Wiederveröffentlichung von Adolf Hitlers Hetzschrift Wie geht der Handel mit „Mein Kampf“ um?

Von Jürgen Löhle 

Nach 70 Jahren kommt Adolf Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“ wieder auf den Markt – aber nicht in die Auslagen der Buchläden in Stuttgart. Bestellt werden kann das Werk aber.

Die Stuttgarter Buchhändler werden die verquere Hetzschrift von Adolf Hitler nicht ausstellen. Foto: AFP
Die Stuttgarter Buchhändler werden die verquere Hetzschrift von Adolf Hitler nicht ausstellen.Foto: AFP

Stuttgart - Exakt 70 Jahre war das Publizieren von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ in Deutschland verboten. Das ist vorbei. Seit diesem Jahr kann man die Hetzschrift nun wieder frisch gedruckt kaufen – allerdings in einer kommentierten Version. Diese neue Situation ist entstanden, weil mit Ende des Jahres 2015 die Urheberrechte für die Schrift ausgelaufen sind. Diese lagen beim Freistaat Bayern, der den Nachdruck bisher verhindert hat.

Die Propagandaschrift war allerdings immer relativ einfach über den Online-Handel zu beziehen. Die Nachdrucke kommen aus den USA oder aus Großbritannien, wo das Urheberrecht Bayerns nicht greift, weil der nationalsozialistische Eher Verlag diese Rechte bereits in den 1930er Jahren an dortige Verlage verkauft hat. Auch hierzulande gab es das Buch immer in antiquarischer Form, und der reine Besitz ist auch nicht strafbar, lediglich die Publikation.

Die Wiederveröffentlichung ist kommentiert

Die jetzt in den Handel kommende Neuauflage ist kein einfacher Nachdruck der erstmals 1925 publizierten Propagandaschrift, sondern eine kommentierte Version. Unter der Leitung des in Tübingen geborenen Militärhistorikers Christian Hartmann entstand eine mit Kommentaren gespickte Neuauflage, die Hitlers verquere Gedankenwelt einordnen will. Das knapp 2000 Seiten dicke Buch wird vom Institut für Zeitgeschichte in München und Berlin herausgegeben und ist nach dem Jahreswechsel zum Preis von 59 Euro im Handel.

Allein der Preis wird verhindern, dass sich diese „kritische Edition“, so der Untertitel, zum Verkaufsmagneten entwickelt. Trotzdem geht der Buchhandel auf Distanz zum Buch. Der Onlinehändler Amazon will alle Einnahmen aus dem Verkauf an die Stiftung EVS weiterleiten, die an die Opfer nationalsozialistischen Unrechts erinnert.

Auf Wunsch kann das Buch bestellt werden

Die Buchhandlung Wittwer wird das Buch nicht in ihren Auslagen präsentieren. Bestellen wird man es aber können. Ähnlich geht man mit dem Fall auch bei Osiander um. Heinrich Riethmöller aus der Geschäftsleitung des Tübinger Buchhändlers findet es aber richtig, „dass nach 70 Jahren der Text in einer kommentierten Version zugänglich ist.“ Es gebe schließlich ein historisches Interesse daran, nachlesen zu können, wie sich Hitler seine Gedankenwelt zusammengebaut hat. Osiander hat auch schon einige Vorbestellungen.

Riethmöller vermutet dahinter aber zeithistorisches Interesse. „Rechte Dumpfbacken habe ich in unseren Filialen noch nicht gesehen“, sagte er. Auch bei Weltbild wird man mit dem Buch nach dem Muster der anderen umgehen. Eine Sprecherin sagt: „Wir werden das Buch nicht aktiv bewerben und nicht gesondert in unseren Filialen präsentieren.“ Diesem Tenor schließen sich auch familiengeführte Buchläden an. Zum Beispiel die Buchhandlung Ebert in Möhringen. Inhaber Uwe Ebert sagt: „Wir haben aber kein einziges Buch im Laden. Das passt nicht zu uns.“

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13 KommentareKommentar schreiben

Absolut richtig: das Buch sollte eher subventioniert werden. Jeder muss sich selbst ein Urteil bilden können. Und zwar nicht um 59,90. Ehrlich gesagt, habe ich das Buch nie gelesen, aber es sollte deutsche Pflichtlektüre sein. Totschweigen ist sicher der falsche Weg. Vielleicht lese ich es jetzt endlich, wenn es geht unkommentiert. Ich würde mir dann anmaßen, mir selbst ein Urteil zu bilden, obwohl ich ein totaler Idiot bin und dringend Nachhilfe von Historikern brauche.

„Mein K(r)ampf“: die ,, Mao-Bibel,, , das ,,Kapital,, oder sonstige Niederschriften von mehr oder weniger ehemaligen ,, Gestörten ,, , ignorieren oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Kein Verbot, keine Gesetz, keine gesellschaftliche Ächtung, kann verhindern , dass sich die Vergangenheit nicht , auf andere Weise und mit anderen Mustern, wiederholt. Ein Beispiel : Militärische Konflikte, territorial begrenzt oder global ausufernd, konnten niemals im Verlauf der Menschheitsgeschichte dadurch verhindert werden, dass jedem Individuum eigentlich klar war, dass militärische Auseinandersetzungen keine Problemlösungen waren. Keine Verbote, Verträge, Abkommen oder gesellschaftlichen Ächtungen konnten die Welt dauerhaft befrieden. Gewalt jeglicher Form ist ein menschliches Attribut . Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, selbst wenn alles verboten , zensiert oder verbannt wird, was zu Hass und Gewalt durch mediale Publikationen verleiten kann, denn der menschliche, individuelle Intellekt ist labil, offen für Beeinflussungen und manipulierbar : Ein unberechenbares , menschliches Attribut. Der menschliche Geist, einzigartig, genial,unberechenbar, unvollkommen, abartig, zerstörerisch, grausam. Die von mir erwähnte politische ,, Literatur,, ist nur eine Facette der geistigen Stimulanzen, denen wir ausgesetzt sind, sein können. Ob es dazu kommt , liegt bei jedem einzelnen von uns selbst.

