Weil der Stadt/Renningen Mein Auto? Dein Auto? Unser Auto!

Von Florian Mader 

Beim Carsharing wird kurzerhand das Fahrzeug geteilt – und das auf unkomplizierte Art und Weise. Was am Rankbach tadellos funktioniert, soll nun auch in der Nachbarstadt angeboten werden. Der Bedarf jedenfalls ist da.

Jochen Breuntner-Menschick  (links) vom Renninger Carsharing-Verein und  der Weiler Grünen Stadtrat Wolfgang Fischer stehen an einer Ladestation für ein E-Mobil im Schießrainweg in Weil der Stadt. Foto: factum/Bach
Jochen Breuntner-Menschick (links) vom Renninger Carsharing-Verein und der Weiler Grünen Stadtrat Wolfgang Fischer stehen an einer Ladestation für ein E-Mobil im Schießrainweg in Weil der Stadt.Foto: factum/Bach

Weil der Stadt/Renningen - Wo es Probleme gibt, da entstehen auch Lösungen. Zumindest war die an jenem Abend in Renningen so , als vier Leute zusammengesessen sind. Die Schwierigkeit: zwei Leute hatten ein Auto, und zwei Leute eben nicht. „Da könnten wir unsere Fahrzeuge doch teilen“, dachten sich die vier Herren – und die Idee des „Carsharing“ in der Rankbachstadt war geboren.

1992 war das, und Jochen Breutner-Menschick war einer der vier Spitzbuben. Heute, 23 Jahre später, ist er stolzer Vorsitzender der „Ökostadt Renningen“, einem Verein, in dem 22 Autos geteilt werden. „Damals hatte ich kein Auto“, berichtet er, „und heute stehen 300 Meter um meine Wohnung herum acht Autos. Eine größere Auswahl hat niemand!“ 450 Fahrberechtigte sind im Vereinsregister eingetragen, die sich die Autos des Vereins teilen,und die ihre Fahrten über eine Internetseite buchen können.

„Das hat sich wirklich bewährt“, sagt Jochen Breutner-Menschick. So sehr, dass der Verein auch eine Abteilung in Weil der Stadt gegründet hat. „Wir waren schon immer etwa fünf Familien, die sich in Renningen ihre Autos geholt haben“, erinnert sich Jürgen Raimann. Drei Jahre haben sie das getan, da war klar: Das konnte jedoch kein Dauerzustand bleiben. Seitdem stehen auch in der Keplerstadt drei der Vereinsautos.

„Wir sparen uns den Zweitwagen“

„Wir sparen uns in der Familie den Zweitwagen“, erzählt Raimann, einer der Carsharing-Ansprechpartner in Weil der Stadt. „Über den Verein bekommen wir dann je nach Anlass den passenden Wagen.“ Darunter von Herbst an auch ein Elektro-Auto. Dafür stellt nämlich die Stadtverwaltung einen Stellplatz im Schießrainweg, unterhalb des Bahnhofs zur Verfügung. 5000 Euro will der Gemeinderat lockermachen, um die Ladesäule für den Elektro-Auto-Stellplatz zu bauen.

Mit der Parkplatznot in der Innenstadt begründet Susanne Widmaier, die Erste Beigeordnete, diese Unterstützung des Carsharing-Vereins. „Das ist eine klassische Win-win-Situation“, sagt sie. „Von weniger Autos profitieren nämlich alle, am Ende auch die Umwelt.“ Der Standort sei schließlich ideal, in der Nähe zum Bahnhof und zu überdachten Fahrrad-Stellplätzen.

Einen Parkplatz gibt es an der Stelle schon, dem allgemeinen Verkehr soll der Platz allerdings „entwidmet“ und für das „Carsharing Weil der Stadt“ reserviert werden. Der soll ihn dann betreiben, pflegen und unterhalten. Der Mutterverein, die „Ökostadt Renningen“, jedenfalls hat Erfahrung mit der Elektromobilität. Eine zusätzliche Ladestation ist am Renninger Bahnhof erst am vergangenen Samstag in Betrieb gegangen.

Mit E-Mobilität unterwegs

Und das erste Elektrofahrzeug haben sich die Renninger schon vor drei Jahren angeschafft. Unterstützung dafür gab es vom Verband Region Stuttgart, der über sein Programm „Modellregion für nachhaltige Mobilität“ insgesamt 167 497 Euro zur Verfügung gestellt hat.

„Unsere e-Smarts sind die Fahrzeuge, die unsere Mitglieder am meisten buchen“, berichtet Jochen Breutner-Menschick, der Vorsitzende der „Ökostadt“. In den Autos kämen nämlich nicht nur Umweltschutz-Gefühle auf. Sie fahren auch viel ruhiger – und beschleunigen schneller. „Außer einem Porsche kriegen wir da alle Autos“, sagt Breutner-Menschick und lacht. Ob das auch die Weil der Städter überzeugen kann? Wolfgang Fischer, der Grünen-Stadtrat in Weil der Stadt, wünscht es sich jedenfalls. Drei dieser Autos gibt es in der Kepler­stadt schon, ein viertes kommt dann auf den neuen Elektro-Standort. „Das ist dann ein guter Anfang, ein Samen, der jetzt sprießen muss“, sagt er. Gerade für ländliche Regionen hält er diese Art von öffentlichem Verkehr für besonders zukunftsfähig. „In der Großstadt denkt schon lange kein Mensch mehr daran, sich ein eigenes Auto anzuschaffen“, hat Wolfgang Fischer festgestellt.

Und auf dem Land könne Carsharing ein dünnes Bus- und Bahnnetz ausgleichen. Das bestätigen auch die bisherigen Erfahrungen in Renningen und Weil der Stadt. „85 Prozent der Fahrten sind unter 50 Kilometer weit“, sagt Jochen Breutner-Menschick. Auch deshalb seien Elektroautos fürs Carsharing so geeignet. Auch in Weil der Stadt, wo sich Jürgen Raimann darauf freut: „Endlich beginnt das Abenteuer E-Mobilität auch bei uns.“

Weitere Infos:

www.carsharing-renningen.de

www.carsharing-weilderstadt.de

  Artikel teilen
0 KommentareKommentar schreiben
Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.