Waldenbuch Weiteres Werkzeug für Hochwasserschutz

Von Claudia Barner 

Zehn Prozent der Waldenbucher wohnen in vom Hochwasser gefährdeten Gebieten. Verlorener Rückhalteraum in Baugebieten muss also sofort ersetzt werden. Doch wo ist das möglich?

Idylle in der Waldenbucher Innenstadt. Im Normalzustand bietet das Flüsschen im Stadtkern lauschige Ecken. Bei großen Niederschlagsmengen steigt der Pegel schnell. Foto: C. Barner
Idylle in der Waldenbucher Innenstadt. Im Normalzustand bietet das Flüsschen im Stadtkern lauschige Ecken. Bei großen Niederschlagsmengen steigt der Pegel schnell. Foto: C. Barner

Waldenbuch - In Waldenbuch hat man eine recht genaue Vorstellung davon, was passiert, wenn nach starken Niederschlägen das Flüsschen Aich über die Ufer tritt. Vom westlichen Stadteingang beim Schokoladenhersteller Ritter Sport bis zur Kläranlage im Osten der Gemeinde wären zahlreiche innerstädtische Areale von einem 100-jährigen Hochwasser (HQ100) betroffen. Das hat Folgen für geplante Baumaßnahmen in diesen Gebieten. Nur wenn der verlorene Rückhalteraum sofort ersetzt werden kann, darf die Kommune das Vorhaben genehmigen. Jetzt hat die Suche nach geeigneten Flächen begonnen. Sie sollen in einem kommunalen Hochwasserschutzregister erfasst werden und privaten Bauherrn sowie der Stadt künftig den Ausgleich erleichtern.

Das Prozedere ähnelt dem des Öko-Kontos. Wird an einer Stelle in die Natur eingegriffen, muss an anderer Stelle Retentionsraum geschaffen werden. Wo das geschehen kann und ob die Flächen dafür tatsächlich geeignet sind, muss vorab genau geprüft werden. Den ersten Schritt hat man in Waldenbuch jetzt getan. „Das Ingenieurbüro Winkler und Partner aus Stuttgart hat entsprechende Gebiete definiert und gemeinsam mit der Naturschutzbehörde überprüft. Auch das Wasserwirtschaftsamt ist involviert. Die Prüfung läuft bereits“, berichtete der Leiter des städtischen Bauamts Joachim Russ nun im Technischen Ausschuss des Gemeinderats.

Eine öffentliche Veranstaltung ist geplant

Entlang der Aich und des Seitenbachs sind die Experten fündig geworden. „Wir haben den Fokus auf große, zusammenhängende Flächen gelegt. Sehr kleine Flächen wurden vorerst nicht betrachtet“, berichtete der Bauexperte. „Eine Ergänzung ist später jederzeit möglich.“ Russ hat nachgerechnet: „Nimmt man alle bisher betrachteten Flächen zusammen, könnte ein Rückhaltevolumen von rund 5500 Kubikmeter geschaffen werden.“ Das Ingenieurbüro schlägt folgende Maßnahmen vor: Abgrabungen von Flächen, die Schaffung von Flutmulden, Dammrückverlegungen und – im äußersten Fall – den Bau von Regenrückhaltebecken. Doch so weit ist man noch nicht. In nächsten Schritt geht es darum, zu prüfen, ob die Eigentümer der Grundstücke ihr Einverständnis zu den Plänen der Stadt geben. Für die Gespräche hat Bürgermeister Michael Lutz festgelegt: „Eine Bewirtschaftung und Nutzung der Flächen soll – wo immer dies möglich ist – weiterhin gegeben sein.“ Wenn man sich einig geworden ist und konkrete Ergebnisse vorliegen, soll bei einer öffentlichen Veranstaltung über das neue Hochwasserschutzregister informiert werden.

Die Mitglieder des Technischen Ausschusses begrüßten das Vorhaben der Gemeinde. „Zehn Prozent unserer Bevölkerung wohnen in vom Hochwasser gefährdeten Gebieten. Deshalb ist es wichtig, das Thema weiter zu verfolgen“, betone CDU-Rat Karl Rebmann. FWV-Stadtrat Josef Lupion bewertete das Vorhaben als „wichtiges Werkzeug für den Hochwasserschutz“. Er bat darum, bei den Gesprächen sensibel auf die Grundstückseigentümer zuzugehen. Michael Lutz stellte dazu fest: „Wir möchten niemandem etwas wegnehmen, sondern einen Mehrwert für die Allgemeinheit schaffen.“