Wahlatlas Stuttgart Eine Frage der Sichtweise

Von  

Ist der neue Glanz also schon wieder am Verblassen? Im Giebel ist eben vieles eine Frage der Sichtweise.

Aus der Perspektive von Fritz Mutschler wird im Giebel gerade alles besser, zumindest hübscher. Der SPDler ist Vorsitzender des Bürgervereins Giebel; Hans-Martin Goede bezeichnet ihn als „Mister Giebel“. Mutschler war maßgeblich daran beteiligt, dass der Giebel für das Förderprogramm „soziale Stadt“ ausgewählt wurde. Auch er zeigt dem Besucher die schönen Seiten seines Stadtteils: das schicke Bürgerhaus samt Spielplatz davor, die Baustellen im Lurchweg, die sanierten Wohnblocks. „Sehen Sie, das ist gutes Wohnen, und ich glaube, dass die, die jetzt hier wohnen, 2014 nicht mehr die Republikaner wählen werden“, sagt der 62-Jährige.

Fritz Mutschler erzählt vom Weihnachtsmarkt in Giebel, vom Weinfest und von der Kulturnacht. Am 31. Mai gibt es ein Bürgerfest anlässlich 60 Jahren Stadtteiljubiläums. Feiern kann er, der Giebel, da sind sich alle einig. Einmal Giebel, immer Giebel, sagen sie. Familien sind hier willkommen und die neu gebauten Wohnungen sind alle auf der Höhe der Zeit. Gibt es eine Verdrängung der sozial Schwachen durch die damit zwingend einhergehenden, teureren Mieten? „Ich habe bisher nicht gehört, dass das ein Problem ist“, sagt Fritz Mutschler.

Auf dem Ernst-Reuter-Platz ist der Springbrunnen mittlerweile an. Ein paar Alte sitzen auf den Bänken, zwei Kinder auf Rollerblades versuchen, den Wasserfontänen auszuweichen. Solange die Sonne scheint, leuchten die Bodenplatten in warmem Gelb. Derzeit herrscht im Giebel eine Aufbruchstimmung. Der Stadtteil macht sich hübsch, hier verändert sich etwas.

Die Hoffnung ist groß, dass hier alles besser wird: das Leben, die Bewohnerstruktur, auch die Wahlergebnisse. Die öffentliche Hand hat dafür Geld in die Hand genommen, der Wohnungsmarkt zieht mit. Ob davon die große Mehrheit im Giebel profitiert oder einige wenige darunter leiden, sprich wegziehen müssen: alles eine Frage der Sichtweise.