Windkraft in Stuttgart Beide Windräder stehen auf der Kippe

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Womöglich wird der Standort im Tauschwald schon am Dienstag im Umweltausschuss gestrichen. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz hat sich jetzt kategorisch gegen die zwei geplanten Anlagen im Wald ausgesprochen.

Mit grünen Kappen haben Bürger in Weilimdorf am Mittwoch protestiert.. Foto: LG/Zweygarth
Mit grünen Kappen haben Bürger in Weilimdorf am Mittwoch protestiert..Foto: LG/Zweygarth

Stuttgart - Es wird immer fraglicher, ob die beiden Windräder im Tauschwald jemals gebaut werden. Naturschutzverbände haben sich jetzt kategorisch dagegen ausgesprochen, im Gemeinderat bröckelt die Mehrheit, und auch die Bezirksbeiräte von Weilimdorf, Feuerbach und Botnang haben am Mittwochabend die Windkraftanlagen abgelehnt.

Rund 300 Bürger verfolgten die Sitzung in der Lindenbachhalle; sie hoben bei Argumenten, die sie für falsch hielten, mitgebrachte rote Karten und buhten manche Wortmeldung auch aus, was Bezirksvorsteherin Ulrike Zich aber energisch unterband. Michael Maxelon, der Geschäftsführer der Stadtwerke, betonte, dass es jetzt noch nicht um den Baubeschluss gehe. Vielmehr soll das Genehmigungsverfahren eröffnet werden, in dem gerade alle offenen Fragen zu Naturschutz und Belästigungen der Anwohner geklärt werden sollen. Es sei wichtig, von der Naturschutzbehörde eine Aussage zu erhalten, ob die Räder rechtlich möglich seien. Bisher könne man nur spekulieren.

Die Situation ist kurios

Auch Grüne, SPD und SÖS möchten das Verfahren vorerst fortführen, trotz Bedenken wegen des Artenschutzes. Die Bezirksbeiräte von Weilimdorf und Feuerbach lehnten die Einleitung des Verfahrens aber mehrheitlich ab; in Botnang gab es ein Patt, was auch Ablehnung bedeutet.

Am Dienstag könnte es dann sogar schon zum endgültigen Scheitern des Projektes kommen. Denn CDU, FDP, Freie Wähler und AfD haben im Ausschuss für Umwelt und Technik acht Stimmen – Grüne, SPD und SÖS-Linke-Plus ebenso. Der Einzelstadtrat Ralph Schertlen von den Stadtisten ist also das Zünglein an der Waage. Schertlen hat sich auf Facebook gegen den Tauschwald ausgesprochen. Auf Nachfrage sagte er allerdings, dies sei seine Privatmeinung. Er müsse sich noch mit den Stadtisten absprechen. Die Situation ist kurios, weil die Konstellation im Ausschuss nicht das wirkliche Kräfteverhältnis im Gemeinderat widerspiegelt.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der Naturschutzbund (Nabu) haben sich am Mittwoch kategorisch gegen den Standort ausgesprochen, nachdem sie das Artenschutzgutachten, das die Stadtwerke in Auftrag gegeben haben, ausgewertet haben. Es lebten im Tauschwald elf Fledermausarten und 48 Brutvogelarten; vermutlich sei die Vielfalt nirgendwo in Stuttgart größer. Vor allem für den seltenen Wespenbussard und den Baumfalken wären die Räder existenzbedrohend. „Der Preis ist einfach zu hoch, den man für zwei Windräder mit mäßigem Ertrag bezahlen müsste“, sagte Gerhard Pfeifer vom BUND. Er und sein Nabu-Kollege Ulrich Tammler appellierten dringend an die Stadt, das Verfahren abzubrechen.

Für den Wespenbussard seien die Räder existenzbedrohend

Auf jeden Fall würden die Stadtwerke wegen der bedrohten Arten eine Ausnahmegenehmigung des Regierungspräsidiums benötigen, sagte Pfeifer. Er sei überzeugt, dass die Behörde diese Genehmigung nicht erteilen werde.

