Wahl 2017 Digitalisierung soll den Wohlstand wahren

Von Sandra Dambacher-Schopf 

Stefanie Knecht tritt für die FDP bei der Bundestagswahl an. Als die Partei 2013 aus dem Bundestag flog, stieg sie ein. Jetzt will sie helfen, die Fünf-Prozent-Hürde zu überwinden – etwa mit dem Thema Bildung.

Die Ludwigsburger kennen Stefanie Knecht. Auch in Jeans und mit offenem Lächeln, wie hier an ihrem Lieblingsplatz in der Eberhardstraße. Foto: factum/Bach
Die Ludwigsburger kennen Stefanie Knecht. Auch in Jeans und mit offenem Lächeln, wie hier an ihrem Lieblingsplatz in der Eberhardstraße. Foto: factum/Bach

Ludwigsburg - „Hallo Steffi!“ Wenn Stefanie Knecht durch die Straßen in der Innenstadt geht, winkt alle paar Meter jemand. Man kennt die 48-jährige gebürtige Ludwigsburgerin – nicht zuletzt wegen ihres Ex-Mannes Andreas Rothacker, dem Braumeister und Gastronomen, der im Gemeinderat sitzt. Sie selbst hatte lange Zeit eher weniger mit aktiver Politik zu tun. Zwar unterstützte sie als Mitglied der Freien Wähler den Wahlkampf des aktuellen Oberbürgermeisters Werner Spec, aber erst 2013 trat sie in die FDP ein, um aktiv zu werden. „Ich hatte das Gefühl, nach der Niederlage in der Bundestagswahl muss ich etwas tun“, sagt sie. 2015 wurde sie die stellvertretende Kreisvorsitzende. „Ich war lange einfach Bürgerin“, sagt sie.

An diesem Tag ist sie unterwegs zu ihrem Lieblingsplatz in Ludwigsburg, der Eberhardstraße. „Die Straße hat eine enorme Entwicklung hinter sich“, sagt sie. Wo früher nichts los war, sitzen nun viele Gäste von Lokalen. „Das ist für mich ein Beispiel für positive Entwicklung mit Zukunft.“ Und für eine solche will sie sich einsetzen, falls sie in den Bundestag gewählt wird. Eine Chance dazu gibt es. Sie steht auf dem Listenplatz 14.

Nicht auf dem Wohlstand ausruhen

„Wenn wir wollen, dass Deutschland eine positive Zukunft hat, dürfen wir uns jetzt nicht auf unserem Wohlstand ausruhen“, sagt sie und denkt dabei auch an ihre drei Töchter. Ihre jüngste ist in der Grundschule, die mittlere besucht ein Gymnasium und die älteste studiert. Als Elternbeiratsvorsitzende bekommt sie mit, was an Schulen schiefläuft. Ihr Topthema heißt deshalb: Bildung – und zwar lebenslange.

Den Trend hin zu Gemeinschaftsschulen findet sie fraglich. „Das ist Gleichmacherei“ meint sie. Vom Abitur für alle hält sie nichts und plädiert hingegen dafür, das Handwerk wieder aufzuwerten. Es sei viel wichtiger, zu erkennen, wo die Stärken und Interessen eines Kindes liegen und es in diese Richtung zu fördern. Ein Beruf sei doch viel mehr als Geldverdienen, nämlich auch ein Glücksspender – aber nur, wenn er passt. Ein weiteres Problem sieht Knecht darin, dass Schüler auf dem Pausenhof über ihre Handys in die digitale Welt eintauchten und dann in Schulen gingen, die in der Steinzeit hingen.

„Der ländliche Raum wird abgehängt“

Deshalb fordere die FDP auch, in den kommenden fünf Jahren pro Schüler 1000 Euro in Technik zu investieren. Die Kinder müssten auf die neue Arbeitswelt vorbereitet werden, in der mobil und smart gearbeitet werde – auch entgrenzt von einem festen Arbeitsplatz. Für solche Unternehmen könne nur arbeiten, wer ein gutes Netz hat. „Der ländliche Raum wird abgehängt“, sagt Stefanie Knecht. Aber weder Firmen noch Menschen wollten den Anschluss verlieren. Das trage zu komplett überfüllten Städten bei. Die Idee der FDP, ein Digitalisierungsministerium einzurichten, unterstützt sie deshalb voll. Staus und Wohnungsnot könne man damit allein nicht bekämpfen. Der Straßenausbau müsse vorangetrieben, die ÖPNV-Preise attraktiver gestaltet und die Mietpreisbremse abgeschafft werden, damit Investoren wieder bauen, sagt die Immobilienverwalterin.

Ganz andere Welten hat sie in Kanada kennengelernt, wo sie drei Jahre gelebt hat. Auch von der dortigen Einwanderungspolitik ist sie begeistert. „Wir müssen nicht alle integrieren“, sagt sie. Aber jene, die die Möglichkeit hätten, hier zu bleiben, den Willen zu Integration und Arbeit zeigten, sollten unterstützt werden. „Dafür brauchen wir ein neues Zuwanderungsgesetz.“

„Für mich ist es ein großes Glück, dass ich hier geboren wurde. Ich bin stolz, Schwäbin zu sein.“ Wenn sie es nach Berlin schafft, will Knecht in ihrem geliebten Umfeld bleiben und eben pendeln.