Weihnachtsausstellung in Welzheim Kurioses, Kitsch und Klassiker

Von Annette Clauß 

„Alles zu Weihnachten – außer Krippen“ zeigt eine Sonderausstellung im Museum Welzheim, die am Sonntag eröffnet und Lust auf die Adventszeit macht. Bis zum 7. Januar können Besucher dort in Erinnerungen schwelgen.

Ein entspanntes Räuchermännchen ist einer der Weihnachtsvorboten im Museum Welzheim. Foto: Gottfried Stoppel
Ein entspanntes Räuchermännchen ist einer der Weihnachtsvorboten im Museum Welzheim. Foto: Gottfried Stoppel

Welzheim - Dieser Schokoladennikolaus könnte es glatt ins Guinessbuch der Rekorde schaffen: Auf mindestens 65 Jahre schätzt Roland Birkle vom Historischen Verein Welzheimer Wald den Schokomann, der längst nicht mehr genießbar ist, aber von seiner Besitzerin offenbar so geschätzt wird, dass er die Jahrzehnte unbeschadet überstanden hat. Der altmodische Opa-Nikolaus mit der Figur einer Sanduhr und abnehmbarem roten Spitzhut ist nur eines von vielen Exponaten, die Roland Birkle und sein Team für die neue Sonderausstellung im Museum Welzheim zusammengetragen haben.

„Alles zu Weihnachten – außer Krippen“ lautet ihr Titel, denn schließlich waren im vergangenen Jahr letztere in allen nur denkbaren Varianten zu sehen. Sieben Leihgeber haben nun also Weihnachtliches anderer Art beigesteuert – vom fast meterhohen Nussknacker bis zum daumengroßen Engelchen, von der umhäkelten Christbaumkugel bis zum Star-Wars-Adventskalender. Skurriles und Kitschiges, Witziges, Praktisches und Rührendes gibt es zu sehen. Beim Spazieren zwischen den Vitrinen geht das Hirn plötzlich auf Zeitreise angesichts so manches Gegenstands. Ein Zwilling des altmodischen gusseisernen Baumständers etwa hat in der Kindheit alle Jahre wieder dem Vater viel Frust beschert, weil darin einfach kein Baum gerade stehen wollte. Am weihnachtlichen Glockenspiel, bei dem sich Dank Kerzenenergie hübsche goldene Engelein aus Metall im Kreis drehen, hat sich die Schwester einst die Griffel verbrannt. Und die Kerzenhalter in Zapfenform tauchten Jahr für Jahr an Omas Christbäumle auf, das nicht zu vergleichen war mit den üppig-edlen Gewächsen von heute, sondern stets ein bisschen struppig aussah.

Himmlische Rigatoni- und Farfalle-Engel

Stanniol-Lametta, Hartkompositionsbaumkerzen und weihnachtliche Margarine-Figürchen erinnern an die 1950er-Jahre, deutlich älter ist der Christbaumständer mit integrierter Spieluhr. Einmal aufgezogen, dreht sich der darin eingespannte Weihnachtsbaum zu den Klängen von „Stille Nacht, heilige Nacht“ um sich selbst und an seinem Fuße ziehen Maria, Josef und das Jesuskind ebenfalls Kreise. „Ganz zu vermeiden war das Thema Krippe in der Ausstellung einfach nicht“, sagt dazu Roland Birkle.

Aus den 1930er- oder 40er-Jahren stammen die edlen Christbaumkugeln und Baumspitzen aus Frankreich: ein ganzes Sortiment in Blassrosa mit weißen Sternchen, in einem weiteren Karton stecken pastellfarbene Vögelchen, Zapfen und Glocken, die einst allesamt den Weihnachtsbaum einer französischen Familie schmückten. Doch auch deutsche Christbaumschmücker waren kreativ: hölzerne Schaukelpferdchen baumelten am Grün, außerdem Konfekt und aus Holzperlen und Faden arrangierte Figuren, auch Sterne aus Stroh und Papier.

Ein Teil der himmlischen Heerscharen ist in einer Vitrine aufmarschiert: Englein mit Trompeten, Englein, die Kerzen halten, die lässig auf dem Boden fläzen oder als Beschützer dienen sollen. Holz, Wachs, Papier, Ton, Blech – so ziemlich jedes Material scheint geeignet für die geflügelten Helfer. Sogar Nudelengel schweben durchs Museum – ja, richtig gelesen: eine Rigatoni-Röhre dient als Körper, eine Farfalle-Schmetterlingsnudel als Flügel – Goldlack drüber, fertig. „Die waren mal sehr beliebt“, sagt Roland Birkle. Wie überhaupt so manche Weihnachtsdekoration kam und ging.

Klassiker aus dem Erzgebirge

Zu den Klassikern gehören die Figuren aus dem Erzgebirge, die sich beispielsweise als Kurrendesänger betätigen. Roland Birkle hat einige Exemplare aus einer Privatsammlung mit rund 400 Stück für die Ausstellung ausgewählt, außerdem Weihnachtspyramiden und Schwippbögen. Auch Räuchermännchen gehören zur Weihnachtszeit und füllen eine ganze Vitrine im Welzheimer Museum. Was sie eint, ist das Pfeifchen im Mund, ansonsten sieht jede Figur anders aus: Waldarbeiter und Zitherspieler, Hirten und ein Kneipengänger, ein müder Opa, der auf dem Sofa liegt, und Baron von Münchhausen mit einer Kanonenkugel unter dem Allerwertesten. Bestückt mit Original Crottendorfer Räucherkerzen in den Duftnoten „Weihrauch“ „Tannenduft“ oder „Waldhonig“ kann eigentlich nichts mehr schiefgehen in punkto Weihnachtszauber – es sei denn, der Rauchmelder schlägt Alarm.