Wahlkampf in Stuttgart Parteien streiten über Plakate

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Ein Grüner wirft AfD-Mitgliedern vor, Wahlplakate in Stuttgarter Stadtteilen entfernt zu haben. Die Beschuldigten wehren sich und weisen die Vorwürfe zurück. Die Polizei kann nur spekulieren.

Parteien beklagen im Wahlkampf immer wieder die Zerstörung ihrer Plakate. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Parteien beklagen im Wahlkampf immer wieder die Zerstörung ihrer Plakate.Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Martin Selje ist empört. Über Nacht seien Wahlplakate seiner Partei und der SPD in den Stadtteilen Steckfeld und Hohenheim verschwunden. An ihrer Stelle habe der Vorsitzender des Ortsverbands der Grünen in Plieningen und Birkach, Plakate der AfD vorgefunden. Selje ist sich sicher, dass das kein Zufall ist. Er habe bei der Polizei zwar Anzeige gegen Unbekannt gestellt, sagt er. „Den Polizisten habe ich aber gesagt, dass ich AfD-Mitglieder verdächtige“, sagt Selje.

AfD weist Vorwürfe zurück

Der Sprecher der AfD-Fraktion im Gemeinderat, Bernd Klingler, bezeichnet die Mutmaßungen von Martin Selje als ungeheuerlich. „Der Mann muss aufpassen, was er sagt“, sagt Klingler. Er kenne die AfD-Mitglieder, die in den Stadtteilen Plakate aufhängen würden, fügt er hinzu. „Ich lege meine Hand ins Feuer, dass diese Leute nie etwas tun würden, das gegen das Gesetz verstößt“, sagt der AfD-Politiker. Niemand von der AfD habe also Plakate anderer Parteien entfernt, um eigene Wahlwerbung anzubringen. An den entsprechenden Orten hätten schlichtweg keine Plakate anderer Parteien gehangen, sagt Klingler.

Seinerseits äußert Klingler nun den Vorwurf, dass Mitglieder der Grünen Jugend und der Jusos im Internet dazu aufriefen, Wahlplakate seiner Partei abzuhängen. Klingler will entsprechende Bildschirminhalte als Beweise gespeichert haben. Mit dem grünen Oberbürgermeister Fritz Kuhn wolle er ein Gespräch führen, über das Verhalten der Grünen Jugend gegenüber der AfD im Wahlkampf, sagt Bernd Klingler.

Jugendorganisationen der Grünen und SPD widersprechen

Die Sprecher der beiden Jugendorganisationen von SPD und Grünen widersprechen dem AfD-Politiker. „Wir werden den Teufel tun, von offizieller Seite dazu aufzurufen, Wahlplakate der AfD abzuhängen“, sagt Marcel Roth vom Vorstand der Grünen Jugend Stuttgart. Annaick Geißel von den Jusos weist die Anschuldigung Klinglers gleichfalls zurück. „Wir halten die AfD für eine undemokratische Partei, die wir aber mit demokratischen Mitteln bekämpfen wollen“, sagt Geißel. Der grüne Jungpolitiker Marcel Roth hält Klinglers Äußerungen für ein Manöver und stellt ein Bezug zu der AfD-Forderung auf, bei der Landtagswahl am 13. März Beobachter in den Wahllokalen einzusetzen . „Die Partei will sich jetzt in einer Opferrolle zeigen“, sagt Roth.

Annaick Geißel von den Jusos weist aber nicht nur die Vorwürfe der AfD zurück. Sie bezweifelt, dass AfD-Mitglieder für das Verschwinden von SPD und Grünenplakaten in Steckfeld und Hohenheim verantwortlich sind. „Ich glaube nicht, dass eine Partei so etwas tun würde“, sagt sie. Sie plädiere für eine scharfe Auseinandersetzung mit der AfD. „Solche Vorwürfe sind aber unsachlich“, sagt Geißel.

Die Stuttgarter Polizei sieht derweil geringe Chancen, den Vorgang aufzuklären. „Bei solchen Aktionen kann man über die Täter meist nur spekulieren“, sagt ein Sprecher der Polizei.

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13 KommentareKommentar schreiben

Loriot wusste schon: „Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen.“

Der Bericht ist ein Witz !: Da werden massenhaft Plakate der AfD geklaut oder zerstört - in Karlsruhe über 2.000 - und da regt sich dann ein Grüner auf, weil zwei seiner Plakate verschwunden sind. Und das Tolle, die StZ schreibt dann eine ganze Seite über die zwei verschwundenen Grünenplakate. Dazu fällt mir leider nichts mehr ein!

Wetterstabilität: @Andrea: Richtig, die Plakate sind nicht besonders wetterstabil. Wer weiß, ob die Aufhänger das richtig machen. @AfD: Wer sich so radikal gegen andere Lebensentwürfe stellt und damit die Verfassung mißhandelt, schafft sich viele Feinde. Jetzt die politische Konkurrenz verantwortlich machen zu wollen, ist billig. Wohl doch nicht so die Alternative.

Obwohl ich die Idee: auf Wahlplakate völlig zu verzichten und damit viel Geld zu sparen, auch wichtig und darüber nach-denkens-wert finde, kann man es für diese Wahl nicht mehr umsetzen. Allerdings wie leichtfertig, hier in manchen Kommentaren mit dem Beseitigen von Plakaten umgegangen wird, irritiert mich, denn es wird rechtlich als Straftat gesehen und geahndet. Die Tatsache, dass andere wie hier erwähnt, meine "politischen Feinde" sind, rechtfertigt doch nicht deshalb eine Straftat zu begehen. Überhaupt habe ich bei mancher Argumentation hier im Forum, das Gefühl, man handelt frei nach dem Motto "Der Zweck heiligt die Mittel". Wenn jeder für sich selbst in Anspruch nimmt zu entscheiden, was erlaubt ist und was nicht oder an welche Gesetze er sich hält und an welche eben nicht, weil er diese Gesetze nicht sinnvoll findet, (gemäß der Aussage von Volker Beck) dann beginnt es langsam gefährlich zu werden.

Deren Wirksamkeit wird völlig überbewertet: bei dieser Wahl ist eine jede Partei auf die eine oder andere Art, doch bereits im Gerede. - - - AM BESTEN finde ich, daß die, welche " zum Abhängen aufrufen " , ihrer EIGENEN Partei schaden. - - - Somit ist des Ausgleiches hier auch wieder Genüge getan. - - - Wahlentscheidend sind letztlich nur die Dinge, die das Wahlvolk im Moment als wichtig erachtet.

Jaja: Herr Klingler, nur müssen Sie aufpassen die Hand nicht zu verbrennen! Sicher ist auch, dass Jugendliche nicht nur Grünen Plakate zerstören auch die der anderen Parteien leiden!

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