""Drum prüfe, wer sich ewig bindet: nach 120 Reden bin ich überzeugt.""
Michael Mronz über seinen Parteiwechsel zur FDP
Berlin - Er definiere sich über seinen Beruf und nicht über sein Privatleben, pflegt Michael Mronz die Fragen nach seinem Lebenspartner Guido Westerwelle abzublocken. Möglicherweise hängen ja beide Sphären doch enger zusammen. Zumindest steht der Verdacht im Raum, der Außenminister könnte Beruf und Privates allzu sehr vermischt haben.
Ein Mann mit Geschäftssinn
Nimmt man die Definition über das Berufsleben auf, so ist der 43-jährige Mronz einer der erfolgreichsten Sporteventmanager Deutschlands. Schon als Kind soll er die Parkplätze am Elternhaus bei Spielen des 1. FC Köln vermietet haben, ein Geschäftssinn, der ihm später beim Vermarkten von Bandenwerbung und bei der Organisation von Tennisturnieren, Beachvolleyball-, Hockey- und Leichtathletikveranstaltungen - zuletzt der WM in Berlin - zugutekam. 2006 veranstaltete er die Reit-WM in Aachen, dies ohne selbst als Reiter sattelfest zu sein. Trotzdem gilt er seitdem unter der Hand als eine Art Franz Beckenbauer der Reiter, offiziell geehrt mit dem Titel "Sportmanager des Jahres 2006".
Mronz wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf. Die Mutter ist Galeristin, der Vater Architekt. Sein älterer Bruder, der Tennisprofi Alexander Mronz war der erste Freund, den Steffi Graf der Öffentlichkeit präsentierte. Den FDP-Vorsitzenden kannte der Absolvent eines Betriebswirtschaftsstudiums schon einige Jahre, als sie sich 2003 zufällig vor einem Restaurant trafen. Seither sind sie ein Paar.
Ein Jahr später machte Westerwelle die Beziehung und seine Homosexualität öffentlich: Zusammen erschienen sie beim 50. Geburtstag von CDU-Chefin Angela Merkel. Seitdem ist Mronz ein vertrauter Anblick an Westerwelles Seite geworden - zunächst übrigens noch als CDU-Mitglied, erst im Mai letzten Jahres wechselte er in die Partei seines Lebenspartners, ein Schritt, den er gegenüber dem Magazin "Bunte" mit den Worten kommentierte: "Drum prüfe, wer sich ewig bindet: nach 120 Reden des Parteivorsitzenden bin ich nun überzeugt."
Spröde Events zum Leuchten zu bringen wird als die besondere Fähigkeit des 43-Jährigen gerühmt, wobei ihm nicht nur seine guten Kontakte zur Unterhaltungsbranche zugutekommen, sondern eben auch die in die Politik, Wirtschaft. Und genau hier liegt das Problem. Die Mitreise des erfolgreichen Sportvermarkters in ein Land wie Brasilien, wo 2014 die Fußball-Weltmeisterschaft stattfindet und 2016 die Olympischen Sommerspiele, empfand nicht nur der frühere Außenstaatsminister Gernot Erler als "Gipfel der Unsensibilität".
Berufliche Anknüpfungspunkte liegen auf der Hand
Und Mronz, dem nachgesagt wird, aus allem ein Event machen zu können, stand plötzlich selbst im Mittelpunkt einer solchen politischen Erregungskunst. Auch frühere Außenminister haben ihre Partner auf Dienstreisen mitgenommen, erklärte der Sprecher des Auswärtigen Amtes. Neu jedoch ist zweifelsohne, dass mit Mronz ein Partner mitgereist ist, bei dem berufliche Anknüpfungspunkte auf der Hand liegen - anders als bei der Partnerin des früheren Außenministers Frank-Walter Steinmeier, einer für Asylsachen zuständigen Verwaltungsrichterin.
Auch wenn sich Mronz in Brasilien, wie beteuert, abseits offizieller Termine den Vergnügungen des klassischen Damenprogramms gewidmet haben soll - die Definitionsprobleme dessen, was an Vermischung von Privatem und Beruflichem politisch mit dem Amt seines Partners zu vereinbaren ist, werden beiden noch eine Weile zu schaffen machen.