Weltklimabericht Auf die Hitze sind wir nicht vorbereitet

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Der Weltklimarat versucht es mit Zuckerbrot und Peitsche: Die Auswirkungen des Klimawandels seien fast überall zu spüren, aber man könne mit ihnen umgehen – wenn man nur wolle. 195 Nationen haben die Kernthesen nach langen Debatten anerkannt.

Die Studien zu den Auswirkungen des Klimawandels beruhen auf verschiedenen Zukunftsszenarien. Sie sagen alle eine Erwärmung für die kommenden Jahrzehnte und womöglich sogar Jahrhunderte voraus – wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. In einer Bildergalerie stellen wir zentrale Ergebnisse des neuen Weltklimaberichts vor. Foto: dpa 18 Bilder
Die Studien zu den Auswirkungen des Klimawandels beruhen auf verschiedenen Zukunftsszenarien. Sie sagen alle eine Erwärmung für die kommenden Jahrzehnte und womöglich sogar Jahrhunderte voraus – wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. In einer Bildergalerie stellen wir zentrale Ergebnisse des neuen Weltklimaberichts vor.Foto: dpa

Stuttgart - Nach sieben Jahren erscheint an diesem Montag ein neuer Bericht des Weltklimarats zu den Auswirkungen der Erderwärmung, doch die wesentlichen Aussagen bleiben dieselben: Sturmfluten und Überschwemmungen sowie Dürren mit Wassermangel und Hungersnöten werden in diesem Jahrhundert zunehmen, und die Welt ist darauf in vielen Fällen kaum vorbereitet. Lohnt sich für diese Feststellungen der große Aufwand? Schließlich haben 700 Wissenschaftler über mehrere Jahre das Wissen ihres Fachgebiets zusammengetragen, und Vertreter von 195 Nationen nun eine Woche lang die Kernaussagen der Forscher einzeln debattiert. Die Berichte des Weltklimarats sind Mammutprojekte.

Deutsche Klimaforscher sprechen aber nicht von einer bloßen Wiederholung: Es geht ihnen in diesem Fall nicht um neuartige, sondern um verlässlichere Erkenntnisse. Daniela Jacob vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg hebt hervor, dass die Aussagen des Weltklimarats nun auf so solider Basis stünden, dass man sie nicht mehr wegdiskutieren könne. Und Wolfgang Cramer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung nennt die Bestätigung des letzten Berichts aus dem Jahr 2007 eine „erschreckende Nachricht“: Jeder weiß, dass der Meeresspiegel steigt, aber nun bekommt man die Folgen noch einmal deutlich vor Augen geführt. Cramer lobt auch die konstruktive Atmosphäre in den Diskussionen der vergangenen Tage. Im Unterschied zu früheren Debatten seien heute alle Länder bereit, den wissenschaftlichen Argumenten zu folgen.

Die Ergebnisse sollen auch Laien leicht zugänglich sein

Christopher Field, einer der Koordinatoren des neuen Berichts, sagt sogar, dass die Texte im Laufe der Diskussionen mit allen Nationen besser geworden seien – und meint damit: zugänglicher für Politik und Öffentlichkeit. Eine Neuerung sind Balken, mit denen die Forscher verschiedene Risiken beschreiben: Das Risiko für Überschwemmungen in Europa geben sie zum Beispiel mit „mittelschwer“ an, halten aber auch fest, dass es sich auf ein niedriges Niveau drücken ließe, wenn man die Erfahrungen im Hochwasserschutz und in der Renaturierung von Flussauen besser nutze. Das Risiko könnte jedoch in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts steigen, wenn der Klimawandel nicht deutlich gedämpft wird. Dramatischer ist das Bild bei den Hitzewellen: Wenn man hier nicht handelt, wird sich nach Angaben des Weltklimarats das Risiko ökonomischer Verluste und gesundheitlicher Schäden deutlich erhöhen.

Durch diese grafische Darstellung wird schnell sichtbar, dass es schon heute unvermeidbare Auswirkungen des Klimawandels gibt: In Afrika bereiten Missernten zunehmend Sorgen, in Nordamerika werden Waldbrände zu einer Bedrohung und der Artenreichtum der Weltmeere ist in Gefahr. Zwei Ökosysteme werden Wolfgang Cramer zufolge voraussichtlich verschwinden: die Korallen in tropischen Gewässern und die Lebensräume der Arktis. Der Vorsitzende des Weltklimarats, Rajendra Pachauri, macht es noch plakativer und spitzt die Botschaft des Berichts zu: „Niemand auf diesem Planeten wird durch den Klimawandel unberührt bleiben“, sagt er bei der Präsentation im japanischen Yokohama.

Der Weltklimarat will auch Optimismus verbreiten

Gegen einige der bevorstehenden Änderungen lässt sich aber etwas unternehmen. Christopher Field sieht in dem Bericht eine neuartige Herangehensweise: Der kluge Umgang mit dem Klimawandel sei eine Frage des Risikomanagements. Statt nur auf Naturkatastrophen zu reagieren, plane man zunehmend mit Bedacht, wie man die natürlichen Ressourcen nutze und wie man Infrastruktur anlege. Field schwebt ein „learning by doing“ vor: Man müsse die Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel kritisch beobachten und eventuell nachbessern.

In Europa, sagt Daniela Jacob, verfügten die Länder bereits über gute Strategien, mit dem Klimawandel umzugehen. Aus ihrer Sicht ist aber noch offen, wie man die Prioritäten richtig setzt: Wie viel sollte man beispielsweise in den Küstenschutz investieren, wie viel daneben in die nachhaltige Landwirtschaft und wie viel in eine städtische Infrastruktur, die mit Hitzewellen zurecht kommt? Welche Kriterien diese Entscheidungen leiten sollten, könne auch der Weltklimarat heute noch nicht sagen.