Windkraftplanung in Baden-Württemberg Windräder trotz Tabuzonen

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Das vom Aussterben bedrohte Auerhuhn nistet dort, wo sich Windräder drehen sollen. Viele Gemeinden im Schwarzwald streben in diesem Konflikt nach einem Kompromiss. Nun sollen sich Einzelfällen Rotoren in Tabuzonen drehen.

Nur noch 600 Stück Auerwild gibt es im Südwesten. Die Brut- und Balzplätze sind deshalb tabu für Windräder. Bei den für die Verbreitung der Art wichtigen Korridoren sind trotz Tabuzone nach Einzelfallprüfung Rotoren möglich. Foto: dpa
Nur noch 600 Stück Auerwild gibt es im Südwesten. Die Brut- und Balzplätze sind deshalb tabu für Windräder. Bei den für die Verbreitung der Art wichtigen Korridoren sind trotz Tabuzone nach Einzelfallprüfung Rotoren möglich.Foto: dpa

Schwarzwald - Die Karten sollten eigentlich Klarheit bringen: Regionalverbände, Kommunen und Investoren sollen einen Überblick haben, wo neue Windkraftanlagen aufgestellt werden können, ohne dass die Belange des Naturschutzes verletzt werden. Seit dem Sommer sind diese Karten auf den Internetseiten der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg (FVA) und der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) einzusehen. Besonderes Augenmerk gilt dabei dem vom Aussterben bedrohten Auerhuhn, dessen letzte Rückzugsgebiete ausgerechnet auf den windreichen Höhenzügen im Schwarzwald liegen.

Tatsächlich aber herrscht alles andere als Klarheit. Denn die Karten sind teilweise nicht deckungsgleich: die LUBW definiert drei Zonen für den Ausschluss oder Bau von Windkraftanlagen, die FVA beim Auerhuhn jedoch vier. Unbestritten ist, dass in Naturschutzgebieten, in Nationalparks, in Kernzonen von Biosphärengebieten oder in Vogelschutzgebieten mit „windkraftempfindlichen Vogelarten“ keine Windräder aufgestellt werden dürfen.

Balz- und Brutplätze sind tabu, Korridore nicht immer

Die FVA hat die Tabuzone fürs Auerhuhn rot markiert. Dort sind die Balz- und Brutplätze sowie die für den genetischen Austausch wichtigen „Korridore höchster Priorität“ verzeichnet, erläutert der bundesweit anerkannte Auerhuhnexperte der FVA, Rudi Suchant. Und doch seien genau hier „Einzelfallprüfungen möglich“, sagt der Forstwissenschaftler. Die einen Kilometer breiten Korridore könnten – sofern es sich nicht um naturschutzrechtliche Flächen handelt – möglicherweise verschoben werden.

Suchant will aber in dieser Tabuzone nicht nur die Balz- und Brutplätze eingezeichnet haben. Denn so würde der Druck aufs Auerhuhn zunehmen, zu leicht könnte der scheue Waldvogel dann von Fotografen und Naturliebhabern aufgespürt werden. Schließlich gebe es nur noch 600 Auerhühner im Land. Für den Erhalt der Art seien diese Korridore überlebenswichtig. Wissenschaftlich belegbare Auswirkungen von Windrädern auf die bedrohte Vogelart gibt es nicht, deshalb plant die FVA zusammen mit der Schweiz und Österreich Studien, kündigte Suchant an. Der Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) fordert eine solche für den Südwesten ein.

Kein Dissens zwischen Energiewende und Naturschutz

„Der Artenschutz gilt“, betont ein Sprecher des Umweltministeriums und tritt damit dem Eindruck entgegen, der Minister, der die Energiewende forciert, wolle den Naturschutz hinwegfegen. Restriktionen für Windräder seien jedoch keine unüberwindbaren Hürden, sie könnten in den immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens abgearbeitet werden. Da gebe es keinen Dissens mit dem für Naturschutz zuständigen Minister Alexander Bonde (Grüne), heißt es aus dessen Haus.

Viele Kommunen planen Windräder in solchen Konfliktzonen erst gar nicht. Auch der Regionalverband Mittlerer Oberrhein hält sich strikt an beide Kartenwerke. „Wir gehen in die Tabuzonen nicht rein“, sagt der Verbandsdirektor Gert Hager. Dies empfehle der Regionalverband auch seinen Kommunen, schließlich gebe es genügend andere Standorte. So sieht der Entwurf des neuen Regionalplans Wind, der derzeit zur Anhörung ausliegt, 160 Anlagen vor. „20 bis 40“, sagt Hager, werden es wohl werden. Denn viele der geplanten Anlagen liegen in Landschaftsschutzgebieten und somit in der LUBW-Kategorie zwei, wonach es für Windräder „besondere Restriktionen“ gibt.

Gemeinden wollen nicht auf „erstklassige Standorte“ verzichten

Die Gemeinde Gutach im Ortenaukreis hingegen sei gezwungen, trotz Tabuzonen nach Lösungen zu suchen, sagt deren Bürgermeister Siegfried Eckert. Denn überall dort, wo der Wind ertragreich bläst, sei Auerhuhngebiet. „Die Bürger wollen die Energiewende“, sagt Eckert. 18 private Eigentümer hätten ihre Grundstücke für Windräder angeboten. Deshalb würde das Gemeindegebiet nun „vollflächig“ überprüft, mit den Nachbarkommunen, etwa Mühlenbach und Hornberg über Windparks auf Konzentrationsflächen gesprochen. Eckert sucht nun das Gespräch mit dem Auerhuhnexperten Suchant.

Dasselbe Problem stellt sich in Yach, einem Stadtteil von Elzach im Kreis Emmendingen. Dort gebe es mit sieben Meter pro Sekunde „hervorragende“ Standorte für Windräder, sagt der Bürgermeister Roland Tibi. Aber alle Standorte seien kritisch, „überall gibt es Restriktionen“. Dennoch will man auf die „erstklassigen Standorte“ nicht von vornherein verzichten, sondern nach Kompromissen mit der FVA suchen und sich dem Genehmigungsverfahren stellen,

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1 KommentarKommentar schreiben

Windräder sind doch laut Öko's völlig harmlos: einfach zu erstellen, preiswert und zerstören nichts. Schon gar keine Landschaft. Warum sollen sich ausrechnet die Auerhühner daran stören. Gehäckselt werden können die von den Rotoren wohl auch kaum, denn von Flughöhe kann man bei Auerwild bestimmt nicht sprechen. Woran entzündet sich also der Bruderkrieg der Bessermenschen?

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