Windpark bei Wangen Buhrufe für Minister Bonde

Von Annette Clauß 

Feierlich hat der Landwirtschaftsminister Alexander Bonde die Erlaubnis, ein Areal bei Wangen auf seine Tauglichkeit für Windkraft überprüfen zu lassen, überreichen wollen. Doch er stieß auf heftigen Protest.

Der grüne Landwirtschaftsminister Alexander Bonde Foto: Gottfried Stoppel
Der grüne Landwirtschaftsminister Alexander Bonde Foto: Gottfried Stoppel

Wangen - „Wir sind die Opfer, und ihr seid die Täter“ – mit diesem Satz hat ein Windkraftgegner lautstark seinen Unmut gegenüber Stadtwerke-Vertretern sowie Politikern kundgetan. Rund 70 Aktivisten unterschiedlicher Bürgerinitiativen aus dem Rems-Murr-Kreis, aber auch aus den Landkreisen Esslingen, Göppingen und sogar aus der Gegend von Schwäbisch Hall waren mit Plakaten und Trillerpfeifen gekommen, um mitten im Wald bei Schorndorf-Unterberken zu demonstrieren. Auf dem rund 645 Hektar großen Gelände eines ehemaligen Bundeswehrdepots plant eine Unternehmenskooperation der Stadtwerke Schorndorf, Fellbach, Tübingen und der Energieversorgung Filstal den Bau von bis zu sechs Windrädern mit einer Höhe von je knapp 200 Metern.

Das stößt bei manchen Bewohnern der umliegenden Gemeinden, die teils im Rems-Murr-Kreis, teils im Landkreis Göppingen liegen, auf wenig Gegenliebe. Und so ist Alexander Bonde mit Buhrufen und einem Pfeifkonzert empfangen worden. Angereist war der grüne Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, um im Namen der Landesregierung als Eigentümerin des Waldstücks einen Gestattungsvertrag zu überreichen. Dieser räume der Unternehmenskooperation das Recht ein, zwei Jahre intensiv zu prüfen, ob sich das Areal überhaupt als Standort für Windkraftanlagen eigne, erklärte Timo Schlotz von den Stadtwerken Schorndorf: „Wir messen mit einem lasergestützten mobilen Messsystem in 20-Meter-Abständen auf einer Höhe von bis zu 200 Metern.“

Der OB fasst sich kurz

Angesichts der aufgeheizten Stimmung werde er sich kurz fassen, sagte der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer in Richtung der Schar der erbosten Demonstranten. Was folgte, erinnerte ein wenig an eine Theateraufführung in der Antike. Der Chor der Aktivisten kommentierte jeden Satz des Rathauschefs und des Ministers. Klopfer sprach von einem einstimmigen Beschluss des Gemeinderats für Windkraftanlagen, bezifferte das Investitionsvolumen mit rund 25 Millionen Euro und erwähnte die seiner Ansicht nach „vorbildliche Bürgerbeteiligung“ der Stadtverwaltung – was die Aktivisten mit „Volksverdummung“ und „Stadtwerke boykottieren“ kommentierten.

So ging es munter weiter. Klopfer: „Im Frühjahr 2015 wird es eine Entscheidung geben, die Energiewende dauert“ – der Chor: „Gott sei Dank.“ Bei der Vergabe des Standorts Holzberg habe ein privater Investor aus dem Ostalbkreis vor den Stadtwerken das Rennen gemacht, so Klopfer weiter. Der Kommentar aus der Reihe der Demonstranten: „Bande.“ Alexander Bonde erging es nicht besser. Naturschutz sei vereinbar mit dem Ausbau der Windkraft, argumentierte der Minister, diese sei ökologisch und regionalwirtschaftlich der richtige Weg. „Grüne weg, nie mehr grün, raus aus dem Wald“, lautete die Antwort.

Auch Palmer bekommt sein Fett weg

„Wo sollen wir eine Windanlage bauen, wenn nicht hier auf einem ehemaligen Militärgebiet“, sagte der gebürtige Remstäler und Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer in der teils heftigen Debatte, die nach dem offiziellen Teil losging. Das Argument, die Windstärke sei an diesem Platz zu gering, wollte Boris Palmer so nicht gelten lassen: „Wenn es hier zu wenig Wind gibt, dann braucht ihr gar nicht zu demonstrieren, denn dann gibt es auch keine Windkraftanlage.“ Jedes Auto, das durch die Ortsdurchfahrt von Schorndorf-Oberberken oder anderswo fahre, verursache mehr Lärm als ein Windrad, war Boris Palmers Antwort auf die Bedenken eines Mitglieds einer Bürgerinitiative, das im nächsten Satz befürchtete, der Wert der Immobilien werde sinken.

„Mein Vater hätte jetzt ,Grasdackel‘ gesagt“, war schließlich Boris Palmers entnervte Reaktion. Auch darauf hatte die Gegenseite eine Antwort parat: „Du grasgrüner Grasdackel.“