| Zeitungsgruppe Stuttgart |Sonntag, 12. Februar 2012
Politik
Artikel weiterempfehlen

Westerwelle und Lebensgefährte Mronz Unterwegs in heiklen Sphären

Stefan Kister, vom 14.03.2010 14:50 Uhr
Außenminister Guido Westerwelle (links) und sein Lebensgefährte Michael Mronz. Foto: dpa
Außenminister Guido Westerwelle (links) und sein Lebensgefährte Michael Mronz. Foto: dpa
""Drum prüfe, wer sich ewig bindet: nach 120 Reden bin ich überzeugt.""
Michael Mronz über seinen Parteiwechsel zur FDP

Berlin - Er definiere sich über seinen Beruf und nicht über sein Privatleben, pflegt Michael Mronz die Fragen nach seinem Lebenspartner Guido Westerwelle abzublocken. Möglicherweise hängen ja beide Sphären doch enger zusammen. Zumindest steht der Verdacht im Raum, der Außenminister könnte Beruf und Privates allzu sehr vermischt haben.

Ein Mann mit Geschäftssinn


Nimmt man die Definition über das Berufsleben auf, so ist der 43-jährige Mronz einer der erfolgreichsten Sporteventmanager Deutschlands. Schon als Kind soll er die Parkplätze am Elternhaus bei Spielen des 1. FC Köln vermietet haben, ein Geschäftssinn, der ihm später beim Vermarkten von Bandenwerbung und bei der Organisation von Tennisturnieren, Beachvolleyball-, Hockey- und Leichtathletikveranstaltungen - zuletzt der WM in Berlin - zugutekam. 2006 veranstaltete er die Reit-WM in Aachen, dies ohne selbst als Reiter sattelfest zu sein. Trotzdem gilt er seitdem unter der Hand als eine Art Franz Beckenbauer der Reiter, offiziell geehrt mit dem Titel "Sportmanager des Jahres 2006".

Mronz wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf. Die Mutter ist Galeristin, der Vater Architekt. Sein älterer Bruder, der Tennisprofi Alexander Mronz war der erste Freund, den Steffi Graf der Öffentlichkeit präsentierte. Den FDP-Vorsitzenden kannte der Absolvent eines Betriebswirtschaftsstudiums schon einige Jahre, als sie sich 2003 zufällig vor einem Restaurant trafen. Seither sind sie ein Paar.

Ein Jahr später machte Westerwelle die Beziehung und seine Homosexualität öffentlich: Zusammen erschienen sie beim 50. Geburtstag von CDU-Chefin Angela Merkel. Seitdem ist Mronz ein vertrauter Anblick an Westerwelles Seite geworden - zunächst übrigens noch als CDU-Mitglied, erst im Mai letzten Jahres wechselte er in die Partei seines Lebenspartners, ein Schritt, den er gegenüber dem Magazin "Bunte" mit den Worten kommentierte: "Drum prüfe, wer sich ewig bindet: nach 120 Reden des Parteivorsitzenden bin ich nun überzeugt."

Spröde Events zum Leuchten zu bringen wird als die besondere Fähigkeit des 43-Jährigen gerühmt, wobei ihm nicht nur seine guten Kontakte zur Unterhaltungsbranche zugutekommen, sondern eben auch die in die Politik, Wirtschaft. Und genau hier liegt das Problem. Die Mitreise des erfolgreichen Sportvermarkters in ein Land wie Brasilien, wo 2014 die Fußball-Weltmeisterschaft stattfindet und 2016 die Olympischen Sommerspiele, empfand nicht nur der frühere Außenstaatsminister Gernot Erler als "Gipfel der Unsensibilität".

Berufliche Anknüpfungspunkte liegen auf der Hand


Und Mronz, dem nachgesagt wird, aus allem ein Event machen zu können, stand plötzlich selbst im Mittelpunkt einer solchen politischen Erregungskunst. Auch frühere Außenminister haben ihre Partner auf Dienstreisen mitgenommen, erklärte der Sprecher des Auswärtigen Amtes. Neu jedoch ist zweifelsohne, dass mit Mronz ein Partner mitgereist ist, bei dem berufliche Anknüpfungspunkte auf der Hand liegen - anders als bei der Partnerin des früheren Außenministers Frank-Walter Steinmeier, einer für Asylsachen zuständigen Verwaltungsrichterin.

