Waiblinger Karneval Gesellschaft Ein Paar – nicht nur als Faschingsregenten

Von Harald Beck 

Tami I. vom süßen Schneckle und Mampfred I. seiner Art alias Vanessa sind zum Regentenpaar der Salathengste gekürt worden. Das besondere an dem Prinzenpaar: die beiden jungen Damen sind auch im echten Leben liiert.

Die Waiblinger Salathengste haben erstmals ein rein weibliches Prinzenpaar. Foto: Stoppel 5 Bilder
Die Waiblinger Salathengste haben erstmals ein rein weibliches Prinzenpaar. Foto: Stoppel

Waiblingen - Ich glaube, ich werde rot wie eine Tomate!“ Ganz so schlimm, wie Tamara Roith am Samstag zum Beginn der närrische Jahreszeit um Punkt 11.11 Uhr befürchtet hatte, ist es dann am Abend bei der Inthronisation des neuen Prinzenpaars der Waiblinger Karneval Gesellschaft nicht geworden. Die 28-Jährige ist jetzt Tami I. vom süßen Schneckle und bildet seit der Krönung in der Neustädter Gemeindehalle zusammen mit Mampfred I. seiner Art das Regentenpaar 2017/2018 der Salathengste.

Auch privat sind die Frauen ein Paar

Tami und ihr Mampfred, das ist für die anstehende Karnevalssaison ein ziemlich besonderes Prinzenpaar. Denn der erste Mampfred seiner Art heißt eigentlich Vanessa Kaps, und die 24-Jährige ist auch im ernsthaften Privatleben mit Prinzessin Tami, dem süßen Schneckle, liiert. Nein, kein närrischer Scherz, sagen die beiden sehr ernsthaft, dass sie das neue Regentenpaar bilden, solle durchaus eine Botschaft sein: „Wir wollen allen zeigen, was wir sind.“

Dass die beiden jungen Damen seit gut eineinhalb Jahren ein Paar sind, ist im Verein längst bekannt. Schließlich hat Vanessa ihrer Tamara im Frühjahr bei einem Brauchtumsabend der Karnevalsgesellschaft auf der Bühne und vor ihrer Angebeteten kniend einen Heiratsantrag gemacht, von dem Mitkarnevalisten berichten, das sei absolut rührend gewesen. Jawohl, sagt Mampfred I. beim Gespräch zum Karnevalsstart, die Hochzeit des weiblichen Prinzenpaars im Privatleben, sei fest geplant – nur einen Termin gebe es noch nicht.

Vor allem wird im nächsten halben Jahr erst einmal absolut keine Zeit dafür sein. Denn bis zum ersten Advent und dann vor allem wieder vom Dreikönigstag im Januar des nächsten Jahres an warten jede Menge Termine auf die beiden Karnevalsmajestäten. Besuche bei Sitzungen und Brauchtumsabenden anderer Faschingsgesellschaften samt den üblichen Repräsentationspflichten stehen im Wochentakt an. Und vom 6. Januar an kommen die Umzüge in der ganzen Region mit dazu, bei denen das Regentinnenpaar in der Regel im offenen Cabrio mitfährt oder auf dem Zunftwagen der Salathengste. „Das Gute ist, das Regentenpaar läuft normalerweise nicht“, sagt Mampfred I und lacht.

Gastbesuch bei den nachbarlichen Hoheiten

Der erste Termin steht schon für den 17. November im Terminkalender. Und einer der nächsten wird mit Sicherheit irgendwann zum ebenfalls am Samstag im dortigen Rathaus gewählten Fellbacher Prinzenpaar Melli I. und Benny I. vom Fellbacher Karnevalsclub führen. Aber so ganz nebenbei, das verrät wiederum der Pressereferent Roland Neukamm beim Gespräch übers neue Vorzeigepaar der Karneval Gesellschaft, muss der Prinz natürlich höllisch drauf aufpassen, dass ihm nicht irgendjemand womöglich das Zepter klaut.

Vanessa Kaps, beruflich als Fachangestellte für Bäderbetriebe im Waiblinger Hallenbad tätig, stammt aus einer Karnevalistenfamilie. Die Eltern sind voll engagiert bei den Salathengsten, die Großmutter macht noch mit und war, als ihr Gatte noch lebte, für den ganzen Club einfach „die Oma und der Opa“. Schwester, Onkel, alle sind tanzend oder maskentragend unterwegs. Und Vanessa selbst hat schon als Kind angefangen in der Garde der Salathengste, war unter anderem Zunftmeisterin des Clubs. Die Kaps, sagt Pressereferent Roland Neukamm, sind „eine Familie, die vollständig im Fasching aufgeht.“

Traum vom Gardetanz nicht erfüllt

Prinzessin Tami, die im Zivilleben ihre Brötchen bei der Bäckerei Schöllkopf verdient, hat da deutlich länger gebraucht, bis sie nach ihrer Ankunft in Waiblingen anno 2009 den Weg in die Mitte der närrischen Gesellschaft gefunden hatte. Einst in Stuttgart habe sie das karnevalistische Treiben nur beim Umzug beobachtet. Den Wunsch, als Mädchen bei einer der Stuttgarter Gesellschaften Gardetänzerin zu werden, hat die Mutter abgelehnt.

Tami I. ist dann nicht nur irgendwann doch noch zum Tanzen gekommen und hat ihrer eigenen, inzwischen als Gardemädchen aktiven neunjährigen Tochter die selbst erlebte Enttäuschung erspart, sie hat es jetzt neben dem Ämtern als Jugendleiterin und im Zunftrat sogar zur Waiblinger Faschingsregentin gebracht. Wobei sie ja eigentlich gar nicht so sehr im Mittelpunkt stehen wolle, sagt Tami I.: „Auf der Bühne stehen, das ist ja eigentlich nicht so mein Ding“ gesteht sie und lacht – „aber ich wollte unbedingt Prinzessin werden.“