Kritik kommt auch von einer Bürgerinitiative

Lothar Barth von der Bürgerinitiative Pro-Tauschwald kritisierte am Mittwochabend, dass die Windstärke im Gutachten der Stadtwerke hochgerechnet worden sei, um sie in 140 Metern Höhe und in einem normalen Windjahr beziffern zu können; das sei ein Unsicherheitsfaktor und könne bedeuten, dass die Räder am Ende nicht wirtschaftlich seien. Die Stadtwerke halten die Rechnung für üblich. Bisher haben sie 230 000 Euro für die Planung ausgegeben; das Genehmigungsverfahren kostet weitere 150 000 Euro.

10 Kommentare Kommentar schreiben

Windkraft ist nicht grundlastfähig: Der Geschäftsführer der Stadtwerke Stuttgart täuscht die Stuttgarter Bürger indem er behauptet, dass Windkraft grundlastfähig sei. Grundlast bedeutet, Strom rund um die Uhr mit konstanter Leistung und das für 24 Stunden am Tag. Das ist einer der großen Irrtümer der Energiewende, wir haben geglaubt, irgendwo weht immer Wind und Wind könnte einen Beitrag zur Grundlastabdeckung leisten. Zwischenzeitlich haben wir für Deutschland mehrere Jahre Erfahrung über die Windstromproduktion an Land und auf hoher See. Schaut man sich die Erzeugungskurven von Wind an, so gibt es immer wieder längere Zeiträume mit wenig oder fast gar keinem Wind, so dass es zu großen Erzeugungslücken kommt wie zuletzt Anfang August und November 2014. Im November 2014 haben Wind und Sonne weniger als 10 % von unserem Strombedarf geliefert. Die Ursache liegt in häufig zu beobachtenden Großwetterlagen, nämlich „Hoch Mitteleuropa“, mit einem Hochdruckgebiet über weite Teile Europas, so dass dann über weiten Teilen Europas Flaute herrscht. Die europäische Windproduktion schwankt entsprechend den Großwetterlagen, deshalb kann Windkraft auch in Europa nicht grundlastfähig sein. An diesem Umstand wird ein weiterer Ausbau der Erneuerbaren Energien auch nichts ändern, wenn kaum Wind weht und wenig Sonne scheint. Daher kann selbst eine Verdoppelung der Erzeugungskapazitäten nichts ändern, denn das Doppelte von Null ist Null!

Naturschutz : Warum betreibt man eigentlich erst den Aufwand, ein Jahr lang die Windstärke zu messen, um festzustellen, ob sich die Windräder dort überhaupt lohnen - anstatt erstmal die Naturschutzverbände zu befragen? Da wurde wieder mal viel Steuergeld verschwendet! Und noch eine Frage: Warum ignoriert man beim Murksprojekt Stuttgart21 den Naturschutz? Zum Beispiel ist der Rosensteinpark ein Flora-Fauna-Habitat, ein streng geschütztes Natura2000 Gebiet - und soll wegen S21 und auch dem Rosenstein-Autotunnel trotzdem zerstört werden!

wieso Windkraft?: Strom kommt doch aus der Steckdose. Das nächst AKW ist ca. 40 km entfernt und total ungefährlich, wie können unsichtbare Strahlen auch gefährlich sein. Klimaerwärmung basierend auf der Verbrennung fossiler Brennstoffe ist Gott gegeben und ändert nichts an der Schöpfung. Hauptsache bei mir ist gut geheizt, Benzin reicht für meinen SUV, Flugreise ist jedes Jahr drin oder auch mal eine Kreuzfahrt .... Wieso dann noch Windkraft.

