Wahrnehmung
"Jungs bewerten Schmerzen anders"
Julia Bidder,
18.02.2011 07:09 Uhr
Foto: AP
""Jungen können wir offenbar besser helfen als Mädchen.""
Boris Zernikow, Chefarzt
"Aber Jungen können wir offenbar besser helfen als Mädchen", berichtet Boris Zernikow, Chefarzt des Vodafone Stiftungsinstituts für Kinderschmerztherapie und Pädiatrische Palliativmedizin in Datteln. Bei den Jungen erreichen die Mediziner eine neunzigprozentige Schmerzreduktion, bei den Mädchen nur 75 Prozent. Zum Beispiel bei Melanie: Vor ihrer stationären Aufnahme litt die 14-Jährige unter so starken Kopfschmerzen, dass sie kaum noch zur Schule ging. Auf der Schmerzskala vergab sie täglich zehn von zehn Punkten. Auch drei Monate nach der Therapie fühlt sie an jedem dritten Tag ein unangenehmes Druckgefühl im Kopf, das entspricht vier Schmerzpunkten auf der Skala. Melanie kann zwar ihren Alltag meistern, hat aber dennoch Beschwerden.
Unterschiedliche Wahrnehmung
"Jungen haben nach dem stationären Aufenthalt im Vergleich zu den Mädchen durchschnittlich weniger und seltener Kopfschmerzen", sagt Markus Blankenburg von der Dattelner Kinderklinik. Wenn Mediziner akute Schmerzen lindern, etwa nach einer Operation, finden sie keinen derartigen Unterschied. Auch schmerzstillende Medikamente wirken bei Jungen und Mädchen offenbar identisch.
Nehmen Jungen und Mädchen Schmerzen einfach nur unterschiedlich intensiv wahr? Etliche Studien haben versucht, genau das herauszufinden. Meist kamen dabei Hitze- oder Kältereize zum Einsatz: Kinder sollten ihre Hände entweder in eiskaltes oder heißes Wasser tauchen und sagen, ab wann es ihnen weh tut. Nur ein Drittel dieser Experimente ließ dabei den Schluss zu, dass Mädchen Schmerzreize intensiver wahrnehmen. Die übrigen Studien fanden keine Unterschiede.
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häufig Kopfschmerzen?
"Kinder sollten ihre Hände in eiskaltes oder heißes Wasser tauchen und sagen, ab wann es ihnen weh tut?" Wer genehmigt denn solche Tests? Wahrscheinlich sind die Mädchen einfach nur schlauer und entfernen ihre Hände bevor es schmerzt.
Prima Erklärung,
das kannte ich von Mark Twain bisher nicht, aber es ergibt Sinn. Wenn man nämlich die Wehleidigkeit männlicher Wesen im Alltag berücksichtigt, ist diese Untersuchung für sich betrachtet etwas rätselhaft.
Halten wir uns an Twain...
Mark Twain hat einmal gesagt, man sollte Zahnbehandlungen öffentlich zur Schau stellen. (damals gab es noch keine Betäubung) Beim Militär hat dies früher tatsächlich funktioniert. Ausnahmslos jeder Soldat musste zusehen, wenn einem Kamerad der Zahn gezogen wurde. Und siehe da, plötzlich hat keiner der behandelt wurde mehr geschrien. Der Effekt ist vielleicht ähnlich wie bei den Jungs dieser Studie. Unter ärztlicher Beobachtung, oder im Beisein vieler Menschen setzt bei Männern ihr Ego ein. Auf einmal müssen sie mutig sein und sich behaupten, denn sie wollen sich nicht vor allen anderen blamieren. Ich hoffe diese Studie war nicht teuer. Mark Twain hätte ihnen das so auch gesagt.