Man wird Ihnen - leider - in vielem zustimmen müssen,: in einem Punkt aber erhebe ich Einspruch, dagegen nämlich, dass Sie "Das Kapital" von Karl Marx (das meinten Sie doch, oder irre ich mich?) in einem Atemzug mit "Mein K(r)ampf" und der "Mao-Bibel" nennen, handelt es sich bei Marxens "Kapital" doch immerhin um eine fachliche, einer ernsthaften Diskussion wert und würdigen Auseinandersetzung auf hohem intellektuellem Niveau.

mein kampf: verstehe die Aufregung nicht. Hitler gehört zu Deutschland, wie eine Merkel, ein Goethe, BMW und vieles andere mehr. wer der Buch lesen will, kann es sich schon längst überall besorgen.

hitler: ich finde das gegenteil richtig. "mein krampf" müsste mit vorgehender erklärung und klarem aufzeigen der idiotischen gedanken adolfs in allen buchläden zu kaufen sein.

Hitler:: Ich finde es auf das Äußerste erschreckend, dass dieses Buch nun noch mehr Lesern zugänglich gemacht wird und verurteile die Buchhändler und Buchhandlungen, die dazu beitragen, das Buch auf einfache Art und Weise (Bestellung) zu bekommen. Das wird nicht dadurch besser, dass das Buch "nicht aktiv beworben" wird, nicht in den Auslagen steht oder mit schlauen Kommentierungen versehen ist. Deutschland wird oft genug an seine Gräueltaten erinnert (und bezahlt noch heute dafür), so dass diese Veröffentlichung vollkommen überflüssig ist. Auch wenn der Preis kein Schnäppchen ist, wird das für Leute, die ihre eigene Interpretation haben, kein Hindernis sein.

Adi's Buch: Hallo Frau Pflüger, wenn Sie eine echte Demokratin wären sollte Sie eher erschrecken das es eine Kommentierte Form ist und man Sie/uns somit wieder zu dumm hält das gelesene selbst einzuordnen –entmündigt? Wäre das das richtige Wort? Ich denke so etwas gibt es nur in Diktaturen. Werden den alle Amis und Briten NSDAP Anhänger, weil es bei Ihnen nicht verboten ist? Für Geschichtsinteressierte die nicht selbst recherchieren wollen oder zeitlich können ist es sicherlich eine gute Variante. Aber wie Sie dem Text entnehmen konnten, war das Buch schon immer verfügbar, im Ausland konnte man es sich „besorgen“ und sicher bei Google als PDF downloaden. – also wers Lesen wollte hats schon getan und kauft sich also ganz sicher keine Kommentierte Form. Aber soweit ich mich an meinen „Geschichtsunterricht“ erinnern kann, hat das Buch in den 30ern ohnehin kaum jemand gelesen – die Menschen hatten wohl was anderes zu tun, genau wie heute. Und selbst wenn hätte es nichts geändert. Das können Sie in der heutigen und Politikverdrossenheit der Bürger sehen. Das Staatsfernsehen ist erst nach 22 Uhr hilfreich, um sich politisch zu bilden, aber da schlafen die Wahlschäfchen schon – was wiederum bedeutet wenn die Regierung wieder illegale Angriffskriege befiehlt und Gesetze bricht (Merkel Asylrecht/Europarecht), interessiert’s doch nur einen kleinen Linken Haufen der immer aufschreit, welchen die Mehrheit der Bevölkerung ohnehin nur belächelt. Geschichte wiederholt sich. Oder diejenigen die als Nazis betitelt werden. Ich empfehle Ihnen übrigens bei Youtube: „Serdar Somuncu zu Hitler´s `Mein Kampf´“ einzugeben. Keine Angst das ist keine Hetze eines islamischen Fundamentalisten – ist eine Anne Will Sendung. Übrigens hat Geert Wilders, soweit das durch unsere Presse korrekt wiedergegeben ist, an einem Niederländischen Gericht erstritten, das der Koran mit Mein Kampf gleichzusetzen ist. Was das Gericht bejaht hat. Möchten Sie den auch verbieten? Oder Kommentieren? Für 59,99 € mit Buchbindungspreis verkaufen? Und warum kam darüber nichts in den Stuttgarter Nachrichten? Oder kam es? Man weiß es nicht. Sie können es aber auf dieZeit nachlesen. Schönes Wochenende. MfG Christian Behling PS: Fernseher aus, Kopf an.

Mein Kampf:: Wenn Sie anderer Meinung sind, rechtfertigt das noch lange nicht Ihre unverschämte Äußerung "Fernseher aus, Kopf an". Unnötig wie ein Kropf. Im Übrigen bin ich eine "echte Demokratin".

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