Die elektrische Grundlast......: ....das ist die erforderliche elektrische Energiemenge die im Versorgungsgebiet der Stadt Stuttgart kontinuierlich benötigt wird, beträgt durchschnittlich ca. 650 MW ( 650 Millionen Watt ). Für die Erzeugung dieser elektrischen Energiemenge auf der Basis von Windturbinen-Anlagen wie sie im Tauschwald vorgesehen ist, bräuchte man ca. 271 Windturbinen dieser Bauart. Dieses Beispiel zeigt wie utopisch die Annahme ist man könnte rein auf der Basis von regenerativen Stromerzeugungsanlagen wie Wind- , Wasser- und Photovoltaik-Anlagen die komplette elektrische Energieerzeugung in der Bundesrepublik Deutschland stellen. Die durchschnittlich Grundlast in Deutschland liegt bei ca. 40 Gigawatt = 40 000 MW = 40 000 000 000 W. Für diese elektrische Energiemenge bräuchte man allein ca. 16 667 Windturbinenanlagen wie sie im Tauschwald vorgesehen sind. Allein diese Bedarfszahl und die Tatsache, dass es keine verlässlichen , das heißt stetigen Windmengen gibt, zeigt wie unrealistisch die Annahme und Aussage bezüglich der Verlässlichkeit auf Windturbinen-Anlagen ist. Wir unterliegen einem fatalen Irrglauben wenn wir in dieser Form der elektrischen Energiegewinnung die Zukunft sehen.

Wer auch sonst ....: Durch Wiederholung werden Aussagen weder qualitativ besser noch wahrer. Es gibt KEINE Alternative zur regenerativen Energie ..... also nicht bremsen sondern Entwicklung angehen. manche vertrauen halt so lange auf AKW bis diese um die Ohren fliegen, bzw. durch ungelöste und unfinanzierte Endlagerprobleme der Strom zu teuer wird oder verbrennen so lange fossile Brennstoffe bis diese verbraucht sind und/oder die Klimaerwärmung die ersten Länder vernichtet hat. Unter Umständen verbunden mit der Freude, dass es bei uns 2-3 Grad wärmer ist .... Aber spätestens dann braucht man sich keine Gedanken über stabile Grundlast .... machen --> wir Menschen schaffen uns einfach selbst ab aber Hautsache die Grundlast steht sicher zur Verfügung.....Leider ist halt die Sonne der einzige Energielieferant den wir langfristig auf dieser einen unserer Erde haben.

Mal eine etwas gewagte Aussage....: ...Meinen Sie nicht die jetzigen bekannten fossilen Brennstoffe,von den noch nicht entdeckten oder erschlossenen fossilen Brennstoffen mal abgesehen, müsste doch für die Lebensspanne Ihrer Generation und der Ihrer Kinder locker ausreichen . Meinen Sie nicht , dass in früheren Jahrhunderten die Menschen vor ähnlichen Problemen standen ihren damals gewohnten Lebensstandart halten zu können ? Die ganze schwarz Malerei bezogen auf die jetzigen fossilen Ressourcen ist meines Erachtens völlig überzogen, und wird politisch ausgenutzt. Energiewende , Klima-wende( Wandel) , alles Druckmittel um politisch, wirtschaftliche Interessen durch zu setzen. Mit der sogenannten Energiewende wurden bisher gute Geschäfte gemacht, genau so verhält es sich mit dem Klima-Wandel. Dass auf diesem Planeten geophysikalische und Klimatische Veränderungen statt finden liegt in der Natur der Sache. Dieser Planet, wie übrigens das komplette uns bekannte Universum unterliegt dem selben Wandlungsprozess. Es ist bis zum heutigen Tage nicht eindeutig , wissenschaftlich fundiert, bewiesen, dass dieser Teil-Wandlungsprozess , der Klima-Wandel , auf unser tun allein zurückführbar ist. Also genießen Sie Ihr zeitlich begrenztes Dasein in einer noch gut versorgten High-Tech-Gesellschaft die ohne eine verlässliche, machbare elektrische Energieversorgung nicht denkbar wäre. Im übrigen : Auch unser Zentralgestirn, die lebensnotwendige Sonne stirbt oder wandelt sich wie unser Heimatplanet Erde. Verehrter Herr Wächter ich gehöre zu den Generationen die unseren jetzigen gewohnten und gelebten Wohlstand mit gestalten durfte. Auch diese Generationen haben sich Gedanken darüber gemacht wie man mittelfristig und langfristig , bei schrumpfenden fossilen Ressourcen, eine Wohlstands sichernde elektrische Energieversorgung aufrecht erhalten kann. Ein wichtiger Weg dazu war die friedliche Nutzung der Kernenergie mit all Ihren damals und bis heute ungelösten Problem der sogenannten Endlagerung der strahlenden Materialien. Leider wurde in diesen vergangen Jahrzehnten keine vernünftige und tragbare Lösung gefunden. Warum das so ist bleibt auch mir ein Rätsel .

