Wiederaufbereitung
Brennstoff für Chinas neue Meiler
Ralf Nestler,
10.01.2011 13:23 Uhr
China will bereits genutzte Brennelemente erneut aufbereiten und wiederverwerten. Foto: dpa
""Man muss immer abwägen, ob Kosten und Nutzen in einem guten Verhältnis stehen.""
Kurt Kugeler, Kerntechniker, zur Wiederaufbereitung
"Diese Zahl kommt mir bekannt vor", sagt Kurt Kugeler, der an der Technischen Hochschule Aachen jahrelang den Lehrstuhl für Reaktortechnik leitete. Es sei aber eine theoretische: "Wenn man ausgediente Brennstäbe immer wieder aufarbeitet und das spaltbare Material herausholt, kann man rechnerisch 60-mal so viel Energie aus Uran gewinnen", sagt er. Doch das sei sehr aufwendig - vor allem am Ende der Aufbereitungskette. "Man muss immer abwägen, ob Kosten und Nutzen in einem guten Verhältnis stehen."
Keine Details bekannt
Ob die Relation beim chinesischen Verfahren anders aussieht als bei den Techniken, die beispielsweise in Frankreich, Großbritannien, Russland oder Japan genutzt werden, ist offen. Technische Details wurden nicht veröffentlicht, auch nicht ein Zeitplan dafür, wann das neue Verfahren im industriellen Maßstab eingesetzt wird.
Prinzipiell ist für Kernkraftwerke nur Uran der Sorte 235 wichtig, weil nur dieses spaltbar ist. Im natürlichen Erz hat es einen Anteil von 0,7 Prozent, der Rest ist Uran-238. Mit aufwendiger Anreicherung wird der Anteil von Uran-235 für die Brennelemente der Kraftwerke auf rund vier Prozent erhöht. Abgebrannte Brennstäbe enthalten immer noch einen gewissen Teil Uran-235, den man in der Wiederaufbereitung herausholen kann. Zudem ist im Kernreaktor aus dem nutzlosen Uran-238 des Brennelements teilweise Plutonium entstanden, was die Aufbereitung zusätzlich lohnend macht. Denn Plutonium kann ebenfalls für neue Brennstäbe eingesetzt werden - und für Waffen.
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Wer handelt klüger: China oder der teutsche Michel?
Also, da hat eine (inzwischen verflossene ...) deutsche Regierung mit grünem 5%-Saum beschlossen, dass "abgebrannte" Kernbrennelemente gefälligst wegzuwerfen seien (egal, wieviel höchst wertvolle Energie noch drin stecken mag). Und das in einem Land, in dem jeder - pardon! - kreuzdämliche Joghurtbecher sorglichst gespült und 'wiederaufgearbeitet' wird... Dort, in China, geht eine höchst kühl und rational planende Regierung daran, nicht nur binnen zwei Jahrzehnten die unglaubliche Kapazität von sage und schreibe 100.000 Megawatt an Kernkraftwerken aus dem Boden zu stampfen, sondern auch alle benötigten Techniken für die Brennstoffver- und -entsorgung: - Urangewinnung, -anreicherung - Brennelementfertigung - Wiederaufarbeitung - Brut- und Hochtemperaturreaktortechnik systematisch und nach präzisem Plan im Land aufzubauen. Wer, frage ich, handelt wohl weitsichtiger - also klüger...?!