Werksausbau bei Porsche "Macht stört die Verhandlungen"
Michael Heller, 21.02.2011 14:56 Uhr
Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück (links) kritisiert Michael Macht scharf. Foto: dpa
Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück (links) kritisiert Michael Macht scharf. Foto: dpa
Stuttgart - Porsche will den Standort Leipzig noch weiter ausbauen, falls die Produktion des kleinen Geländewagens Cajun wie zu erwarten in die sächsische Messestadt vergeben wird. Der Porsche-Aufsichtsrat will am 15. März über das Projekt Cajun, bei dem auch noch die Standorte Ingolstadt, Neckarsulm (jeweils Audi) und Hannover (VW) im Rennen sind, entscheiden. Sollte Leipzig den Zuschlag erhalten, dann müsste am Standort ein Karosseriewerk und eine Lackiererei gebaut werden; bis jetzt werden in der Fabrik der Geländewagen Cayenne und die Luxuslimousine Panamera lediglich montiert.

Lackieranlage und Rohbau wären nach Ansicht des Betriebsratsvorsitzenden Uwe Hück aber nicht rentabel, wenn sie nur für den Cajun gebaut würden: "Das würde sich nicht rechnen, langfristig müssten die Anlagen auch für andere Fahrzeuge eingesetzt werden", sagte er der Stuttgarter Zeitung gestern. Um welche Modelle es sich handeln könnte, wollte Hück nicht sagen.

VW-Produktionschef Michael Macht, der bis Herbst vergangenen Jahres noch Porsche-Vorstandschef war, hat Ende voriger Woche in einem Interview ausgeschlossen, dass Umfänge der Cayenne-Fertigung nach Leipzig vergeben werden. Der Cayenne stehe auf einer anderen Plattform als der Cajun, sagte er. Karosseriebau, Lackiererei und Teile der Montage sollen deshalb bei VW in Bratislava bleiben; der Motor kommt aus Stuttgart.

Machts Äußerungen bringen Hück auf die Palme


Die Arbeitsteilung wurde bereits vor etwa zehn Jahren zwischen Volkswagen und Porsche abgesprochen, als die Unternehmen noch nicht aneinander beteiligt waren. Beim Panamera werden Rohbau und Lackierung in Hannover gemacht, Innenausbau und Montage erfolgen in Leipzig, und der Motor kommt wie alle Porsche-Maschinen aus dem Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen. Da VW insgesamt Kapazitätsengpässe hat, könnte das Werk Hannover durch die Investition in Leipzig entlastet werden. Somit spricht einiges für eine Komplettverlagerung des Panamera nach Leipzig.

Dass sich der frühere Porsche-Chef aber überhaupt zu den Aussichten des Werks Leipzig auf die Cajun-Fertigung äußert ("Es gibt zwar noch keine finale Entscheidung, aber ich sehe den Cajun am Porsche-Standort Leipzig."), bringt den Betriebsratsvorsitzenden Hück auf die Palme: "Michael Macht stört mit seinen Aussagen die Verhandlungen. Er ist nicht unser Chef. Unser Chef heißt Matthias Müller, und die Entscheidung trifft der Porsche-Aufsichtsrat", sagte Hück der StZ.

Gegenwärtig verhandelt der Betriebsratschef mit dem Management noch über die Rahmenbedingungen einer künftigen Cajun-Produktion. Dabei geht es neben Themen wie Produktivität, Flexibilität und Schichtmodell auch um die Lehrlingsausbildung. So strebt Hück an, die Zahl der Auszubildenden, die eingestellt und anschließend in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen werden, von 100 auf 140 bis 150 zu erhöhen. Insbesondere jungen Menschen aus Sachsen soll die Ausbildung zum Fahrzeuglackierer ermöglicht werden, damit 2013 die Cajun-Fertigung mit qualifiziertem Personal starten kann.

Milliardenschwere Schadenersatzforderungen von Anlegern


Unterdessen hat Porsche-Chef Matthias Müller den Anspruch des Sportwagenherstellers unterstrichen, gemessen am Gewinn weltweit der Automobilhersteller Nummer eins zu sein. Porsche werde seinen Vorsprung trotz der teueren Expansionspläne sogar noch ausbauen, sagte er der Fachzeitschrift "Automotive News Europe". Als entscheidend für die Zukunft bezeichnete er die Neuauflage des Porsche-Klassikers 911, die von Jahresende an bei den Händlern stehen wird.

In den drei Monaten von August bis Oktober 2010 hatte Porsche gemessen am operativen Ergebnis eine Umsatzrendite von 19 Prozent erwirtschaftet. Getrübt werden die guten Aussichten von Porsche durch milliardenschwere Schadenersatzforderungen von Anlegern, die dem Unternehmen Aktienkursmanipulationen in der Zeit vorwerfen, als das Führungsduo Wendelin Wiedeking (Vorstandschef) und Holger Härter (Finanzchef) die Mehrheit an Volkswagen erreichen wollte. Die beiden sollen ihre wahren Absichten bei dem Übernahmeversuch verborgen und damit die Anleger getäuscht haben. 14 Fondsgesellschaften drohen Porsche mit einer Klage.

Die Zeitschrift "Wirtschaftswoche" schreibt unter Berufung auf den Rechtsanwalt Franz Braun von der Münchner Kanzlei CLLB, zu den geforderten 2,4 Milliarden Euro könnten weitere Forderungen "von mehr als einer Milliarde Euro" hinzukommen. Porsche hatte die Ansprüche mehrfach als unbegründet zurückgewiesen.
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