Wirtschaftsfaktor Blogging Die Blogger und das Geld

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Virtuelle IT-Beratung, Food-Blog oder Online-Sportgruppe: Blogger bieten auf ihren Seiten eine große Themenvielfalt. Für die Wirtschaft sind diese Formate zunehmend interessant. Doch wie weit darf die Zusammenarbeit gehen?

Wer es geschickt anstellt, kann mit seinem Blog viele Menschen erreichen. Foto: Mauritius
Wer es geschickt anstellt, kann mit seinem Blog viele Menschen erreichen.Foto: Mauritius

Stuttgart - Der oder das Blog? An der Frage des Artikels scheiden sich die Geister: Laut Duden ist beides richtig. Es heißt, die „Digital Natives“, also junge Leute, die mit dem Internet aufgewachsen sind, benutzten häufiger das Neutrum, während die „Digital Immigrants“, also die Menschen, die nicht mit digitalen Technologien aufgewachsen sind, „der Blog“ sagen. Blogs sind Plattformen für Privatpersonen oder Unternehmen, auf denen diese Beiträge hochladen können, häufig verknüpft mit Fotos oder Videos. „Ursprünglich waren Blogs wie eine Art Tagebuch, das man online geführt hat und frei einsehbar war“, erläutert Peer Wandiger, der als selbstständiger Webdesigner und Berater für andere Blogger sein Geld verdient.

Die Reichweite ist das Aushängeschild

„Heutzutage sind Blogs sehr themenbezogen“, sagt Wandiger. Das klassische Onlinetagebuch gebe es kaum noch. Fast immer drehen sich Blogs um einen Schwerpunkt. Beliebt sind Foodblogs mit Rezepten und Ernährungsweisheiten, außerdem Fitnessthemen, Do-it-yourself-Tipps oder Blogs rund um Technik. „Gerade Themen, die die Intensivnutzer des Internets beschäftigen, haben eine ­hohe Reichweite“, so Wandiger. Die Reichweite ist das Aushängeschild der Blogger: Sie ist die entscheidende Zahl für Firmen, die mit Bloggern eine Kooperation anstreben. Die Reichweite bemisst sich vor allem an den Klickzahlen auf dem Blog selbst, außerdem sind die „Follower“ eine wichtige Größe, also die Menschen, die in den sozialen Netzwerken die Beiträge des Bloggers abonniert haben.

Je nachdem, welche Zielgruppe sie ansprechen wollen, betreiben die Blogger zusätzlich zu ihrer Website auch Accounts auf Facebook, Twitter, Google Plus, Snapchat oder Instagram. Dort geben sie üblicherweise einen kurzen Vorgeschmack auf neue Einträge und verlinken dann auf ihre Website: „Neues Rezept ist online! Wer also heute noch eine kleine Inspiration sucht, sollte schnell noch mal auf unserem Blog vorbeischauen“, liest man etwa auf dem Instagram-Account der Bloggerin Louisa Dellert, die auf der Webseite fit-trio.de Tipps zu Fitness- und Ernährung gibt.

Firmen kommen auf die Blogger zu

In den meisten Fällen bleiben Blogs ein Hobby. Nur die allerwenigsten können sich als Einzelkämpfer im Internet selbstständig machen. Einige können aber ihren Lebensunterhalt geringfügig mit dem Schreiben und Erstellen von Fotos und Videos aufbessern. „Eine gewisse Reichweite ist allerdings immer Voraussetzung, um tatsächlich etwas im Geldbeutel zu spüren“, sagt Wandiger. Viele Blogger bauen etwa auf ihrer Website Banner mit Firmenwerbung ein. „Teilweise kommen auch Firmen auf bestimmte Blogger direkt zu und erkundigen sich, ob sie auf deren Seite Werbung schalten können“, weiß Wandiger.

Ebenfalls Geld verdienen können Blogger, wenn sie Verlinkungen zu anderen Websites auf ihrer Seite einbauen. „Allerdings muss man aufpassen“, sagt Wandiger. „Wenn man es übertreibt, merkt Google das, und man rutscht in den Suchergebnissen ganz schnell nach unten.“

Anrüchig, aber häufig: Kooperationen mit der Wirtschaft

Das meiste Geld lässt sich mit Firmenkooperationen verdienen, gleichzeitig ist diese Methode am umstrittensten. Blogger, die einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben, bekommen häufig kostenlos Produkte zugeschickt. Die Firmen hoffen, dass die Blogger die Produkte auf ihrer Seite vorstellen – und sie bestenfalls als gut vermarkten. Dafür bezahlen die Firmen dann einen gewissen Betrag, außerdem gibt es eine Provision, wenn ein Leser eines Blogs aufgrund eines Eintrags im Onlineshop dieser Firma etwas bestellt. „Meist sind das etwa fünf Prozent“, sagt Wandiger.

Eine Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Privatleuten ist keine Seltenheit mehr. In amerikanischen Wirtschaftsmagazinen gelten „Influencer“ – also die Internetikonen, die regelmäßig mit Firmen Kooperationen eingehen und dadurch auch immer mehr Einfluss auf die Wirtschaft haben – als „the next big thing“, also eine große Sache.

Die Szene streitet über Schleichwerbung

Ein Beispiel dafür ist die deutsche Youtuberin Bianca Heinicke („Bibis Beauty Palace“), die gemeinsam mit der Drogeriekette DM die Linie „bilou“ herausbrachte, innerhalb weniger Stunden war diese ausverkauft. Außerdem wirbt die 22-Jährige seit anderthalb Jahren für den Versandhändler Neckermann. Der Autobauer Audi arbeitet mit dem Blogger Jens Stratmann zusammen, der Umweltverband WWF mit Blogger Simon Unge, der Reiseveranstalter Tui mit den Stuttgarter Youtubern Dounia, Lamiya und Sami Slimani.

Vor einigen Wochen fand in Berlin erstmals eine Konferenz für Influencer statt. Das Fazit der Konferenz: es gibt noch viel Klärungsbedarf. Bloggern und Firmen ist beispielsweise noch nicht ganz klar, ab wann Kooperationen in den Bereich der Schleichwerbung driften und inwiefern diese dann wettbewerbswidrig sind. Man darf aber schon jetzt davon ausgehen, dass die Markenbotschafter der jungen Generation die Wirtschaft in den kommenden Jahren noch ordentlich umkrempeln werden.

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