Waiblingen - Wirkliche Entscheidungsfreiheit haben die Waiblinger Gemeinderäte nicht gehabt. Im Grunde blieb ihnen nichts anderes übrig, als der Sanierung des Bürgerzentrums (Büze) zuzustimmen – und damit eine Rechnung von 930 000 Euro zu genehmigen. Denn die seit 26 Jahren in Betrieb befindliche Kultur- und Tagungsstätte weist an zentraler Stelle Verschleiß auf. Die Haustechnik, also die Heizung und die Lüftung sowie die Aufzüge, müssen erneuert werden.
Die fünf Aufzüge sind noch die ersten, und bisher waren keine „wesentlichen Reparaturen“ notwendig, erläuterte Michael Gunser vom städtischen Hochbauamt jetzt im Planungsausschuss des Gemeinderats. Das Büze verfügt über zwei Lastenaufzüge, einen Kleingüteraufzug sowie zwei Gästeaufzüge, wovon einer rollstuhltauglich ist. Allerdings kämen jetzt immer häufiger Störungen vor, insbesondere beim Restaurantaufzug, „wo es am meisten auffällt“, so Gunser. Da demnächst ohnehin der Tüv ablaufe, der alle fünf Jahre erneuert werden muss, sei dies ein günstiger Moment, eine Sanierung in Angriff zu nehmen. Unter anderem sollen die Personenaufzüge von Hydraulik auf Seilantrieb umgestellt werden, weil das Öl sehr temperaturempfindlich sei – bei kaltem Wetter oder bei Überhitzung durch rege Nutzung schalte sich der Mechanismus einfach ab.
Ein Ingenieurbüro hat bereits alle Aufzüge untersucht und für jeden einzelnen ein Sanierungskonzept erstellt. Demnach würde sich deren Instandsetzung auf rund 310 000 Euro belaufen. Die beiden Personenaufzüge sollen noch in diesem, die übrigen im nächsten Jahr saniert werden.
Mit rund 630 000 Euro wird das neue „Gehirn“ des Bürgerzentrums veranschlagt, wie Oliver Dohn vom Waiblinger Ingenieurbüro Zelano und Dohn im Ausschuss erläuterte. Die Mess-Steuer-Regel-Technik und die Gebäudeautomation für Heizung, Lüftung und Sanitärbereich basierten auf digitalen Controllern, die nicht mehr hergestellt würden. Das gesamte System beruhe auf einer Software, die nur noch auf dem Betriebssystem DOS funktioniere. Die wenigen Fachleute, die noch in der Lage sind, dieses „Gehirn“ zu programmieren, seien alle längst in Rente.
Es soll deshalb eine komplett neue Gebäudeleittechnik aufgebaut werden. Positiv wertet das Baudezernat, dass die Schaltschrankgehäuse und die bestehende Verkabelung in einem guten Zustand sind. Die Schaltschrankeinheiten mit den bestehenden Sicherungen und Relaiseinheiten könnten ebenfalls erhalten bleiben. Hier könnten Komponenten im Bedarfsfall einfach ausgetauscht werden. Oliver Dohn glaubt, die Sanierung der Haustechnik „wäre in relativ kurzer Zeit zu bewerkstelligen“. Denkbar wären die Sommerferien, „dann ist wenig Schließzeit nötig. Das Büze ist ja immer ausgebucht“. Die neuen Teile könnten vorgefertigt und dann zügig eingebaut werden. Im Anschluss benötige man dann noch eine vierwöchige Testphase.
Der Fraktionschef der Alternativen Liste (Ali), Alfonso Fazio, befand das Sanierungskonzept als „etwas salamimäßig“. Die Stadt musste in den vergangenen Jahren immer mal wieder größere Summen für die Sanierung des Bürgerzentrums investieren. Mehrmals wurde Geld in die Bühnentechnik gesteckt, 2011 wurde die Kälteanlage erneuert. „Wie wird uns das Büze in den nächsten zehn Jahren finanziell belasten“, fragte Fazio. „Wir wüssten auch gerne, was noch auf uns zukommt“, lautete die entwaffnende Antwort von Baubürgermeisterin Birgit Priebe. Jetzt sind erst mal die Personenaufzüge an der Reihe. Im nächsten Jahr kommen die übrigen Aufzüge und die Haustechnik dran.

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