Strohgäu Extra
 
Weit mehr als nur ein Motorrad-Festival
"Strohgäu Extra", 05.09.2011 02:41 Uhr
Leonberg Mit einem ansprechenden Abendprogramm locken die Organisatoren von "Glemseck 101" nicht nur Motorradfahrer ins Mahdental. Nur graue Wolken am Sonntag und sintflutartiger Regen am Freitag verhindern den erneuten Besucherrekord. Von Michael Schmidt

Sage noch einer, bei einem Motorradtreffen zählen allein Lederkutten, Bier und derbe Späße. Mit einer veritablen Rockabilly- und Beatshow, einem fast schon revuehaft anmutenden Retro-Modelcontest und der üblichen Vielfalt unterschiedlichster Angebote, lockte das "Glemseck 101" in der sechsten Auflage nicht nur überdurchschnittlich viele junge Frauen zu dem zweieinhalbtägigen Festival, es zog auch zahlreiche Familien an und - natürlich auch - echte Kerle auf Motorrädern. Alle feierten gemeinsam völlig friedlich und ausgelassen ein Fest, bei dem es um weit mehr, als laute Motoren zwischen zwei heißen Reifen gehen sollte.

Begeistert von der Atmosphäre waren abermals zehntausende von Besuchern, allein am Samstag schätzte der Sicherheitsdienst ihre Zahl auf mindestens 20 000. Mit gerade einmal einer Handvoll Organisatoren ist das "Glemseck 101" damit auch ein Musterbeispiel an Effizienz. "Es ist im Grunde ja auch nicht so viel zu machen: vorne und hinten absperren und dazwischen alles bespielen", sagt Peter Herrle, im Hauptberuf beim Leonberger Ordnungsamt beschäftigt. Voll des Lobes ist er für seine Mitstreiter wie Jörg Litzelburger oder Steven Flier: "Die haben mit dem Abendprogramm und dem Achtel-Meilen-Sprint auf der Zielgeraden genau das richtige Händchen für eine gute Mischung". Jörg Litzelburger - im Berufsleben Suchtbeauftragter des Landkreises - ist stolz, dass während der Wahl zur "Motorbiene", bei der sich ein Dutzend junger Damen im Stil der "Pin-up-Girls" aus den 50ern präsentieren, kein einziger der männlichen Besucher "Ausziehen" schreit oder anderweitig pöbelt. Dazu ist die Show vielleicht auch einfach zu erfrischend und besitzt fast schon komödiantische Einlagen. Auch Stunden zuvor, bei den Sprintrennen mit klassisch-luftgekühlten schweren Maschinen, so genannten Café-Racern, bleibt alles im grünen Bereich: Das Team vom Roten Kreuz wird lediglich wegen etlicher Wespenstiche beansprucht.

Ein Umfeld, in dem der Leonberger Oberbürgermeister Bernhard Schuler gerne die Schirmherrschaft übernimmt und mit dem Landrat Roland Bernhard am Sonntag sogar die Sprintstrecke testet. Obwohl er kein bekennender Motorradfahrer ist, betonte Schuler bereits in den Vorjahren, dass das Glemseck samt der einstigen Solitude-Rennstrecke eine der letzten "Leonberger Markenzeichen" ist, mit der die Stadt überregional bekannt ist.

Absperrungen für den Durchgangsverkehr entsprechen also dem politischen Willen: Weil am Freitag auch noch ein Stau auf der Autobahn war, steckte der Umleitungsverkehr in langen Staus fest: Des einen Freud - des anderen Leid.

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