Glauben: Bleiben Sie in Ihrem Glauben. Wenn es Ihnen reicht, dass die fossilen Brennstoffe noch für eine Generation reicht haben Sie recht - ich hoffe unser Planet ist noch deutlich länger bewohnbar. Es gibt halt Tatsachen wie durch Verbrennung fossiler Brennstoffe verursachter Klimawandel - aber Sie glauben halt nur an Ihre stabilen Netze ...

....noch eine Ergänzung....: ....Die durchschnittlich elektrische Grundlast in Deutschland wird durch das Verbrauchsverhalten eines jeden von uns mit bestimmt. Ihre Annahme , stabile Grundlast sei ein gesteuertes Phänomen der zentralistischen, konservativen EVU ist aus vermutlicher Unwissenheit falsch. Jeder elektrische Verbraucher ob in Betrieb oder außer Betrieb muss als Grundlast erzeugendes Element in der Stromerzeugung berücksichtigt werden. Diese installierte Leistung in MW( Megewatt ) bzw. GW ( Gigawatt )muss bei der Bereitstellung von elektrischen Energieerzeugungsanlagen und deren nachgeschalteten Versorgungsnetzen berücksichtigt werden. Der momentane Verbrauch von elektrischer Energie muss auf der Erzeugungsseite zeitgleich bereitgestellt werden. Das ist das Grundprinzip der elektrischen Energieversorgung. Dazu kommt noch das Bereithalten von Reserve-Erzeugungsanlagen um bei Störungen in den Versorgungsnetzen und Ausfällen von Erzeugungsanlagen oder Teilen dieser Anlagen die Stromversorgung aufrecht und stabil zu halten. Dafür sind die Versorgungsnetzstrukturen , flächendeckende Verbundnetze , absolut notwendig. Alles zusammen genommen stellt die gesicherte Stromversorgung der Bundesrepublik Deutschland dar. Darüber hinaus gibt es noch Anbindungen an das Europäische Verbundnetz. Ich hoffe mit meinen bewusst laienhafteren Ausführungen Ihnen, und der mehrheitlich , laienhaften Mitleserschaft für das Verstehen der elektrischen Energieversorgung geholfen zu haben.

Lieber Wind – als Atomkraft?!: Es wäre ein tolles Zeichen gewesen, wenn eine Industriemetropole sich offen zu alternativen Energiequellen bekennt und über Stuttgart nicht nur Automobil-Logos prangen. Die Rolle von BUND und/oder Nabu verstehe ich beim besten Willen nicht. Ich als Laie kann den konkreten Standort aus Natur- und Artenschutzgründen nicht abschließend beurteilen, aber dieses Kategorische NEIN nervt mich. Es wäre doch für die Wahrer der Natur das Mindeste gewesen, einen Alternativstandort in Stuttgart vorzuschlagen. Auch frage ich mich, wo BUND und Nabu sind, wenn Naturräume für Straßen oder Lidl-Märkte auf dem grünen Acker platt gemacht werden oder in Bebauungsplänen zugesagte Ausgleichsmaßnahmen nie stattfinden? Fans der Serie „House of Cards“ wissen, wenn ich schreibe, ein Frank Underwood würde sich die Hände reiben, wie BUND und Nabu sich hier zum Handlager von Energie-Altvorderen haben machen lassen.

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