Waffenbesitz des Justizministers
Goll erntet Kopfschütteln
Andreas Müller,
05.05.2010 07:14 Uhr
Landesjustizminister Ulrich Goll sieht sich mit einer Welle der Empörung konfrontiert. Foto: dpa
""Ich sehe das für mich nicht als hilfreich an.""
Justizminister Goll (FDP) über Personenschützer
Dabei hätte der FDP-Ressortchef - etwas Gespür fürs gemeine Volk vorausgesetzt - ahnen können, was er mit seinem Bekenntnis und den darauf folgenden Rechtfertigungen auslöst. Schon der Anlass dafür war denkbar unpassend: Ausgerechnet eine Pressekonferenz, bei der die Landesregierung für eine Amnestie zur freiwilligen Rückgabe von illegalen Waffen warb, nutzte er vor Wochenfrist, um sich selbst als Waffenbesitzer zu outen.
Eine Pistole von Heckler & Koch, Kaliber neun Millimeter, und einen Revolver von Smith & Wesson, Kaliber 22, nenne er sein Eigen, berichtete Goll dabei mit kaum unterdrücktem Stolz. Die lägen daheim sicher im Tresor, erfuhren die gleichermaßen verdutzten Kabinettskollegen und Journalisten, den Code kenne nur er allein. Alle sechs bis acht Wochen, berichtete Goll, absolviere er damit Schießübungen. Die Glaubwürdigkeit der Bundesratsinitiative aus Stuttgart war damit erst einmal perdu.
Richtig schlimm machte der Oberliberale die Sache anderntags mit der nachgeschobenen Begründung. Die Waffen brauche er zu seinem persönlichen Schutz, erläuterte er da dem perplexen Publikum: Gerade in der Justiz komme es "nicht selten zu konkreten Bedrohungs- und Gefährdungssituationen", immer wieder gebe es potenziell gefährliche "Grenzgänger". Da sei es für ihn "beruhigend", sich gegebenenfalls gegen Angriffe wehren zu können.
Die Polizisten im Land sind "geladen vor Wut"
Eigentlich gibt es dafür die Personenschützer der Polizei, sechs davon stünden ihm zu. Doch auf deren Dienste, enthüllte der Minister, verzichte er von jeher: "Ich sehe das für mich nicht als hilfreich an." Einmal am Plaudern, redete sich Goll danach noch tiefer ins Schlamassel. Was die Leibwächter wert seien, zeige ein Vorfall um den früheren Ministerpräsidenten: "Wenn man dem Günther Oettinger eine Torte auf die Brust werfen kann, dann weiß ich eigentlich schon alles. Und die Personenschützer machen erstaunte Gesichter." Tatsächlich war die Attacke einer Studentin vom Spätherbst 2007 ein ziemliches Debakel für die Beamten; einer von ihnen ließ sich danach sogar entpflichten. Aber taugt ein unglücklicher Einzelfall wirklich als Beleg, dass der Schutz nicht funktioniert? Hätte Goll etwa auf die Torte oder die Werferin geschossen?
Mit jedem Tag wurde die Woge der Empörung über den Justizminister höher. Zunächst protestierte die Opposition, man lebe doch "nicht im Wilden Westen". Dann zeigten sich Angehörige der Winnenden-Opfer befremdet über den FDP-Vormann: "Man sieht, dass die Waffenlobby auch in der Landesregierung sitzt." Schließlich platzte der Gewerkschaft der Polizei der Kragen: Die Kollegen seien "geladen vor Wut" und fühlten sich "durch den Kakao" gezogen, zürnte der Landesvorsitzende. Auch in den Reihen von CDU und FDP herrschte Kopfschütteln über die "mangelnde Sensibilität" des Vizepremiers. Da zeige sich mal wieder, wie weit Goll von den gewöhnlichen Menschen entfernt sei, analysierten Parteifreunde. So wenig er einst die Irritationen über seinen Ferrari verstanden habe, so wenig verstehe er jetzt die Aufregung um seine Schießeisen.
Während Goll lieber in Deckung blieb, legten die Fraktionschefs der Opposition am Dienstag noch einmal nach. Es sei völlig inakzeptabel, schimpfte Claus Schmiedel (SPD), wenn ausgerechnet der Justizminister "das Gewaltmonopol des Staates infrage stellt"; da werde er nachgerade zum "Minister für Selbstjustiz". Winfried Kretschmann (Grüne) befand kurz und knapp, Golls Verhalten sei "geradezu bizarr" und "untragbar".
Umso wohltuender dürften für den Gescholtenen die nachträglichen Glückwünsche seines Ministeriums zum 60. Geburtstag am Sonntag gewesen sein. "Ulrich Goll", gratulierte sein treuer Amtschef per Pressenotiz, "ist das Beste, was unserer Justiz passieren konnte."
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Minister Goll
Inwieweit Sie die Toleranz freier Meinungsäußerung anderer praktizieren, kann man im letzten Abschnitt Ihres Kommentars lesen.
Jaja^^
Von wegen. Diese Waffen sind legal, sie sind aber auch unglaublich unpassend in Anbetracht der Begründung, warum er sie habe.Das Verhalten des Ministers kann im gesamten Zusammenhang nur als dümmlich bezeichnet werden. Und wem´s nicht passt, dass hier Leute eine andere Meinung vertreten als er selbst, der kann, anstatt andere zum Verlassen des Landes aufzufordern, gerne selbst seine Koffer packen. Freie Meinungsäußerung passt besser zu einer Demokratie als freier Zugang zu Waffen!
Minister Goll
Da sieht mans mal wieder! Außer mit dem Finger auf andere zu zeigen und sie zu beschimpfen, können diese Gutmenschen nichts. Die Waffen sind legal,sicher verwahrt und passen in ein demokratisches Land.Basta! Wems nicht paßt, der soll von hier abhauen und woanders versuchen die Leute zu gängeln, und zu diffamieren.Wahrscheinlich werden diese Typen aber woanders kein Glück haben.