Weil der Stadt Geisterjagd, Gangsta-Rap und starke Männer

Von Thomas K. Slotwinski 

Die AHA läuft sich für die Fasnetssaison warm: Beim Zunftball stehen die 44. Geburtstage der Clowns und der Schlehengeister im Mittelpunkt. Da ist es nicht nur schräg und bunt, es kann auch zu Eigenwilligkeiten der Jubilare kommen.

Auf die Jubilare ein dreifaches AHA: Jung und Alt vereinen sich bei den Schlehengeistern, die ihren 44. Geburtstag beim Zunftball mit mehreren Einlagen feiern. Foto: factum/Bach
Auf die Jubilare ein dreifaches AHA: Jung und Alt vereinen sich bei den Schlehengeistern, die ihren 44. Geburtstag beim Zunftball mit mehreren Einlagen feiern. Foto: factum/Bach

Weil der Stadt - Ist schon ziemlich dreist: Da organisieren die Freunde von der Zunft eine fette Jubiläumsfete. Und was machen die Jubilare? Ihr eigenes Ding! Denn statt mit den narreten Kumpels in der Stadthalle ihren 44. Geburtstag zu feiern, bevorzugen die Clowns eine Privatparty im Kinocenter.

Blöde Situation für die Moderatoren Ann-Cathrin Ochs und Michael Michalski, die es beim Zunftball zum Auftakt der kurzen aber heftigen Fasnetssaison so richtig krachen lassen wollen. Also werden die eigenwilligen Jubilare mit warmen Worten per Handy in die Festhalle beordert.

Dann geht’s rund. Mit mobiler Destille und riesiger Geburtstagstorte stürmen die Clowns die Bühne. Birgit Wetzel lässt sie sich mit „Ein Hoch auf uns“ selber feiern. Und den „Skandal in Weil der Stadt“ gibt’s auch. Denn: „Im Städtle ist die Fasnet los.“

Da wollen sich die anderen Geburtstagskinder der Kampagne nicht lumpen lassen. Auch die Schlehengeister feiern ihren „44.“. Im Gegensatz zu ihren Mitjubilaren machen sie aber keine Extratouren, sondern bevölkern schon vor ihrem Jubiläumsauftritt den Vorplatz der Bühne. Und was machen sie auf der selbigen? Sie gehen natürlich auf Geisterjagd, und das mit einem fast schon gruseligen Schwarzlichtertanz, den Sandra Rauss in Szene gesetzt hat. Sind die Geister erst da, werden sie mit Schellen und Saublasen lautstark wieder vertrieben. Kleiner Vorgeschmack auf den großen Umzug am Fasnetssonntag.

Das bunt ausgestattete Publikum in der Halle hat die Betriebstemperatur mittlerweile mehr als erreicht. Okay, anfangs war es noch recht geordnet zugegangen. Der Narrengottesdienst mit dem Pfarrer Anton Gruber vor dem Zunftball gehört genauso zum Programm wie das Überreichen der ersten Orden an verdiente Aktive.

Das ist das Geschäft von Daniel Kadasch. Doch der Zunftmeister darf nicht nur ehren und junge Damen küssen. Kadasch bekommt das begehrte Stück von dem AHA-Chef Michael Borger diesmal höchstselbst um den Hals gehangen.

Ist doch der narrete Frontmann seit mehr als 21 Jahren bei nahezu jedem AHA- Einsatz dabei. Nur drei mal musste er passen, und das wegen höherer Gewalt. Beachtlich! Jetzt aber genug mit den Formalitäten. Bevor die Jubiläumsgruppen ihre schräg-schönen Visitenkarten abgeben, wirbeln die Mädels vom AHA-Ballett über die Bühne. „Das sind die schönsten Beine von ganz Weil der Stadt“, urteilt Roland Mebes im Publikum. Er muss es wissen, war er doch mehr als 40 Jahre der Büttel.

Ganz ansehnlich präsentieren sich auch die Moderatoren, die ihr Outfit anhand der Modetrends der vergangenen 44 Jahre immer mal wieder ändern. Dem Frauenbein-Experten Mebes dürfte dabei der superkurze Mini ganz besonders gefallen haben, mit dem Ann-Cathrin Ochs an die Flower-Power-Zeit erinnert. Ihr Co-Moderator Michalski hält mit Schlaghose, buntem Flatterhemd und Hippie-Perücke mit.

Nicht nur die Mode hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten geändert, sondern auch die Musik. Die Weiler Clowns zappen sich durchs Autoradio: Rock’n’Roll, Disco, Heavy Metal, Hiphop, Gangsta-Rap: Dem narreten Volk wird alles um die Ohren gehauen. Erst als ein paar Männer ihre Clowns-Kostüme ablegen und blanke Brust zeigen, schreiten die zunfteigenen Zensoren ein: Die Fasnet muss sauber bleiben!!! Es gibt Vereine in deutlich närrischeren Regionen, wo diese Regel tatsächlich ehernes Gesetz ist. In Weil ist’s Ironie.

Brust und Sixpacks ohne Einschränkungen zeigen die Schlehengeister bei ihrer Rocky-Show, die Daniela Ziegler gestaltet hat. Der legendäre Filmkampf zwischen dem schmächtigen Rocky und dem mächtigen Apollo Creed, umjubelt von allerlei Groupies, kommt auf die AHA-Bühne. Verlierer gibt’s hier keine, dafür viel Spaß.

Und noch einen Kracher haben die Schlehengeister drauf. Beim „Babysitterblues“ ist zu sehen, wie der närrische Samen schon in die Kleinsten verpflanzt wird. Ganz großes Narren-Kino, wenn gestandene Männer in Windeln umherspringen oder sich Damen-Slips auf den Kopf setzen. Vom komödiantischen Aspekt her der absolute Glanzpunkt des Zunftballs.

Geschunkelt wird mit der Narrenkapelle, die vornehmlich auf dem Boden sitzend spielt. Abtanzen ist zu mitternächtlicher Stunde mit der Josy-Miller-Band angesagt.

Fazit: Ein verheißungsvoller Auftakt der Fasnet. Die AHA-Aktiven haben sich warmgespielt. Jetzt kann’s noch heißer werden.