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Werben für die Verben und den Wandel
"Kornwestheim und Kreis Ludwigsburg", 16.01.2012 02:41 Uhr
Kornwestheim "Da capo" heißt der Neujahrsempfang der Sängerlust. Für den Vorstand gilt das nicht. Von Werner Waldner

Über den Wandel hat Festredner Edgar Kube gestern Mittag beim Neujahrsempfang der Sängerlust philosophiert. Nicht ohne Grund: Die Chorvereinigung hatte am Abend zuvor eine neue Vorsitzende gewählt. Anja Schulz führt die Sängerlust künftig an, vertreten von Marina Reichle, ebenfalls neu an der Spitze des Vereins. Und damit konnten die Besucherinnen und Besucher des Empfangs gleich drei ehemalige oder aktuelle Vorsitzende am Mikrofon erleben: Elisabeth Reich, die die Gäste im Galeriesaal begrüßt hatte, Edgar Kube, der den Festvortrag hielt, und Anja Schulz, die die Gäste wieder verabschiedete. Unter denen weilte denn auch noch Gisela Kohner, Vorvorgängerin der neuen Vorsitzenden.

37 Jahre alt ist die Kornwestheimerin Anja Schulz. 15 Jahre gehört sie der Sängerlust schon an, an der sie besonders den Zusammenhalt schätzt. Das habe schon einen familiären Charakter, schwärmt die Mutter von zwei Kindern. Die Kinder- und Jugendarbeit will sie forcieren, gibt sie als Ziel für ihre Vorstandstätigkeit an. Marina Reichle (27 Jahre) gehört der Sängerlust erst wenige Monate an. Des Berufes wegen ist die Softwareentwicklerin nach Kornwestheim gekommen. Weil sie auch schon an ihrem vorherigen Wohnort Ravensburg im Chor aktiv war, suchte sie sich in Kornwestheim gleich eine neue Singgemeinschaft - und fand sie in der Sängerlust, die in ihr schließlich die neue zweite Vorsitzende entdeckte.

"Damit zeichnet sich ab, dass neue Ideen und neue Konzepte Einzug halten werden", sagte Edgar Kube in seiner Festansprache, die sich ganz um den Wandel drehte. Die chinesische Weisheit "Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern und die anderen Windmühlen" stellte Kube an den Beginn seiner Rede. Nicht jeder Wandel sei positiv, sagte der Vorsitzende des baden-württembergischen Sängerbundes und erinnerte an den Klimawandel und den demografischen Wandel. In der Regel aber seien Veränderungen wünschenswert. "Ich will gar nicht generell gegen Traditionen sprechen", betonte Kube. Aber von Tradition, die nach rückwärts gewandt sei und sich lediglich auf Gewohnheit stütze, halte er nichts. Kube zitierte den Komponisten Gustav Mahler: "Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche."

Auch in Kornwestheim machte Kube Wandel aus - "sich ständig wandelnde Straßenbaustellen". Zumindest der Ausbau des Glasfaserkabelnetzes sei positiv zu bewerten. Das stärke die Stadt auch als Wirtschaftsstandort. Kube kritisierte aber, dass die Stadt für die Organisationsentwicklung des Amtes für Stadtgesellschaft auf ein externes Beratungsunternehmen zurückgreife. "Ein Punkt der Kritik ist jedoch nicht von der Hand zu weisen", so der Ehrenvorsitzende der Sängerlust. "Obwohl es dieses Amt als Zusammenfassung verschiedener Verwaltungsbereiche seit 2008 gibt, ist es in der öffentlichen Wahrnehmung noch nicht richtig angekommen."

Für den unterhaltsamen Part des Vormittags sorgte der Stuttgarter Sprachkünstler Timo Brunke, der mit Wortspielereien und Liedern die Besucherinnen und Besucher begeisterte. Dabei nimmt sich der 39-Jährige ganz ungewöhnlicher Themen an - wie der Zahnpaste in der Tube und dem Shampoo in der Flasche. Brunke singt auch vom Haarausfall und der misslungenen Trennung eines Paares. Sie kommt immer wieder zurück, weil sie mal vergessen hat, die Heizung auszustellen und ihn noch ermahnen muss, den Gelben Sack an den Straßenrand zu stellen. Oder Brunke startet einen Werbezug für die Verben, von denen er urplötzlich Unmengen in einer atemberaubenden Geschwindigkeit in den Raum schleudert. "Eher würde ich sterben, als nicht mehr für die Verben zu werben" endet die Kampagne für das Tu-Wort - und auch der Neujahrsempfang "Da Capo" der Sängerlust.

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