Waiblingen Was hat sich der Künstler dabei gedacht?

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Bei der Eröffnung einer Ausstellung im Waiblinger Landratsamt kommen statt eines interpretierenden Kunstsachverständigen die Urheber selbst zu Wort.

In Klaus Fischers Bildern spielen Schatten eine wichtige Rolle. Foto: Gottfried Stoppel
In Klaus Fischers Bildern spielen Schatten eine wichtige Rolle. Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - Kunst und Verwaltung sind kein Gegensatz, wie viele vielleicht vermuten“, sagt der Kreisverwaltungschef Johannes Fuchs. Kunstförderung sei eine öffentliche Aufgabe, denn „wir brauchen die Zusammenhänge der Kunst, der Philosophie und der geistigen Welt, um dem alltäglichen Leben einen Orientierungsrahmen zu geben“, betont der Landrat. Zumindest vier Wochen lang ist derlei Orientierung jetzt im Foyer des Waiblinger Landratsamtes geboten.

Denn am Freitagabend ist dort die Jahresausstellung des Verbandes Bildender Künstler Württemberg (VBKW) eröffnet worden. Zu sehen sind mehr als 50 Werke von zehn Kunstschaffenden, die der Rems-Murr-Regionalgruppe in den vergangenen drei Jahren beigetreten sind. „Die Neuen“ – so auch der Titel der Schau – seien indes keine Nachwuchskünstler, sondern überwiegend erfahrene und zum Teil wohl bekannte Persönlichkeiten, sagte der Landrat in seiner Eröffnungsrede.

Die Einführung in ihre Werke hat der stellvertretende Vorsitzende des VBKW, Alfons Koller, den Künstlern selbst überlassen. „Sie hören also jetzt keine Analyse dessen, was der Künstler uns sagen will, sondern die Aussage der Künstler darüber, was ihnen bei der Arbeit wichtig ist.“ Die Statements sind denn auch so vielfältig ausgefallen, wie die Arbeiten selbst, deren Spektrum von Gemälden in Öl oder Acryl über Glasobjekte, bis hin zu Video-Installationen reichen.

So räumt der Weinstädter Andreas Heinrich Adler, der seit mehr als 25 Jahren in Schorndorf künstlerisch tätig ist, ein, dass er, je länger er sich mit Kunst beschäftige, desto weniger wisse, was Kunst eigentlich sei. Die Esslingerin Dusa Isijanov hingegen umreißt ihre Vorstellung darüber genau: „Wenn Gemälde wie Gedichte wären, so sollten sie wie Haikus – kurze japanische Gedichte aus 17 Silben – sein, die zart ein Gefühl, eine Stimmung, ein Ereignis andeuten.“

Der Aalener Klaus Fischer, der viele Jahre als Architekt gearbeitet hat, legt in seiner Bilderserie viel Wert auf einen räumlichen Eindruck, Schatten spielen eine große Rolle. Der Plochinger Werner Fohrer will in seinen sich überlagernden Bildern ausdrücken, wie die Flut der Ereignisse und Eindrücke nur noch als flüchtige Momente des Augenblicks wahrgenommen würden. Die zentrale Triebfeder der Adelbergerin Britta Ischka ist das Beobachten: „Ich beobachte, ich sammle. Vor allem Eindrücke physikalischer, intellektueller oder gesellschaftlicher Natur.“ Heidrun Baur aus Waiblingen hat in zweien ihrer Werke den Horizont, ein Sinnbild für Sehnsucht und Utopie, zu einer fließenden Grenzlinie aus verschiedenen Landschaftselementen verarbeitet. Ursula Draxler hat in ihrem Backnanger Atelier sieben experimentelle Radierungen erarbeitet, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Titel habe sie ihnen bewusst nicht gegeben. Ihre Interpretationshilfe: „Turbulente Situationen finden ihre Auflösung im Ausdruck dieser Bilder.“

Laut Ratko Gali (Korb) hat „die visuelle Auseinandersetzung, die Suche nach Spannung und Harmonie und nach idealen Ausdruckswerten gesetzter Farben“ seinen Malvorgang bestimmt. Der Stuttgarter Kunstlehrer Markus Hallstein will mit seinen Bildern und Installationen zum Nachdenken über Zusammenhänge anregen: „Wer oder was gibt den Impuls, was gibt den Impuls, was gibt den Impuls?“, fragt er stakkatohaft. Auch der Waiblinger Maler Wolfgang Neumann startet und beendet sein Statement mit einer Frage, die er einfach nonchalant an den Betrachter weiterreicht. „Was hat sich der Künstler dabei gedacht?“