Winnenden-Prozess Keine Spuren am Tresor
Frederike Poggel, 28.10.2010 19:27 Uhr
Neben hunderten anderen Asservaten wurde auch die Tatwaffe einer DNA-Analyse unterzogen. Foto: dpa
Neben hunderten anderen Asservaten wurde auch die Tatwaffe einer DNA-Analyse unterzogen. Foto: dpa
Stuttgart - Mit welcher Akribie der Hergang des Amoklaufs vom 11. März 2009 rekonstruiert wird, zeigte sich am Donnerstag aufs Neue beim Verhandlungstag vor dem Landgericht. Als Zeugin im Prozess gegen Jörg K., den Vater des Täters, wurde eine Biologin des Landeskriminalamtes vernommen, die Hunderte Asservate von den Tatorten in Winnenden und Wendlingen unter die Lupe genommen hatte: "In diesem Fall wurde alles untersucht. Auch Spuren, an denen nur sehr wenig isolierte DNA hinterlegt war."

Wichtigste Erkenntnis ist, dass am Waffentresor im Keller der Familie keine Fingerabdrücke von Tim K. nachweisbar sind - auch nicht an dem Drehknauf des Zahlenschlosses. Möglicherweise hat Jörg K. die Spuren seines Sohnes aber auch überdeckt, als er am Tag der Tat auf Anweisung der Polizei die Tresore öffnete. Es bleibt also weiterhin unklar, ob Tim K. die geheime Zahlenkombination kannte. Damit rückt eine Antwort auf die zentrale Frage des Prozesses in weitere Ferne, die lautet: Hätte der Junge auch dann 15 Menschen erschießen können, wenn der Vater seine Pistole korrekt eingeschlossen hätte?

Auch die mit krustigem Blut überzogene Beretta ist kriminaltechnisch untersucht worden. Mit einer "astronomische hohen" Sicherheit konnten die Spuren Tim K. zugeordnet werden. Zum Nachmittag unterbrach der Vorsitzende Richter aus dienstlichen Gründen die Sitzung überraschend. Nächster Verhandlungstag ist Dienstag, der 9. November.
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