""Dieser Winter hat effektiv für mehr Geschäft als sonst gesorgt.""
Bernhard Schäufele, Autowerkstattbesitzer aus Möhringen
Stuttgart - In den Vorgärten schmelzen dieser Tage die letzten Schneehäuflein, die ohnehin niemand mehr sehen will. Zu oft lag die Welt in diesem Winter am Morgen unter immer neuen Schneemassen begraben, zu oft haben die frostigen Tage auf den Straßen im Land die Geduld der Berufspendler überstrapaziert. Ganze Branchen leiden in diesem Jahr unter dem Rekordwinter, etwa die Bauunternehmen und Garten- und Landschaftsbaubetriebe, von denen zwischenzeitlich nicht wenige Saisonkurzarbeit anmelden mussten, weil die Natur öfter als sonst unter Schnee und Eis begraben lag. Ihnen hat das Winterwetter die Bilanz verhagelt - anderswo haben Schnee und Eis dagegen als Konjunkturprogramm gewirkt.
Zu den wenigen Profiteuren gehören allen voran die Autowerkstätten im ganzen Land, die in diesem Winter kaum noch hinterherkommen, verbeulte Kotflügel zu richten, Stoßfänger zu lackieren und neue Scheinwerfer einzusetzen. Der Auslastungsgrad der Karosseriebetriebe und Vertragswerkstätten liege bei 95 Prozent mit Tendenz zur Vollauslastung, sagt der Pressesprecher der Kfz-Innung Region Stuttgart, Bernhard Schäufele. Zuvor habe die Auslastung in diesem Bereich bei vielleicht 60 bis 65 Prozent gelegen.
Auch in Schäufeles Autohaus mit angeschlossenem Werkstattbetrieb in Möhringen sind die Kunden dieses Jahr nach jedem neuerlichen Wintereinbruch schubweise mit Blechschäden aller Art vorgefahren, mitunter direkt von der Autobahn. "Dieser Winter hat effektiv für mehr Geschäft als sonst gesorgt, fast alle autorisierten Betriebe in Stuttgart und der Region profitieren davon", sagt er.
80 Unfälle an einem Vormittag
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht in seiner jüngsten Kalkulation von bundesweit 55.000 zusätzlichen Unfällen aus, die ihren Grund im Winterwetter haben. Der dabei entstandene Gesamtschaden liege bei insgesamt rund 230 Millionen Euro, sagt GDV-Sprecher und Unfallexperte Christian Lübke. Der wirkliche Schaden liege allerdings einiges höher, weil viele Bagatellschäden meist nicht über die Versicherung abgewickelt, sondern von selbst bezahlt werden.
Alleine in Stuttgart sind die Unfallzahlen in diesem Winter auf den verschneiten und vereisten Straßen von sonst durchschnittlich knapp 1800 auf 2200 im Monat gestiegen, mit immer neuen Spitzenreitertagen. Am 11. März etwa zählte die Stuttgarter Polizei alleine am Vormittag 80 schneebedingte Unfälle im Stadtgebiet, ein Vielfaches davon kam in den umliegenden Landkreisen zusammen. An anderen Tagen, an denen die Straßen morgens unter einer Schneedecke lagen, sind ähnlich hohe Unfallzahlen in die Verkehrsstatistiken eingegangen.
Nicht jeder, der sich an einem der Wintertage einen Blechschaden eingefahren hat, war derweil schon in der Werkstatt. "Viele warten, bis der Winter endgültig vorbei ist", sagt Schadensexperte Lübke. Für das Frühjahr wird daher ein Boom in den Werkstätten erwartet, deren Konjunkturbarometer damit weiter ansteigen dürfte. Davon abgesehen, hätte aber auch die Autobranche unter den strengen Winter gelitten, sagt Bernhard Schäufele. Die Zahl der Autokäufe sei in den frostigen Monaten in Stuttgart und der Region um bis zu 30 Prozent gesunken.