Wir haben keinen Tag bereut." Dieses Fazit haben am Ende des Schuljahres Berthold Halter, der Leiter der Leonberger Karl-Georg-Haldenwang-Schule, Friederike Bailer, die Rektorin der Theodor-Heuss-Schule in Rutesheim gezogen, aber auch die Lehrerinnen, die die Kinder unterrichtet haben und die Eltern der Schüler, die vier Jahre lang die Kooperationsklasse besucht haben. Das Projekt soll weiter gehen. Von der ersten Klasse an haben sechs Schüler der Karl-Georg-Haldenwang-Schule für Geistigbehinderte gemeinsam mit 16 Schüler der Rutesheimer Theodor-Heuss-Schule die Schulbank gedrückt, gemeinsam von einander gelernt und viel erlebt.
Weil diese Kooperation so erfolgreich verlaufen ist, gibt es in diesem Herbst zum ersten Mal an der Rutesheimer Schule auch eine Kooperationsklasse für größere Schüler, ab der Klasse fünf. "Für uns war das selbstverständlich, denn die Kooperationsklasse ist inzwischen Bestandteil des Schullebens", sagt die Rektorin der Theodor-Heuss-Schule. Und so ist eine der beiden Klassen fünf eine Kooperationsklasse, die von sechs Schülern der Haldenwang-Schule besucht wird. Auch in der Elternschaft sei nach den guten Erfahrungen der vergangen vier Jahre die Bereitschaft groß gewesen. Es seien nicht einmal alle Interessierten zum Zuge gekommen, sagt Bailer. 31 Anschreiben seien verschickt worden, in 18 Fällen wollten die Eltern ihre Kinder in die Kooperationsklasse einschreiben.
"Es steckt natürlich auch sehr viel Eigennutz dahinter", sagt eine Mutter, deren Sohn, von der ersten bis zur vierten Klasse, die Kooperationsklasse besucht hat. "So ist durch die Lehrkräfte, die die Karl-Georg-Haldenwang-Schule für diese Klasse zur Verfügung stellt, mehr Fachkapazität vorhanden, denn neben der Lehrerin der allgemeinen Schule ist auch immer eine Kollegin mit sonderpädagogischen Kompetenzen in der Klasse. Und zum anderen profitieren alle Kinder von mehr individueller Förderung. Also alles gute Argumente, um die Kinder in eine Kooperationsklasse einzuschreiben".
"Die Theodor-Heuss-Schule hat uns hervorragende Rahmenbedingungen geboten", ist Berthold Halter, der Leiter der Karl-Georg-Haldenwang-Schule, voll des Lobes. Besonders geeignet für Kooperationsklassen seien Ganztagsschulen, die ein ganzheitliches Lernen in der Schule als Lebensraum möglich machen. Denn um den Bedürfnisse aller Schüler gerecht zu werden, werden für die Kooperationsklassen zwei benachbarte Unterrichtsräume benötigt.
Das erste Schuljahr verbringen die Schüler der Haldenwangschule unter ihrem eigenen Dach. Die Kooperation beginnt dann im zweiten Schuljahr mit der ersten Klasse der Partnerschule. Dieses eine Jahr dient dazu, sich wichtige Grundvoraussetzungen für das schulische Leben anzueignen und sich an den Schulalltag zu gewöhnen. Auch haben die kooperierenden Grundschullehrer die Möglichkeit, die Kinder kennen zu lernen und mit den Kollegen die Grundlagen für die gemeinsame Arbeit aufzubauen.
"Der Unterricht in einer Kooperationsklasse ist eigentlich die Hochform des Unterricht", ist Friederike Bailer überzeugt. "Es wird differenziert am Gleichen gearbeitet und das auf unterschiedlichem Niveau." Der Bildungsplan der Kooperationsklasse gilt für Grundschüler, dabei sollen auch die Haldenwang-Schüler das Ziel dieses Unterrichts erreichen. "Dabei gilt: jeder nach seinem Können und seinen Fähigkeiten", erklärt Halter. Für das Zustandekommen einer Kooperationsklasse werden weder die Haldenwang-Schüler noch die der Partnerschule besonders ausgesucht.
"Eine Kooperationsklasse ist kein Hobby, sondern eine klar definierte Aufgabe, die sich die Schule stellt und für die sich das Kollegium entscheidet und dann auch mittragen muss", sagen die Lehrerinnen der Theodor-Heuss-Schule, die seit Anfang an dabei sind. Für alle Kinder seien die vier Jahre eine gute Erfahrung gewesen und alle hätten eine beispielhafte Entwicklung durchgemacht. Deshalb sei es die logische Konsequenz gewesen, auch in Klasse 5 zu kooperieren. "Viel gelernt haben alle durch das Mitleben mit den anderen", haben die Pädagoginnen beobachtet. Nicht die Besonderheiten der anderen seien den Kindern wichtig gewesen, sondern sie wussten, der oder die kann das und das nicht.
Überhaupt sei Behinderung kein Thema gewesen. Erst in Klasse 4 hätten die Kinder eine interessante Frage dazu gestellt: "Wer von uns ist den nun behindert?"


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