Wichtelpark Fasanenhof Experimente mit Seifenblasen

Von Ina Schäfer 

Die Kindertagesstätte Wichtelpark hat in der vergangenen Woche das Prädikat „Haus der kleinen Forscher“ erhalten.

  Foto: Ina Schäfer
  Foto: Ina Schäfer

Fasanenhof - „Heute sprudelt es nicht so“, sagt Erzieherin Wiebke Deffke und schaut auf die vier Jungs, die vor ihr am Tisch sitzen. „Wisst ihr wo man das im Alltag sehen kann?“ wagt sie den nächsten Versuch. Doch das einzige, was die Kinder im Moment wissen, ist, dass die Seifenlösung in den kleinen braunen Schalen blubbert, wenn sie mit einem Strohhalm Luft hineinpusten. Und dass die Seifenblasen dann immer größer werden. Mehr interessiert Raffael, Silvio, Felix und Louis auch nicht. Lieber wollen sie noch mehr Pustefix im Wasser haben, um noch größere Seifenblasen machen zu können.

Wiebke Deffke ist nicht böse, dass die Kinder da keine Zeit für ihre Fragen haben und auch nicht, dass die geplatzten Seifenblasen eine große Pfütze auf dem Tisch bilden. „Die sind gerade so fasziniert“, sagt sie und ergänzt: „Das ist viel wichtiger, darauf kann man später aufbauen.“ Wiebke Deffke ist Erzieherin im Wichtelpark auf dem Fasanenhof. Die Kindertagesstätte hat vergangene Woche das Prädikat „Haus der kleinen Forscher“ erhalten und das war hauptsächlich Deffkes Verdienst. Nach einem Infoabend der Industrie- und Handelskammer (IHK) hat die Erzieherin Workshops besucht, die sie darauf vorbereiteten, zusammen mit Kindern zu experimentieren.

Sicherheitsvorschriften sind vorgegeben

Mindestens einmal die Woche fragt Deffke die Kinder, wer Lust hat mit zu machen und dann geht es hoch in den ersten Stock. Dort hat man ein kleines Forscher-Zimmer eingerichtet mit allerhand Utensilien, die zum Teil von der IHK gestellt werden und zum anderen Teil Alltagsgegenstände sind, die Deffke selbst zusammengesucht hat. „Kinder sind mit ganz wenig schon zu begeistern“, sagt sie. Vor allem wenn man mit Alltäglichem experimentiere, seien die Jungen und Mädchen ganz fasziniert. Das einzige, was Deffke den Kindern bei den Experimenten vorgibt, sind die Sicherheitsvorschriften. Die stehen auf einem Plakat, das an der Wand hängt und das immer wieder vor dem Forschen vorgelesen wird. Außerdem tragen die Kleinen Schutzkleidung und weiße Kittel, genau wie echte Forscher.

Alles andere steht den Kindern aber frei. Auch heute hat Deffke lediglich die Utensilien auf den Tisch gelegt: Jeder bekam eine Schale, gefüllt mit Wasser und Pustefix, eine Plastikpipette, eine Lupe und einen Strohhalm. „Es ist wichtig, dass die Kinder selbst ausprobieren, wie etwas funktioniert“, sagt die Erzieherin. Sie ergänzt: „Und meistens wissen sie das ganz intuitiv.“ Das fördere den Lernprozess, außerdem mache es die Kinder stolz, wenn sie etwas allein erarbeiten können.

Man schreitet nicht gleich ein

Durch die Experimente hätte sich im ganzen Haus etwas getan, sagt die Leiterin des Wichtelparks, Dagmar Ben Yagoub. „Wir sind in vielem entspannter geworden“, sagt sie. Heute schreite man nicht gleich ein, wenn die ganze Schar nach dem Mittagessen auf die Idee komme, ihre Vesperdosen aufeinander zu stapeln. „Früher hätte man da schnell gesagt: Hört auf, das macht Krach“, sagt sie. Heute lasse man die Kinder einfach mal machen und dann entstünden tolle Sachen.

Die IHK hat das Projekt initiiert, um naturwissenschaftliche und technische Begabungen bei Kindern frühzeitig zu fördern. Der Forschergeist wird tatsächlich geweckt. „Bei Mädchen wie bei Jungs“, sagt Ben Yagoub. Das ist aber noch lange nicht alles: Ebenso werden soziale und sprachliche Kompetenzen gefördert. Die Kinder schauen, was die anderen machen, helfen einander und lernen gleichzeitig neue Wörter kennen.

Heute können sich die kleinen Forscher erst nach einer Stunde von ihren Seifenblasen trennen. Warum es in Louis Teller besonders geblubbert hat, wird beim folgenden Frühstück aber noch eifrig diskutiert.