Auch wenn sich Mronz in Brasilien, wie beteuert, abseits offizieller Termine den Vergnügungen des klassischen Damenprogramms gewidmet haben soll - die Definitionsprobleme dessen, was an Vermischung von Privatem und Beruflichem politisch mit dem Amt seines Partners zu vereinbaren ist, werden beiden noch eine Weile zu schaffen machen.
Weitere Artikel
Kommentare (9)
Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
MRZ
15
13:12 Uhr, geschrieben von Michelle
Trotziger, unreifer Halbstarker, aber Außen-Mini-St[i]er.
Vorauszuschicken ist: Statt von Erkenntnis und Argumentation lebt der neoliberale Politdiskurs spätestens seit der „Ruck-Rede“ von Roman Herzog allein vom Ressentiment. Von einer Verachtung der Bevölkerung, die sich noch immer nicht den Wonnen der „Globalisierung“ klaglos hingeben mag, währenddessen andere abzocken. Deshalb werden diese Menschen auch von Wild-Westerwelle und Co. in bewusster Verkehrung der Zielgruppe als Ewiggestrige, Besitzstandswahrer, Faulenzer, Sozialbetrüger, Parasiten und sogar als Parallelgesellschaften gnadenlos beschimft. Die richtigen Adressaten aber klammert er demagogisch aus! Denn diese gehören ja zu ihm und sind sein Klientel. Dies ist auch der gewollte Irrweg des Außenministers Westerwelle. Der FDP-Chef sucht sein Heil in Polarisierung, obwohl sein öffentliches Amt diplomatische Zurückhaltung erfordert. Jede/r kann deutlich sehen: dieser Außenminister verhält sich trotzig wie ein unreifer Halbstarker, der in der politischen Arena herum torkelt wie ein aufgereizter Stier vor dem tödlichen Degenstich anderer halbreifer Machos in der FDP.
MRZ
14
21:04 Uhr, geschrieben von zobi
ragnaroekr
sie scheinen der lothar matthäus der forenschreiber zu sein, der redete auch in dritter person von sich, und es kam auch selten was brauchbares raus!!!, Griechenland wurde von den Konserativen in den Abgrund gerissen, die Sozialisten haben die Regierung vor 3 Monaten übernommen, die Konserativen haben dort die letzten 10 Jahre regiert, und die waren in Klientelpolitik so geübt wie unsere Schwarz-Geld Koalition, der Westerwelle hetzt munter gegen die Schwachen, aber wenn er kritisiert wird, dann ist es demokratiegefährdend, das ist nur noch Geschrei was er abliefert, wann fängt die Mimose endlich an zu regieren !!!, das soll ein bürgerlicher Politiker sein ? Nun ja, die Reisegruppe bestand ja aus lauter Eventmanagern, das zeigt dann die Wirtschaftskompetenz, die die FDP und ihre Spitzenpolitiker Brüderle, Niebel und Westerwelle represäntieren, nun ja der Mann hat immerhin 22 Semester gebraucht um sein Studium zu beenden, lg aus Stuttgart
MRZ
14
16:10 Uhr, geschrieben von HK L
WW
Die Sympathie, die WW bei mir durch seine klaren und notwendigen Worte zu unserem Sozialstaat erworben hat, ist durch seine widerwärtige Klientelpolitik wieder auf dem Nullpunkt. Ich vermisse die Große Koalition.
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  3
nächste
Anzeige
Aktuelle Videos
 
Nachrichten-Ticker
17:30 Nullnummer hilft weder Augsburg noch Nürnberg »
17:25 Hitzige Debatte über Sparpaket in Athen »
17:22 Sarkozy will Akw-Laufzeiten auf mehr als 40 Jahre verlängern »
17:18 Gedenken an die Opfer der "Costa Concordia" in Rom »
17:13 Iberia streicht wegen Streiks 126 Flüge »
1   2   3   4   5   6   7   weiter
 
StZ digital
Stuttgarter Zeitung digital
Die gedruckten Ausgaben im Originallayout.

 
 
ePress App
Genießen Sie Ihre Stuttgarter Zeitung auch auf dem iPad.
 
 
Abonnement-Prämien
Werben Sie einen Freund als Abonnent der Stuttgarter Zeitung. Für jede Empfehlung erhalten Sie eine Prämie aus unserem Shop.
Abonnement