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Weltweihnachtscircus Todesmutiger Spaßmacher

Rainer Lang, 25.12.2012 17:14 Uhr

Stuttgart-Bad Cannstatt - Die Kritiker überschlagen sich. Bello Nock feiert weltweit Triumphe. Er wird als „bester Clown Amerikas“, der „am härtesten arbeitende Clown der Welt“ oder „der größte Clown der Welt“ beschrieben. Jetzt tritt er erstmals beim Stuttgarter Weltweihnachtscircus auf. Mit seinem Markenzeichen, den 30 Zentimeter steil aufragenden roten Haaren, lacht Bello Nock von Plakaten und Programmheften.

Was macht seinen Erfolg aus? Bello Nock bezeichnet sich als „komischer Draufgänger“. Zur Perfektion entwickelt hat er eine Mischung aus Spaß und Artistik in der Manege – schnell und turbulent. So steigt er auch in Stuttgart ins „Rad des Todes“. Mit solchen tollkühnen Auftritten ohne Netz und doppelten Boden im Clownskostüm bringt er das Publikum nicht nur zum Lachen, sondern versetzt es vor allem in Hochspannung und Staunen.

Der 1968 in Sarasota im US-Bundesstaat Florida geborene Nock entstammt einer berühmten Zirkusfamilie mit Wurzeln in der Schweiz und Italien. Er setzt die Tradition in der siebten Generation fort. Schon sein Onkel Pio Nock war ein weltberühmter Clown, der 1994 im Weltweihnachtscircus auftrat. Seit seinem dritten Lebensjahr steht Bello Nock in der Manege. „Von klein auf wollte ich Menschen zum Lachen bringen und ganz gefährliche Sachen machen“, sagt er.

Nock hat es ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft

Slapstick und Situationskomik sowie Tolpatschigkeit und Einfältigkeit, also all das, mit dem ein Clown die Menschen zum Lachen bringt, gehört genauso zu Nocks Repertoire wie Akrobatik auf höchstem Niveau. Da geht er auf schwankendem Mast in den Handstand oder balanciert auf dem Hochseil. Aber Bello Nock will mehr. Er ist besessen von Rekorden. Hängt sich an ein unter einem Helikopter befestigtes Trapez und umrundet die Freiheitsstatue oder balanciert auf dem Seil zwischen Wolkenkratzern in Schwindel erregender Höhe.

Stolz ist er darauf, dass er es ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft hat, zum Beispiel mit einem halsbrecherischen Balanceakt über ein Hochseil auf einem schwankenden Schiff. „Alle haben gesagt, das ist unmöglich. Ich habe es geschafft“, beschreibt Nock eine seiner herausragenden Eigenschaften. „Ich versuche, das Unmögliche möglich zu machen. Wenn ich falle, rapple ich mich wieder auf. Scheitern gibt es für mich nicht.“

Mit seinem brennenden Ehrgeiz geht er immer wieder neue Herausforderungen an und Gefahren ein. Zurzeit plant er einen Geschwindigkeitsrekord auf dem Hochseil und den höchsten freien Fall. Aber auch das, was er in der Manege vollbringt, ist eine akrobatische Höchstleistung. „Ich arbeite dafür, dass jeder Auftritt besser ist als der vorherige“, sagt er.

Bello Nock will jeden erst einmal zum Lachen bringen

Jeden Tag verbringt er mindestens zehn Stunden mit Trainieren und dem Einstudieren von neuen Stunts. Der berühmte russische Clown Oleg Popov hat einmal gesagt, „in den Beruf des Clowns muss man sein ganzes Leben hineingeben“. Jeden, dem Bello Nock begegnet, will er erst einmal zum Lachen bringen. Er kann es nicht lassen, in Gesellschaft der Spaßvogel zu sein. Doch der Beruf ist für ihn mehr als eine Rolle. Man sei noch lange kein Clown, wenn man sich ein Kostüm überstreife, sagt er, sondern man benötige „die Magie hinter dem Clown“.

Nock gehört zu den wenigen mit höchsten Ehren ausgezeichneten Clowns. Im Jahr 2011 hat er beim Zirkusfestival in Monte Carlo den Goldenen Clown gewonnen, den Oscar der Zirkuswelt. Diesen haben vor ihm nur Charlie Rivel (1974), Oleg Popov (1981) und der auch vom Weltweihnachtscircus bekannte David Larible (1999) erhalten, die Nock alle verehrt. Doch viel stärker sei seine stille Komik von Stummfilmstars inspiriert worden. Dazu zählt Nock vor allem Charlie Chaplin und Buster Keaton, aber auch Harold Lloyd mit seinen komischen Balanceakten an Hochhäusern.

Nock kann mit kleinen Gesten, seinem Mienenspiel oder einem Blick andere zum Lachen bringt. Jedem Gespräch, jeder Begegnung kann er eine komische Wendung geben. Er sagt selbst, dass er ein Kind geblieben sei. Die meiste Inspiration habe er von Kindern bekommen. „Kinder wissen nicht, dass etwas nicht möglich sein soll“, sagt Nock.