Wasserwerfer im Schlossgarten
Werden Demonstranten erblinden?
Nicole Höfle,
02.10.2010 10:06 Uhr
Wer mit Reizgas getroffen wurde, sollte sofort die Augen ausspülen und ruhen. Foto: dpa
Stuttgart - Ein Bild vom Donnerstag wird vielen Menschen lange in Erinnerung bleiben: ein älterer Mann, der aus beiden Augen blutet und der von zwei jungen Männern gestützt wird. Der 64-Jährige ist nicht der Einzige, der bei dem Polizeieinsatz im Schlossgarten schwere Augenverletzungen davontrug. Die Polizei setzte im Schlossgarten Wasserwerfer, Pfefferspray und Reizgas ein. Die Sanitätstruppe der Parkschützer zählte am Ende der Auseinandersetzungen 320 Menschen, deren Augen verletzt wurden, das Rote Kreuz sprach von insgesamt rund 120 Verletzten, viele davon mit Augenproblemen.
Die schweren Fälle, die sich vor Ort im Schlossgarten nicht behandeln ließen, landeten in den beiden Stuttgarter Augenkliniken im Katharinenhospital und der Charlottenklinik für Augenheilkunde im Westen. Dorthin hat es auch den 22-jährigen Stuttgarter verschlagen, der von einem Strahl aus dem Wasserwerfer ins Gesicht getroffen wurde. Schlimm erwischt hat es sein rechtes Auge, das innerlich blutete. Der Mann wurde stationär in die Charlottenklinik aufgenommen, sein Auge muss in den nächsten Wochen behandelt werden.
"Man muss sich das vorstellen wie einen harten Schlag aufs Auge", sagt der Chefarzt Gangolf Sauder. Er kann bleibende Schäden nicht ausschließen: "Wir müssen abwarten, ob sich das Blut in den nächsten zwei Wochen abbaut, was bei einem jungen Menschen möglich ist." Dann erst könne man feststellen, wie weit die Sehfähigkeit beeinträchtigt ist. Für Sauder ist es das erste Mal in seiner Medizinerkarriere, dass er Verletzungen zu sehen bekommen hat, die ein Wasserwerfer verursacht hat. "Das ist ein stumpfes Trauma auf dem Auge. Den massiven Verletzungen nach zu urteilen, ist der Wasserdruck enorm, wenn einen der Fokus des Strahls aus nächster Nähe trifft."
Drei weitere Demonstranten, die von einem Wasserwerfer getroffen wurden, liegen derzeit in der Augenklinik des Katharinenhospitals. Einer der Männer musste noch am Donnerstagabend operiert werden, weil beide Augenlider aufgerissen waren. Ihm stehen weitere Operationen bevor, da in beiden Augen die Linsen nach innen gedrückt wurden. "Wir müssen die Linsen herausholen und durch künstliche ersetzen", sagt der Chefarzt Egon Georg Weidle. Verletzt sei auch die Netzhaut, wie schwer lasse sich aber im Moment noch nicht sagen. Der zweite Demonstrant erlitt einen Netzhautriss und wurde am Freitag ambulant operiert, dem dritten steht die Operation in der nächsten Woche bevor. Bei ihm führte der Wasserstrahl zu einem Knochenbruch am Auge, den die Kieferchirurgen wieder richten sollen.
Vergleichsweise harmlos machen sich da die Verletzungen aus, die durch den Einsatz von Pfefferspray und Reizgas ausgelöst werden - vorausgesetzt ein Sicherheitsabstand wird eingehalten und die Dosierung ist niedrig. "Das tut zwar höllisch weh, aber das Auge bleibt unversehrt", erklärt Chefarzt Gangolf Sauder. Auf einen Selbstversuch wolle er es wegen der Schmerzen trotzdem nicht ankommen lassen. "Man kann mit Augensalben und Tropfen zwar sofort helfen, aber auch danach schläft man nicht gut, weil die Augen weiter schmerzen", so der Mediziner.
Den Betroffenen rät Sauder, die Augen sofort mit Wasser auszuspülen, sie danach zu schließen und zu ruhen - und auf gar keinen Fall zu reiben. "Das reizt das Auge viel mehr." Kritisch werde der Einsatz von Pfefferspray und Reizgas erst, wenn die Dosierung zu hoch sei und es zu Verätzungen im Auge komme. Wenn der Abstand zudem zu gering sei, wirke das Sprühen wie ein Schlag aufs Auge, wie Chefarzt Weidle erklärt.
Solange die Auseinandersetzungen im Schlossgarten weitergehen, halten sich die beiden Augenkliniken in Bereitschaft. In der Charlottenklinik wurde schon jetzt der Wochenenddienst verstärkt. Der Mediziner Gangolf Sauder hat eine ähnliche Häufung von Augenverletzungen in seiner Karriere bisher nur einmal erlebt: bei der Karate-Europameisterschaft der Junioren in Koblenz. "Damals kamen im Minutentakt Männer mit blutigen Augen."
Die schweren Fälle, die sich vor Ort im Schlossgarten nicht behandeln ließen, landeten in den beiden Stuttgarter Augenkliniken im Katharinenhospital und der Charlottenklinik für Augenheilkunde im Westen. Dorthin hat es auch den 22-jährigen Stuttgarter verschlagen, der von einem Strahl aus dem Wasserwerfer ins Gesicht getroffen wurde. Schlimm erwischt hat es sein rechtes Auge, das innerlich blutete. Der Mann wurde stationär in die Charlottenklinik aufgenommen, sein Auge muss in den nächsten Wochen behandelt werden.
