Wintereinbruch in Bad Cannstatt Mit Glühwein auf dem Frühlingsfest

Von Michael Mahler 

Das Stuttgarter Frühlingsfest hat es wieder mal kalt erwischt. Und damit auch die Wirte und Schausteller. Die haben dem Wetter fast nur starke Nerven entgegenzusetzen, hartgesottene Besucher versuchen es mit Glühwein und zweifachen Strumpfhosen.

Trotz dunklen Wolken und einstelligen Temperaturen beim Stuttgarter Frühlingsfest lassen sich diese Besucherinnen ihre gute Laune nicht nehmen. Foto: mim 32 Bilder
Trotz dunklen Wolken und einstelligen Temperaturen beim Stuttgarter Frühlingsfest lassen sich diese Besucherinnen ihre gute Laune nicht nehmen. Foto: mim

Bad Cannstatt - Ob weiße Flocken oder dicke Regentropfen: Petra Göbel braucht an diesem Mittwoch ein dickes Fell. Denn auf dem Frühlingsfest in Stuttgart-Bad Cannstatt hat am Mittwoch der Winter vorbeigeschaut und kalte Tropfen auf der „Super-Rutsche“ der Schaustellerin herunterkullern lassen. Auch wenn zwischendurch die Sonne hinter den Wolken hervorschaut, folgt kurz darauf wieder ein Regenschauer.

„Es ist als wenn einem ständig etwas kaputt gemacht wird“, sagt Göbel. Doch die Rutsch-Anlage zulassen sei keine Option. „Bis der Himmel wieder ganz aufmacht, ist das Ganze halt mit Anstrengung verbunden.“ So musste Göbels Team in nicht einmal zwei Stunden schon drei Mal ran und die riesigen Rutschen trocken wischen. Drei Mal 20 Minuten voller Einsatz, damit wenigstens für kurze Zeit Rutschvergnügen für eine Handvoll Besucher garantiert ist.

„Mit zwei Strumpfhosen geht’s auch“

Wenige Gassen weiter schallt beim Überkopf-Fahrgeschäft „Transformer“ laute Musik aus den Boxen, die die Festbesucher in Stimmung bringen soll. Doch so laut es auch tönt und so wild sich das Gerät auch dreht, die Stimmung will nicht so richtig in Fahrt kommen, die meisten Plätze bleiben leer. Für Andrea Penev, die sich in ihrem Tickethäuschen an einer kleinen Heizung wärmt, aber noch lange kein Grund, die Segel zu streichen: „Unsere Stammkundschaft kommt bei Wind und Wetter. Und zur Not auch bei Schnee.“

Tatsächlich gibt es sie: Die hartgesottenen Wasenbesucher. Carina Britz und Marina Blind zum Beispiel. In kurzen Dirndln flanieren die beiden 17-Jährigen vorbei an Bratwurstbuden mit gelangweilten Verkäufern und Geisterbahnen mit brummenden Riesenaffen davor – immer darauf bedacht, keine Pfütze zu erwischen. Schon lange haben die beiden Jugendlichen geplant, auf’s Frühlingsfest zu gehen, deshalb wollten sie sich vom Wetter auf gar keinen Fall einen Strich durch die Rechnung machen lassen: „Es ist kein Grund abzusagen, nur weil es schneit. Mit zwei Strumpfhosen geht’s bei der Kälte auch und sonst trinken wir uns das Wetter einfach schön.“ Hanna Müller, die mit ihren Freundinnen aus Freiburg nach Stuttgart gekommen ist, nimmt den Wintereinbruch zum Frühlingsfest ebenso pragmatisch: „Einerseits ist es zwar schade, dass so wenig los ist“, so die 21-Jährige. „Andererseits müsste man sonst auch schauen, schneller ins Zelt reinzukommen.“

Glühwein – „als kleine Notrettung“

Zum Beispiel beim „Göckelesmaier“. Zur Mittagszeit treibt es hier nur wenige Besucher zum Schlemmen an die Tische. An Schunkeln ist bei den lichten Reihen kaum zu denken. „Gerade ist die Hälfte da, die sonst so kommt“, sagt Jasmin Bausch, Assistentin des Wasenwirts. „Wir haben schon deutliche Einbußen.“ Trotzdem will Bauch noch keine düsteren Prognosen für eine Bilanz abgeben: „Es kann noch ein ganz gutes Fest werden. Wir haben zum Beispiel schon viele Vorreservierungen für’s Wochenende.“

Abwarten und Glühwein trinken: Eine Devise, die sich das Almhüttendorf besonders zu Herzen genommen hat. Gegen wetterbedingte schlechte Laune werden hier im Festzelt nicht nur Alleinunterhalter mit Akkordeon aufgeboten, sondern auch allerlei Heißgetränke, wie zum Beispiel Glühwein. „Der läuft zum Teil besser als Bier“, beschreibt Service-Kraft Milicia Hamer ihren Eindruck. „Die Leute wollen sich einfach aufwärmen.“ Auch Gilbert Kräupel vom Etagencafe Grell hat sich für diese Woche Glühwein liefern lassen, „als kleine Notrettung“, wie er sagt. „Bis jetzt ist der Umsatz massiv zurückgegangen. Da muss man flexibel sein.“

Im Übrigen heißt es für die Schausteller und Wirte cool zu bleiben und auf die Wettervorhersagen zu vertrauen. So hält es zumindest Schaustellerin Petra Göbel: „Die Natur braucht es jetzt nass. Wir sind nächste Woche wieder dran.“

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