Wachstumskritik Der zufriedene Fatalist

Alexander Mäder, 28.11.2012 15:48 Uhr

Bremen - Dennis Meadows ist ein angenehmer Gesprächspartner, schlagfertig und jovial. Wenn er gefragt wird, ob die Welt noch eine Chance habe, schnappt er theatralisch nach Luft, als habe er eine so schwierige Frage noch nie gehört. Doch sein Publikum erwartet, dass er die großen Linien aufzeigt – so wie vor 40 Jahren, als er mit seiner damaligen Frau Donella und 15 Kollegen den Club-of-Rome-Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ vorstellte.

Ihm sei es um die Frage gegangen, wann das an Fahrt zunehmende Wachstum die Ressourcen der Erde überfordern würde, sagt der 70-Jährige. Die Antwort: je nach Computersimulation zwischen 2020 und 2060. Weil die Studie von der Volkswagen-Stiftung finanziert wurde, ist Meadows in diesen Tagen in Deutschland. Am Dienstagabend trat er in Bremen auf. Seine Botschaft hielt er dort plakativ und überging zum Beispiel die Unterscheidung zwischen Prognosen und Szenarien. Die Simulationen sollten mögliche Entwicklungslinien unter verschiedenen Voraussetzungen aufzeigen, also lehrreiche Szenarien ausmalen, und nicht mit Bestimmtheit voraussagen, was geschehen wird.

Seine Mahnungen haben nicht zum Umdenken geführt

Vor einigen Tagen, erzählt Meadows, habe er seine erste Rede zum Bericht nachgehört. Sie liegt im Archiv des US-amerikanischen Smithsonian-Forschungsinstituts. Er habe damals offenbar gedacht, dass er die Probleme nur benennen müsse, damit die Gesellschaft einen neuen Kurs einschlägt. Es sei enttäuschend festzustellen, dass er heute noch dieselben Dinge sage wie vor 40 Jahren.

Dennoch gibt sich Meadows gut gelaunt; er sei ein glücklicher Mensch. Wie er das macht? Er sehe die Zusammenhänge in einem größeren historischen Kontext, sagt er. Im Laufe der Jahrhunderte gehe es mit den Gesellschaften auf und ab. Er sehe keinen Grund, warum sich daran etwas geändert haben sollte und der gegenwärtige Zustand stabil sei. Außerdem habe er seine Ansprüche reduziert, sagt Meadows.

Den Klimagipfel in Katar nennt er eine „Farce“ und eine „Zeremonie, die nichts bewirkt“. Aber was wolle man machen: Demokratien seien ungeeignet, um Herausforderungen wie den Klimawandel zu meistern. Denn welcher Politiker könne hoffen, gewählt zu werden, wenn er Anstrengungen ankündigt, von denen erst die kommenden Generationen profitieren werden?