Zeitung unmissverständlich auf, künftig wieder jene Zensur zu üben, die sie schon bis Mitte 2010 praktiziert hat. Bis dahin gab es in der Stuttgarter Presse praktisch keine Berichterstattung über den Widerstand gegen Stuttgart 21. Das hätten Sie wohl gerne wieder. Sie möchten in der Stuttgarter Zeitung nur das lesen, was Ihnen als S21-Befürworter "seriös" erscheint. Ich hingegen möchte im Zweifelsfall lieber eine unseriöse Stellungnahme zuviel lesen, als dass eine übervorsichtige Presse wichtige Dinge unter den Tisch fallen lässt.

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28
Julia S., 21:24 Uhr

"Die Bahn hat bereits im Vorfeld der Volksabstimmung eine baldige Sitzung des S-21-Lenkungskreises nach dem Plebiszit angemahnt"

Nanu, warum plötzlich so schnell, Herr Grube? Vor der Volksabstimmung ging das doch gar nicht?

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