Wildkatzen Auf die Schliche kommen
Roland Knauer, 02.02.2010 07:08 Uhr
 Foto: dpa
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Hainich - Nichts regt sich im dichten Gebüsch am Waldrand im Nationalpark Hainich im Westen Thüringens. Als dann aber eine Rötelmaus direkt vor dem Dickicht über den Boden huscht, schießt ein grau getigerter Schatten aus dem Dickicht – und schon ist es um die Maus geschehen. Allerdings holt sich hier nicht ein streunender Hauskater ein Zubrot, sondern eine Wildkatze sichert sich ihren Lebensunterhalt. Sie mag zwar aussehen wie ein Stubentiger, gehört aber zu einer völlig anderen Katzen-Unterart, die als europäischer Ureinwohner gilt: Während die Wildkatze in Mitteleuropa wohl seit einer Million Jahre durch die Wälder pirscht, kam die Hauskatze erst mit den Römern vor zweitausend Jahren über die Alpen.

Wildkatzen leben versteckt


In Mitteleuropa gibt es mehrere Millionen Hauskatzen, die Zahl der Wildkatzen lässt sich hingegen nur vage schätzen. Thomas Mölich, Spezialist für mitteleuropäische Raubtiere, glaubt, dass einige Tausend durch die Bundesrepublik streichen. Auch am Kaiserstuhl und im Nordschwarzwald wurden Wildkatzen nachgewiesen. Genauere Zahlen gibt es aber nicht, weil die Tiere sehr versteckt leben. Daher versucht Mölich im Auftrag der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und anderer Organisationen, seit einigen Jahren Licht in das Leben der Wildkatzen zu bringen.

Dabei konzentriert sich der freiberuflich tätige Biologe vor allem auf den Hainich. Dieser Nationalpark mit seinen Buchenwäldern und dem Totholz auf dem Boden ähnelt nämlich noch ein wenig dem Urwald, durch den die Wildkatze schon vor 2000 Jahren im alten Germanien schlich. Im Randbereich des zu Zeiten der DDR hermetisch von der Außenwelt abriegelten Sperrgebietes durften umgestürzte Bäume am Waldboden liegen bleiben.

Wie sieht der Alltag einer Wildkatze aus?


Mit einiger Mühe fing Thomas Mölich in dieser Wildnis neun Wildkatzen und bewies damit zunächst einmal, dass Felis silvestris noch durch den Nationalpark Hainich schleicht. Mit kleinen Sendern an Halsbändern ließ der Forscher die gefangenen Tiere wieder frei und verfolgte mit Hilfe von Peilantennen die Signale und damit die Wege des einzelnen Tieres. So erfuhr der Forscher eine ganze Menge über den Wildkatzenalltag.

Felis silvestris ist demnach ein echter Waldbewohner und trägt daher auch seinen Zweitnamen "Waldkatze" zu Recht. Weiter als 200 Meter entfernen sich die Wildkatzen des Hainich jedenfalls nicht vom Waldrand. Dort geben ihnen viele Büsche Deckung, aus der sie kleinen Nagetieren auflauern, die vor dem Dickicht über das freie Feld flitzen. In dichten Weiß- oder Schwarzdornhecken verbringt die Katze gern den Tag, hat Thomas Mölich beobachtet. Selbst wenn in drei Meter Entfernung Spaziergänger vorbeikommen, lässt die Katze das kalt. Nur freilaufende Hunde schrecken sie auf.

Wenn die Förster im Wirtschaftswald Büsche und totes Holz entfernen, fühlt sich die Wildkatze nicht sonderlich wohl. Schließlich bilden die Wurzelstöcke von Bäumen, die ein Sturm umgeworfen hat, kleine Höhlen, in denen die Wildkatze ihre Jungen bekommen kann. „Dort sind die Kätzchen vor den Augen hungriger Füchse, Marder oder Eulen geschützt“, erklärt der ZGF-Spezialist Wolfgang Fremuth. Weil sich die Förster zunehmend vom Leitbild des "aufgeräumten Forstes" verabschieden und Totholz liegen lassen, sollte also auch die Wildkatze wieder leichter eine Kinderstube finden.