Bleibende Schäden sind möglich
"Man muss sich das vorstellen wie einen harten Schlag aufs Auge", sagt der Chefarzt Gangolf Sauder. Er kann bleibende Schäden nicht ausschließen: "Wir müssen abwarten, ob sich das Blut in den nächsten zwei Wochen abbaut, was bei einem jungen Menschen möglich ist." Dann erst könne man feststellen, wie weit die Sehfähigkeit beeinträchtigt ist. Für Sauder ist es das erste Mal in seiner Medizinerkarriere, dass er Verletzungen zu sehen bekommen hat, die ein Wasserwerfer verursacht hat. "Das ist ein stumpfes Trauma auf dem Auge. Den massiven Verletzungen nach zu urteilen, ist der Wasserdruck enorm, wenn einen der Fokus des Strahls aus nächster Nähe trifft."
Drei weitere Demonstranten, die von einem Wasserwerfer getroffen wurden, liegen derzeit in der Augenklinik des Katharinenhospitals. Einer der Männer musste noch am Donnerstagabend operiert werden, weil beide Augenlider aufgerissen waren. Ihm stehen weitere Operationen bevor, da in beiden Augen die Linsen nach innen gedrückt wurden. "Wir müssen die Linsen herausholen und durch künstliche ersetzen", sagt der Chefarzt Egon Georg Weidle. Verletzt sei auch die Netzhaut, wie schwer lasse sich aber im Moment noch nicht sagen. Der zweite Demonstrant erlitt einen Netzhautriss und wurde am Freitag ambulant operiert, dem dritten steht die Operation in der nächsten Woche bevor. Bei ihm führte der Wasserstrahl zu einem Knochenbruch am Auge, den die Kieferchirurgen wieder richten sollen.
Einsatz künstlicher Linsen nötig
Vergleichsweise harmlos machen sich da die Verletzungen aus, die durch den Einsatz von Pfefferspray und Reizgas ausgelöst werden - vorausgesetzt ein Sicherheitsabstand wird eingehalten und die Dosierung ist niedrig. "Das tut zwar höllisch weh, aber das Auge bleibt unversehrt", erklärt Chefarzt Gangolf Sauder. Auf einen Selbstversuch wolle er es wegen der Schmerzen trotzdem nicht ankommen lassen. "Man kann mit Augensalben und Tropfen zwar sofort helfen, aber auch danach schläft man nicht gut, weil die Augen weiter schmerzen", so der Mediziner.
Den Betroffenen rät Sauder, die Augen sofort mit Wasser auszuspülen, sie danach zu schließen und zu ruhen - und auf gar keinen Fall zu reiben. "Das reizt das Auge viel mehr." Kritisch werde der Einsatz von Pfefferspray und Reizgas erst, wenn die Dosierung zu hoch sei und es zu Verätzungen im Auge komme. Wenn der Abstand zudem zu gering sei, wirke das Sprühen wie ein Schlag aufs Auge, wie Chefarzt Weidle erklärt.
Solange die Auseinandersetzungen im Schlossgarten weitergehen, halten sich die beiden Augenkliniken in Bereitschaft. In der Charlottenklinik wurde schon jetzt der Wochenenddienst verstärkt. Der Mediziner Gangolf Sauder hat eine ähnliche Häufung von Augenverletzungen in seiner Karriere bisher nur einmal erlebt: bei der Karate-Europameisterschaft der Junioren in Koblenz. "Damals kamen im Minutentakt Männer mit blutigen Augen."
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Wasserwerfereinsatz
Mich wundert die Kälte bzw. die Abgebrühtheit mancher Kommentarschreiber. Mehreren Menschen, die an der Demonstration teilgenommen haben droht der Verslust ihres Augenlichts. Dafür empfinde ich große Trauer. Heute wurde über den Einsatzzweck von Wasserwerfern informiert: Der Einsatz ist nur zum Schutz der eigenen Truppe erlaubt und nicht wie am Donnerstag in Stuttgart geschehen um sich den Weg frei zu schießen. Damit haben die Polizisten fahrlässig, unverantwortlich und gegen das Gesetz gehandelt. Auch betrug die Distanz zu den Demonstranten teilweise nur wenige Meter. Die Verantwortlichen und die Besatzung der Wasserwerfer müssen sich rechtlich und vor ihrem Gewissen verantworten.
Klare Menschenrechtsverletzung!
Dieser Einsatz von Wasserwerfern gegen die Teilnehmer einer friedlichen politischen Demonstration stellt einen klaren Vertoß gegen die Menschenrechte dar. Ganz genau wären das: Artikel 20 Punkt 1 Alle Menschen haben das Recht, sich friedlich zu versammeln und zu Vereinigungen zusammenzuschließen. und vor allem: Artikel 3 Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. Gegen solche Handlungen schützt den "kleinen Polizisten" am Wasserwerfer auch nicht, dass er "nur auf Befehl" gehandelt hat. Solche Befehle muss man verweigern. Das ist alles so unglaublich, dass soetwas in Deutschland 2010 wegen einem blöden Bahnhof mölich ist.
Anzeigen wegen schwerer Körperverletzung?
Sollte dieses Land tatsächlich noch ein Rechtstaat sein (was ich mittlerweile stark bezweifle), gehören die Verantwortlichen von Polizei und unserer Landes"regierung" wegen schwerer Körperverletzung auf die Anklagebank und in den Knast. Wetten dass das nicht passiert? Aber wehe ich unterschlage 500,- € an Steuern - hier haben friedliche Demonstranten in einer angeblichen Demokratie bleibende körperliche Schäden für den Rest ihres Lebens davongetragen... Offensichtlich dient China jetzt als Vorbild, was Demokratie, freie Meinungsäußerung und Menschenrechte angeht.