Widerstand gegen Sanierungspläne der Stadtverwaltung Streit um Sporthalle am Daimler-Gymnasium

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Wie viele Sportstätten braucht Bad Cannstatt? Mit ihrem Vorschlag, die Sporthalle am Daimler-Gymnasium nur zu sanieren statt zu erweitern, hat die Stuttgarter Schulbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU) im Schulbeirat Gegenwind bekommen.

Die Schulbürgermeisterin wird für ihren Vorschlag, die Sporthalle am GDG nicht auszubauen, im Schulbeirat kritisiert. Foto: Achim Zweygarth
Die Schulbürgermeisterin wird für ihren Vorschlag, die Sporthalle am GDG nicht auszubauen, im Schulbeirat kritisiert.Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Viel Gegenwind hat Schulbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU) am Dienstag im Schulbeirat für ihren Vorschlag erhalten, die marode Turnhalle am Gottlieb-Daimler-Gymnasium (GDG) in Bad Cannstatt jetzt nur noch für 1,6 Millionen Euro zu sanieren, statt sie gleich auszubauen.

Die Verwaltung sei von ihrem ursprünglichen Vorschlag des Ausbaus abgerückt, nachdem der Gemeinderat sich für eine zwei- statt nur einteilige Halle an der Eichendorffschule entschieden habe, erklärte Eisenmann. Schließlich nehme man jetzt dafür vier Millionen Euro mehr in die Hand, und insgesamt sei somit der Bedarf an Sportstätten in Bad Cannstatt rechts des Neckars gedeckt – auch wenn am GDG somit ein geringer Fehlbedarf bleibe und ein Teil der Schüler zum Sport an die Eichendorffschule pendeln muss. „Der Sportstättenbedarf der Schulen orientiert sich am Bildungsplan“, versicherte Eisenmann. Würde man zusätzlich jetzt auch am Daimler-Gymnasium noch die Halle vergrößern, wäre es eine Überdeckung, argumentierte die Schul- und Sportbürgermeisterin. „Und das würde dazu führen, dass andere Sanierungsprojekte um zwei, drei Jahre verschoben werden müssten.“

Pädagogin: Ganztagskinder brauchen mehr Bewegung

Doch ihre Argumente überzeugten die Mitglieder des Schulbeirats offenkundig nicht. Ganz offensiv bat Barbara Graf, die Geschäftsführende Leiterin der Stuttgarter Gymnasien, die Stadträte, der Beschlussvorlage nicht zuzustimmen. Schließlich sei im Vorschlag der Verwaltung nicht berücksichtigt, dass auch der Ganztagsbereich der weiterführenden Schulen immer stärker ausgebaut werde – „und für die braucht man mehr Bewegung“, so Graf. Das sei im Bedarf an Sportstätten „null berücksichtigt worden“, sagte die Pädagogin. „Da müssen wir ein Stück weit anders rechnen“, forderte sie – schließlich habe die Stadt das beim Thema Inklusion und naturwissenschaftliche Fachräume auch gemacht. Auch die Tatsache, dass das GDG zudem nur eine „nicht normgerechte Sporthalle“ habe, mit ein Drittel weniger Platz, das sei im Blick auf volle Klassen mit 30 Schülern und Kindern, die zunehmend Probleme mit der Motorik hätten, nicht angemessen.

Eisenmann konterte: „Ihre Unterstellung ist falsch.“ Der Ganztag sei bereits durch einen räumlichen Puffer von 20 Prozent mit eingerechnet. Doch auch ihr Parteifreund Fred-Jürgen Stradinger mochte ihr nicht folgen. Gerade ein Gymnasium mit Sportprofil brauche doch eine normgerechte Halle, in der auch Geräteturnen oder Ballspiel möglich sei und nicht nur Tai Chi oder Yoga. Konter Eisenmann: „Normgerecht ist für den Wettkampfsport verbindlich, aber nicht für den Schulsport.“ Marita Gröger (SPD) bezweifelte, dass für die heruntergekommene Halle überhaupt eine Sanierung angemessen sei.

Elternvertreterin verweist auf Zunahme der Schülerzahl

Sabine Wassmer, die Vorsitzende des Gesamtelternbeirats der Schulen, gab zudem zu bedenken, dass man ja gerade auch in Bad Cannstatt mit einem zusätzlichen Schüleraufkommen rechnen müsse und ein Hallenbau ja nichts sei, was man jedes Jahr mache. Doch auch dieses Thema habe die Verwaltung bei der Planung im Auge gehabt, versicherte Eisenmann. Schließlich sei ja zudem auch eine neue Schule am Neckarpark geplant, und die werde natürlich auch eine Sporthalle bekommen.

Mit dem emotional diskutierten Thema wird sich am 6. April auch der Bezirksbeirat Bad Cannstatt befassen. Am 12. April berät dann der Technikausschuss darüber und am 13. April beschließt der Verwaltungsausschuss darüber.