Genetischer Fingerabdruck einer Wildkatze


Ob sich die Mäusefänger in der Natur aber an diese Theorie halten, muss erst noch untersucht werden. Dazu muss man die scheuen Wildkatzen nicht nur zählen, sondern auch von streunenden Hauskatzen unterscheiden können. Dabei hilft die moderne Genetik: Die Wildkatzen werden mit Baldrian zu einem Holzpflock gelockt, reiben sich an diesem und hinterlassen dabei Haare. Von diesen wird ein genetischer Fingerabdruck erstellt, der die Biologen über das Geschlecht und die Verwandtschaftsverhältnisse aufklärt.

Durch die Analyse von mehr als 250 Haarproben haben die Forscher herausgefunden, dass es in Deutschland mindestens zwei Gruppen von Wildkatzen gibt, deren Erbgut sich unterscheidet. Die Westpopulation lebt im Pfälzer Wald, der Eifel und dem westlichen Taunus. Die mitteldeutsche Population schleicht dagegen durch die nördlichen Mittelgebirge wie Harz, Solling, Kyffhäuser und Hainich. In der norddeutschen Tiefebene, dem Osten der Republik sowie in vielen süddeutschen Mittelgebirgen wurden dagegen bisher nur wenige Wildkatzen nachgewiesen. Und in höheren Lagen ab etwa 600 Metern über dem Meeresspiegel verbirgt im Winter wohl zu häufig eine hohe Schneedecke die darunter umherlaufenden kleinen Nagetiere vor den Augen der Wildkatze.

Wildkatzen mögen keine Straßen


"Zwischen den beiden bekannten Populationen klafft in Hessen eine breite Lücke, die wildkatzengerecht entwickelt werden sollte", sagt ZGF-Mitarbeiter Wolfgang Fremuth. Probleme haben Wildkatzen nämlich nicht nur durch das Fehlen naturnaher Wälder mit Dickichten und Totholz, sondern auch durch Straßen – immer wieder werden Tiere überfahren. Mit den Mitteln des Konjunkturpaketes II der Bundesregierung soll daher über die Autobahn 7 in der Rhön eine mit Büschen bepflanzte Brücke gebaut werden, die Wildkatzen und anderen Tieren einen gefahrlosen Übergang ermöglicht. Auch neu gepflanzte Waldstreifen helfen den Tieren, weite Wiesen- und Ackerflächen zu überwinden.

Inzwischen haben BUND und ZGF einen Aktionsplan mit einer langen Reihe von Maßnahmen entwickelt, die das Wildkatzenleben erleichtern sollen. Einer der Kernpunkte ist ein 20.000 Kilometer langes Wandernetz für Wildkatzen, das in den nächsten Jahren die Lücken zwischen naturnahen Wäldern in verschiedenen Regionen Deutschlands schließen soll.
Kommentare (2)
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FEB
04
hippi, 08:55 Uhr

@ kater

Es war ja mal wieder klar, das irgendwas gegen die Jäger kommen muss. Ich sag ihnen mal eins, die Katzen müssen mind. 300 m vom letzten Haus enfernt sein, und nicht wie von ihnen beschrieben, 200 m. Außerdem unterscheidet sich eine Wildkatze mit der Hauskatze schon an der größe. Die meißten Katzen laufen auch mit Halsband rum,´sodass man gleich erkennt, das es eine Hauskatze ist. Ich kann es auch nicht oft genug sagen, es sind nicht alle alle Jäger so, auch wenn ihr das immer so denkt, das gehört auch schon zum rassismus. Es gibt genug Jäger, die die Katzen einfangen, und dann ins Tierheim bringen, und raten sie einmal, wie viele da ihre Katzen wieder abholen?

FEB
02
KatEr, 15:12 Uhr

Wie unterscheiden Jäger Wild- und Hauskatzen?

Frage: Wie unterscheiden Jäger Wild- und Hauskatzen? Antwort: Gar nicht! (Zur Unterscheidung zwischen einer getigerten Hauskatze und einer Wildkatze benötigt man eine genetische Analyse!) Folge: Wenn eine Katze in mehr als 200 m Entfernung vom nächsten Haus angetroffen wird, gehen (manche) Jäger pauschal davon aus, dass es sich um eine "wildernde" (lächerlich!) Hauskatze handle - und dann heisst es "FEUER FREI !!!" Es ist natürlich schon schlimm genug, dass Hauskatzen in Deutschland einfach so abgeschossen werden dürfen - noch schlimmer ist es aber, dass dadurch auch vom Aussterben bedrohte Wildkatzen getötet werden. Dieses "JagdUNrecht" gehört endlich geändert: Kein Jäger hat das Recht, einen Hund oder eine Katze zu erschiessen, nur weil sie sich im Wald aufhält!