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Weil der Stadt Die Weiler kämpfen für die Busse nach Hausen

Peter Meuer, 21.11.2012 19:42 Uhr

Weil der Stadt - Die Entrüstung ist groß: „Das Interesse der Hausener Bevölkerung wird massiv verletzt“, schimpft Bernhard Weisser von der SPD-Gemeinderatsfraktion während der Sitzung am Dienstagabend. Das Grünen-Ratsmitglied Bernd Aupperle pflichtet ihm bei: „Wir sind ein Spielball.“ Der neue Bürgermeister Thilo Schreiber ist ebenfalls nicht erfreut: „Da bin ich gerade ein paar Tage im Amt und muss mich schon mit solchen Hiobsbotschaften herumärgern.“ Er kritisiert die „knappe Zeit für eine Stellungnahme“. Und selbst Dietmar Spreer von der FDP, sonst für seinen ausgleichenden Charakter bekannt, ist ungewohnt sauer: „Ich habe den Verdacht, dass Weil der Stadt immer mehr an die Kreisecke gedrängt wird.“

Was war geschehen? Wenige Tage vor der Sitzung hatte ein Schreiben vom Landratsamt Böblingen die Verwaltung erreicht. Die übergeordnete Behörde teilte der Stadt mit, dass von der Fahrplanumstellung am 9. Dezember an wesentlich weniger Busse der Linie 663 im Teilort Hausen Halt machen. Es geht um nicht weniger als neun Fahrten in beide Richtungen, die künftig ausfallen sollen. „Der Grund für den plötzlichen Einschnitt ist der Ausbau der S 60“, erläutert der Weiler Ordnungsamtsleiter Thomas Besser, der sich vor der Sitzung schnell in das Thema eingearbeitet hatte.

Hausen verliert die Busanbindung

Weil die neue S-Bahnlinie von Dezember an nämlich von Renningen aus in Richtung Böblingen und zurück fährt, ändern sich auch die Zeiten der bestehenden Linie, der S 6. Ihre Züge halten dann künftig einige Minuten weniger am Bahnhof von Weil der Stadt – sie kommen später an und fahren früher ab. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Buslinie 663, die von Weil der Stadt nach Tiefenbronn im Ringsystem fährt und deren Fahrer ohnehin schon knappe Zeitpläne einhalten müssen. „Wenn da einmal drei Ampeln rot sind, wird es schon eng“, berichtet Besser.

Es ist vor allem die Tatsache, dass derart kurzfristig Fakten geschaffen werden, die die Weiler Kommunalpolitiker erzürnt. Schließlich planen Region, Verkehrsverbund (VVS) und Landkreis den S 60-Ausbau und den Fahrplanwechsel schon seit Jahren und Monaten. Denn grundsätzlich zeigen die meisten Mitglieder des Gremiums durchaus Verständnis dafür, dass die neue S-Bahn auch bei den Bus-Fahrplänen Änderungen mit sich bringt. Als Besser dann vorrechnet, es würde den Landkreis 70 000 bis 90 000 Euro kosten, weiterhin die gleiche Anzahl Busse in Hausen halten zu lassen, ist rund um den Ratstisch zu hören: Das sei zu teuer. Aber für wichtige Verbindungen wollen sich die Mitglieder des Rates doch auf jeden Fall einsetzen, wie sie allesamt bekräftigen.

Beide Verbindungen sollen erhalten bleiben

Sie fassen einen entsprechenden Beschluss: Die Verwaltung um Thilo Schreiber soll beim Kreis Druck machen, um zwei Verbindungen zu erhalten. Zunächst einmal soll auch künftig morgens um 8.23 Uhr ein Bus fahren. „Ansonsten würde zwischen 7.49 Uhr und 9.09 Uhr niemand von Hausen nach Weil der Stadt kommen“, so Besser. Das sei nicht akzeptabel, pflichtet Thilo Schreiber ihm bei. Auch den Bus um 12.32 Uhr von Weil der Stadt aus nach Hausen wollen die Gemeinderäte und die Verwaltung retten. „Sonst müssten manche Schüler bis zu einer Stunde warten“, rechnet der Ordnungsamtsleiter vor.

Schreiber fasst zusammen: „Das sind unsere Minimalforderungen.“ Das Gremium gibt der Verwaltung noch mit auf den Weg, die Informationspolitik der übergeordneten Behörden in Sachen Busverkehr zu kritisieren.

Dabei kommt auch eine weitere Sorge der Ratsmitglieder zum Vorschein. Sie fürchten, dass die angedachte Hermann-Hesse-Bahn sich irgendwann negativ auf die Anbindung Weil der Stadts auswirken könnten – falls nämlich der VVS auf die Idee käme, diese Verbindung könnte die S 6 in Richtung Stuttgart ersetzen.