Wahlkreis Backnang: Götz Poppitz (Grüne) Ein Grüner durch Stuttgart 21

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Götz Poppitz will im Wahlkampf vor allem für den Ministerpräsidenten die Fahne hoch halten – und für sich selbst Erfahrungen sammeln.

Götz Poppitz in dem Backnanger Restaurant Merlin, wo sich auch regelmäßig der Ortsverband trifft. Foto: Gottfried Stoppel
Götz Poppitz in dem Backnanger Restaurant Merlin, wo sich auch regelmäßig der Ortsverband trifft.Foto: Gottfried Stoppel

Backnang - Das Jugendfoto, das Götz Poppitz zum Redaktionsgespräch mitgebracht hat, ist ziemlich frühe Jugendzeit. Etwa anderthalb Jahre dürfte er alt gewesen sein, als die Aufnahme entstanden ist, schätzt der heute 45-Jährige. Während der Durchsicht der alten Bilder habe er bei diesem gewisse Parallelen zu seiner heutigen Situation entdeckt und es deshalb ausgewählt: „Ich muss zurzeit schon ganz schön häufig telefonieren.“

So richtig viel Zeit, sich an seine neue Rolle zu gewöhnen, hat der Landtagskandidat der Grünen im Wahlkreis Backnang auch nicht gehabt. Er sei von dem Antrag seiner Ortsverbandskollegen ziemlich überrascht worden, räumt Poppitz unumwunden ein. „Ich war davon ausgegangen, dass es der Willy Härtner wieder macht.“ Doch der habe wegen seines verstärkten Engagements auf kommunaler Ebene – er sitzt außer im Backnanger Gemeinderat neuerdings auch im Kreistag – verzichtet.

Götz Poppitz ist zwar der aktuelle Vorstandssprecher im Ortsv

Götz Poppitz mit etwa anderthalb Jahren Foto: privat
erband Backnanger Bucht und auch im erweiterten Kreisvorstand der Grünen engagiert, aber parteipolitisch eher ein Spätberufener. Den Ausschlag, sich aktiv bei den Grünen zu engagieren, habe Stuttgart 21 gegeben. Nach und nach erst seien ihm die Dimensionen und Hintergründe des Bahnprojektes bewusst geworden. Im August 2010 hatte er sein erstes Montagsdemoerlebnis, dem er dann aus stetig zunehmender Überzeugung regelmäßige Teilnahmen folgen ließ. Vom „schwarzen Donnerstag“, an dem die Polizei im Stuttgarter Schlossgarten mit Wasserwerfern gegen die Demonstranten vorging, habe er nur noch das Ende mitbekommen, weil er im Büro aufgehalten worden sei. Zwei Tage danach reichte er seinen Beitrittsantrag bei den Grünen ein.

Fünfeinhalb Jahre später, bei seiner Kandidatur für den Landtag, sieht er nun seine vordringliche Aufgabe darin, die Fahne für den amtierenden Ministerpräsidenten hochzuhalten. „Wer mich wählt, wählt auch Winfried Kretschmann – die beste ­aller Alternativen“, sagt Götz Poppitz. Kretsch­mann habe seines Erachtens einen sehr guten Job gemacht, obwohl die Regierungskoalition leider nicht jedes Thema erfolgreich habe zu Ende führen können. Und wenn er selbst den Sprung in das Landesparlament schafft? Dann würde Götz Poppitz gerne sein wirtschaftliches Knowhow einbringen, sagt der Mann, der seit seiner Ausbildung zum Betriebswirt mit Fachrichtung Wirtschaftsinformatik an der Berufsakademie bei Mercedes arbeitet.

In seiner grünen Anfangszeit, sagt Poppitz und lächelt verstohlen, habe er sich fast ein wenig geschämt, bei einem Großkonzern beschäftigt zu sein. Doch dieser Gedanke habe sich längst ins Gegenteil verkehrt. „Wir brauchen die Wirtschaft und ihr Wissen, um grüne Ideen und Umwelttechnologien voranzutreiben“, sagt Poppitz. Das Ringen um einen Klimawandel biete wiederum vielen Betrieben eine große Chance. „Da tun sich für die riesige Absatzmärkte auf.“

Den Vorwurf, dass ausgerechnet eine grün-geführte Regierung ein wichtiges Umweltthema, nämlich die Feinstaubbelastung in Stuttgart, verschlafen habe, weist Poppitz zurück. „Das sagt sich leicht, wenn man jahrzehntelang selbst nichts getan hat.“ Eine Patentlösung hat freilich auch er nicht in der Hosentasche. Ein kompromissloses Fahrverbot in der Landeshauptstadt ist auch für den leidenschaftlichen S-Bahn-Fahrer kaum durchsetzbar: „Das würde eine Revolution auslösen.“

Einzelne Aufstände von scheuklappendenkenden Windkraftgegnern würde der gebürtige Stuttgarter, der in Backnang aufgewachsen ist, hingegen durchaus in Kauf nehmen. Auf die Frage, wie viele Anlagen der Rems-Murr-Kreis denn vertragen würde, antwortet er mit einer Gegenfrage. Die nämlich müsste seiner Ansicht nach lauten: „Wie viele sind nötig?“ Dass eine Abkehr von der Energiegewinnung aus Atomkraft dringend geboten sei, bezweifle nach Fukushima wohl kaum jemand mehr. Um aber unseren Energiebedarf zu decken, seien Windräder nötig. Mit Dogmatismus habe das nichts zu tun, sagt Poppitz. Das zeige sich auch in einem anderen Themenbereich. „Wir Grünen haben in der Regierungszeit bewiesen, dass wir auch Straßen bauen und nicht nur Radwege.“