Wettbewerb Im Laufschritt zum Mercedes-Stern

Von  

Der Stuttgarter Bahnhofsturm ist erstmals Schauplatz eines Treppenlaufs – mit prominenter Beteiligung. Thomas Dold, siebenfacher Sieger des Empire-State-Building-Run, macht das Zugpferd.

Thomas Dold nimmt schon mal die Treppen auf den Bahnhofsturm bei einem Trainingslauf in Augenschein. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Thomas Dold nimmt schon mal die Treppen auf den Bahnhofsturm bei einem Trainingslauf in Augenschein.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Der Weg zu den Sternen ist in Stuttgart kurz. Gerade mal 58 Meter sind es vom Bahnhofsvorplatz hinauf zum Mercedes-Stern, der sich über dem Turm des Bonatzbaus dreht. Wer Geduld hat, wartet auf einen der beiden gemächlich verkehrenden Aufzüge, wer Kraft in den Oberschenkeln hat, nimmt sich die 314 Stufen vor – und wer mit sportlichem Ehrgeiz ausgestattet ist, startet auf eben jenen Stiegen am 12. März zum ersten Treppenlauf hinauf auf die Turmspitze.

Die Vorhut der Himmelsstürmer macht dabei einer, der in der Szene der Treppenläufer einen guten Namen hat: Thomas Dold, vormals Student an der Universität Hohenheim und mittlerweile siebenfacher Sieger bei der Hatz aufs Empire State Building. Verglichen mit den in New York zu überwindenden 320 Höhenmetern ist die Aufgabe in Stuttgart nur eine Sprintdistanz – aber eine, die es in sich hat. „Hier werden besondere Bedienungen geboten“, sagt der 31-Jährige. Denn Läufe auf Wendeltreppen sind auch für den erfahrenen Athleten etwas Neues. „Die Fliehkräfte sind nicht zu unterschätzen“, sagt er nach ersten Testläufen. Dass just an der Innenseite der gerade einmal einen Meter breiten Stufen ein Geländer fehlt, macht die Sache nicht leichter. An solchen Handläufen findet Dold Halt – etwa beim Lauf auf den Stuttgarter Fernsehturm, der übrigens keine Wendeltreppe hat. Dold hält mit 4 Minuten und 5 Sekunden beim Treppenlauf auf den Fernsehturm den Rekord.

Das enge Treppenhaus stellt besondere Herausforderungen

Das Treppenhaus im Bahnhofsturm ist eng, deshalb bekommt man als Läufer einen Drehwurm. Dagegen Dold noch kein Rezept. „Das macht es aber um so wichtiger, dass man die ganze Zeit sehr konzentriert bleibt. Das auch, weil man ja nicht sehr weit voraussehen kann“. Die Strecke stelle jedenfalls besondere Herausforderungen an die Koordinationsfähigkeit.

Wie es um die bei den Startern bestellt ist, zeigt sich beim Wettbewerb. Dann machen sich jeweils zwei Sportler parallel in den beiden identischen Treppenhäusern an den Aufstieg. Auf allen Ebenen sind Sanitäter für den Notfall postiert. Lichtschranken registrieren die Laufzeit. Die drei schnellsten jeder Kategorie gewinnen Gutscheine eines Sportartikelgeschäfts – und eine Besichtigung der Maschine, die den Fildertunnel bei Stuttgart 21 bohrt. Denn Veranstalter ist das Turmforum, das mit einer Ausstellung für den Umbau des Bahnknotens wirbt. „Treppenläufe werden immer beliebter. So können wir auf ganz andere Art und Weise für unsere Ausstellung werben“, sagt Tanja Sehner vom Turmforum. Die Disziplin eigne sich als Mannschaftssport. So hat das Damenteam des Stuttgarter Rugbyclubs vor, seine Antrittsschnelligkeit an dem Samstag unter Beweis zu stellen.

Spurtstarke sind im Vorteil

„Jemand aus schnellen Sportarten kann Vorteile haben“, sagt Dold, der eher auf der langen Strecke zu Hause ist, wenn er nicht gerade Treppen steigt. Der Vortragsredner ist auch Trainer und Manager der beiden derzeit schnellsten Marathonläuferinnen Deutschlands, Anna und Lisa Hahner. Mit den Zwillingen war er zuletzt im Trainingslager und fühlt sich also für den Auftritt in Stuttgart gerüstet. Dass er bei der Siegerehrung sich selbst beglückwünschen kann, hält Dold noch längst nicht für ausgemacht. Immerhin: Gefragt nach einer möglichen Siegerzeit lässt er sich eine Prognose entlocken. Dazu bemüht er die unter Treppenläufern gängige Faustformel: Anzahl der Stufen geteilt durch vier, zuzüglich erste und letzte Meter. Nach 1:45 Minuten will Dold spätestens beim Mercedes-Stern sein.

  Artikel teilen
1 Kommentar Kommentar schreiben

Lustig: was sich die Leute alles einfallen lassen um ihr Stuttgart abhängendes unwirtschaftliches Kellerbahnhofprojekt zu bewerben.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt.