
Eine Woche lang sollen sich die Jugendlichen von der Zivilisation verabschieden und in der Natur leben. Sie werden Fährten suchen, das Wetter erkunden, sie sollen lernen Feuer zu machen und Gefahren zu erkennen. Der Kreisverband der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) veranstaltet heuer in Kooperation mit der Wildnisschule Hannover erstmals ein Jugendscout-Camp. Geschlafen wird in Zelten, gekocht auf dem offenen Feuer. "Der Clan versammelt sich im Tipi", sagt Astrid Szelest, die ehrenamtlich für die SDW arbeitet, ihre Brötchen aber als Mitarbeiterin des Amts für Familie, Jugend und Bildung der Stadt Backnang verdient. Ein echter Jugendscout wird allerdings nur, wer in drei Jahren in der Sommerferien an einem Camp teilnimmt.
Astrid Szelest ist Überzeugungstäterin. Sie verbringt fast jede freie Minute und nahezu ihren kompletten Jahresurlaub draußen in der Natur: Die Welzheimerin joggt oder radelt auch bei Wind und Wetter durch den Wald und über die Felder, sie springt selbst bei kühlen Wassertemperaturen im Herbst noch in den Aichstrusee. Und ihren Sommerurlaub verbringt die sportliche Frau am liebsten zusammen mit ihren Mann Rüdiger in der kirgisischen Wildnis. Das Paar hat sich in Russland mit dem Wolfsvirus infiziert. Seit ein paar Jahren helfen die beiden einem russischen Biologen, der sich für die von den Jägern bedrohten Wölfe einsetzt. Baden-Württemberg ist Wolfserwartungsland. Vor ein paar Jahren ist ein Wolf aus den Alpen bis zum Starnberger See gewandert. Auch das im fernen Osten gesammelte Wolfswissen will Astrid Szelest beim Jugendscout-Camp weiter geben. Wo genau im Landkreis es stattfindet, steht noch nicht fest.
Die SDW bietet in diesem Jahr zudem ein Familiencamp an. Bei diesem Erlebnisurlaub im Freien sollen Familien mal richtig viel Zeit füreinander haben und sich zum Beispiel Geschichten am Lagerfeuer erzählen und Stockbrot backen. Astrid Szelest will auch handwerkliche Tätigkeiten und Überlebenstechniken in der Wildnis vermitteln. Das Projekt "Stadtfüchse" für kleine Abenteurer wird wieder angeboten, heuer in Backnang und in Welzheim. Die Kinder schlafen daheim, tagsüber bauen sie Laubhütten. Die Knirpse sollen staunen, arbeiten, schleichen und sich tarnen. Bei einem Out-Door-Erste-Hilfe-Kurs können alle Teilnehmer lernen, wie sie im Notfall einen kühlen Kopf bewahren.
Astrid Szelest und ihre Mitstreiter wollen erreichen, dass Kinder und Jugendliche auch ohne Zugang zum Internet und ohne elektrisch betriebene Gerätschaften etwas mit sich anzufangen wissen. "Wenn Menschen raus gehen, dann springt die Software der Jäger- und Sammler wieder an." Bei Kindern, die fast immer "an der Steckdose hängen, verkümmert die Seele". Viele Schüler hätten einen Terminkalender wie ein Geschäftsmann, viel zu viele kämen kaum mehr hinaus in die Natur. Es bleibe zu wenig Zeit für freies Spielen und Kreativität. Das müsse sich ändern.
Wenn ältere Leute, von ihrer eigenen Kindheit anno dazumal erzählten, dann sei meistens die Rede von Dingen wie Waten im Bachbett, vom Schleichen im Dickicht und von abenteuerlichen Baumhäusern. Mit den neuen und den bewährten Angeboten will die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald erreichen, dass wieder mehr Buben und Mädchen "echte Abenteuer" direkt vor der eigenen Haustüre erleben.
Programm Das Wildnis-Erlebnis-Programm startet mit den Stadtfüchsen in der ersten Osterferienwoche. Auskünfte gibt es beim Rathaus Althütte, Telefonnummer 0 71 83/
95 95 90 und info@althuette.de, alle Informationen im Internet: www.sdw-rems-murr.de.


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