Werkstätten im Test Wenig Meisterhaftes
Thomas Wüpper, 29.08.2010 10:40 Uhr
Exakte Aufträge helfen, dass bei Inspektionen Teile am Auto nicht ungefragt erneuert werden. Foto: Zweygarth
Exakte Aufträge helfen, dass bei Inspektionen Teile am Auto nicht ungefragt erneuert werden. Foto: Zweygarth
Stuttgart - Hohe Rechnung, miese Leistung: bei der Autoinspektion können Verbraucher ihr blaues Wunder erleben. Bei Testinspektionen schnitten die freien Werkstattketten A.T.U. und Meisterhaft besonders schlecht ab, Testsieger sind Mercedes-Benz und Renault. Insgesamt fiel das Ergebnis ziemlich enttäuschend aus. Nicht einmal jede zweite der 75 untersuchten Autowerkstätten fand alle Fehler, die Sachverständige bei Testwagen präpariert hatten. Nur einige Vertragswerkstätten arbeiten vorbildlich. "Dagegen schlampen viele freie Werkstätten", bilanziert "Test" in seiner neuen Ausgabe (9/2010).

Für den Test schickten die Verbraucherschützer Autos von Mercedes, Opel, Renault, Toyota und Volkswagen in die jeweilige Vertragswerkstatt sowie in eine A.T.U- und Meisterhaft-Werkstatt. Der Auftrag: eine Inspektion streng nach Wartungsvorschriften. Jeder Wagen hatte fünf präparierte Mängel: defekte Kennzeichenleuchte, verstellte Scheinwerfer, zu wenig Druck im Ersatzreifen, zu geringer Kühlmittelstand und ein ausgehängter Auspuff.

Wäre die Inspektion streng nach Wartungsliste durchgeführt worden, hätten die Werkstätten alle Fehler finden und reparieren müssen. Das Gegenteil war der Fall. "Offensichtlich haken viele Techniker die Listen nur ab, egal ob die Arbeiten ausgeführt wurden oder nicht", übt die Stiftung Warentest scharfe Kritik an der Branche.

Die teuersten Werkstätten schnitten am Besten ab


Nur die fünf getesteten Mercedes-Werkstätten bekamen die Bestnote, weil sie alle Fehler fanden und behoben. Allerdings sind diese Reparaturhäuser mit Abstand am teuersten. Eine Arbeitsstunde kostet laut Test dort zwischen 88 und 109 Euro. Zum Vergleich: die Konkurrenz von A.T.U. kassiert für die Inspektion eines Mercedes zwischen 49 und 63 Euro pro Stunde, Meisterhaft zwischen 33 und 69 Euro.

Doch was nützt das günstigste Angebot, wenn es nichts taugt? Diese Frage stellen die Verbraucherschützer und geben auch gleich die Antwort. Nur 6 von 25 Werkstätten von Meisterhaft fanden alle Mängel. Drei Werkstätten der Kette entdeckten nicht einmal einen einzigen Fehler und boten zudem eher lausigen Service. Nicht viel besser schneidet A.T.U. ab: Nur acht von 25 Werkstätten behoben alle Mängel. Drei Häuser übersahen drei oder sogar vier Fehler. Bei beiden Ketten, so die Tester, ist das Qualitätsniveau je nach Automarke und Werkstätte sehr uneinheitlich.

Für den Autobesitzer kann es teuer werden, wenn er eine unzuverlässige Werkstatt erwischt. Denn zu der großen Inspektion, die ab 150 Euro aufwärts kostet, zahlt er womöglich den Motorschaden, wenn ein Techniker zum Beispiel den Kühlmittelbehälter nicht vorschriftsgemäß auffüllt. Die Verbraucherschützer raten daher, die Flüssigkeitsstände im Auto am besten selbst zu kontrollieren. Bei der Auftragsvergabe in der Werkstatt sollte man zudem darauf achten, dass die durchzuführenden Arbeiten genau bezeichnet werden. Zusatzarbeiten, die manche Werkstätten gerne später während der Reparatur per Anruf vorschlagen, sollte man sich genau erklären lassen. Zudem berechneten im Test einige Werkstätten Leistungen, die weder beauftragt noch vom Hersteller vorgeschrieben wurden.
Kommentare (1)
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AUG
29
freddi, 14:14 Uhr

etwas voreingenommen...

Auch bei Werkstätten des Herstellers werden Reparaturen aufgeschwatzt, die unnötig sind und nur zur Mehreinnahme dienen. Hatte mein Fahrzeug in einer VW Werkstatt, die mir umgehend die Stoßdämpfer und mein Lenkgetriebe wechseln wollten, da angeblich nicht mehr verkehrstauglich. War 1 Woche später beim TÜV und habe explizit danach schauen lassen. Test ohne Mängel bestanden...kein weitere Kommentar.