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Weiterentwicklung im DLR Roboter mit Fingerspitzengefühl

Martin Schäfer, vom 09.03.2010 09:31 Uhr
Die beiden orangefarbenen Leichtbauarme fügen gemeinsam ein Hinterachsgetriebe für die E- oder C-Klasse im Daimlerwerk Mettingen zusammen. Foto: Heiss
Die beiden orangefarbenen Leichtbauarme fügen gemeinsam ein Hinterachsgetriebe für die E- oder C-Klasse im Daimlerwerk Mettingen zusammen. Foto: Heiss
Stuttgart - Mit einem leichten Tock, tock, tock drückt der linke Arm das Lager in das Gehäuse. Dann ist der Arbeitsvorgang abgeschlossen. Die zwei orangefarbenen Roboterarme weichen zurück und greifen sich neue Bauteile für das nächste Hinterachsgetriebe, das sie am Fließband im Daimler-Werk Mettingen zusammensetzen. Die Arme sehen aus wie extrem bewegliche menschliche Gliedmaßen. Neben dem äußeren Eindruck haben beide, Mensch und Maschine, eine weitere Gemeinsamkeit: Auch die Maschine hat ein Gefühl für ihre Umgebung. Drückt etwas gegen den Arm oder stößt das Gerät gegen ein Hindernis, so regelt die Maschine ihre Kraft sofort entsprechend herunter. Der große, zu erwartende Schlag bei einer Kollision bleibt aus.

Dieses Fingerspitzengefühl braucht der Roboter auch bei seiner Aufgabe. Der rechte Arm ergreift ein sogenanntes Tellerrad und fädelt dieses fünf bis 15 Kilogramm schwere Bauteil in das topfförmige Getriebegehäuse ein. Das ist Millimeterarbeit. Durch eine seitliche Öffnung kommt der zweite Arm entgegen und hilft beim Positionieren und Fixieren. Das Einfädeln ist entscheidend. Stößt das Tellerrad zu stark gegen das Gehäuse oder gegen das Antriebskegelrad, in dessen Zähne es eingreifen soll, so muss das Achsgetriebe in die Qualitätskontrolle. Bei einer starken Beschädigung ist der Radsatz auch mal Schrott. Doch dieser Fall tritt nur selten ein, erklärt Peter Abele, Leiter der Getriebeproduktion Achsen in der Niederlassung Mettingen. 17.000 Hinterachsgetriebe hat das Roboterarmduo seit März 2009 gefertigt. Die Pilotproduktion arbeitet bislang täglich nur in einer Schicht. Ab diesem März sollen die Roboter rund um die Uhr laufen.

Muskelkater gibt es nicht


Einige Meter entfernt bauen an zwei manuellen Stationen Mitarbeiter die Hinterachsgetriebe zusammen. In einer Schicht bedeutet dies, 318-mal die schweren Tellerräder in das Gehäuse einfädeln. Von Muskelkater ist am Abend trotzdem keine Spur, sagt ein Kollege und grinst. Die Männer an den Arbeitsstationen sind alle kräftig und muskulös - und die Arbeit gewohnt.

Die neuen Roboterarme sollen nicht Arbeitsplätze ersetzen. Im Vordergrund steht für die Daimler-Manager, die Vorzüge der neuen Leichtbauarme erstmalig in der Produktion zu nutzen. Mit 14 Kilogramm ist das Gerät extrem leicht - im Vergleich zu üblichen Industrierobotern. Dass er auch 14 Kilogramm heben und bewegen kann, gilt als sensationell in der Roboterszene. Normalerweise stemmen Roboter nur bis zu einem Zehntel ihres Eigengewichts.

Das Konzept wurde Anfang der 1990er Jahren im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen ersonnen. "Mit dem Roboterarm wollten wir eine filigrane Leichtbaustruktur entwickeln, um etwa im Weltraum defekte Satelliten einzufangen", erklärt Norbert Sporer, der damals das Projekt leitete. Heute ist Sporer Geschäftsführer der Firma Sensodrive in Oberpfaffenhofen, die Roboter- und Antriebskomponenten an Kunden aus der Industrie verkauft. Jedes Kilogramm mehr in den Orbit zu heben, kostet Geld. Daher musste der Manipulationsarm möglichst leicht sein.

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