
In ihren traditionellen Abteilungen verlieren Sportvereine tendenziell Mitglieder und haben mit der Kostendeckung zu kämpfen. Dennoch haben es der TSV Schmiden und der SV Fellbach in den vergangenen Jahren geschafft, weiter zu wachsen. Das haben die Clubs auch ihren modernen Sportzentren namens Activity (TSV Schmiden) und Loop (SV Fellbach) zu verdanken. Für den Bau respektive die Erweiterung der Anlagen mit Fitnessarealen haben die Vereine auch Zuschüsse vom Württembergischen Landessportbund (WLSB) und der Stadt bekommen sowie teilweise kommunale Ausfallbürgschaften für Darlehen.
Dieses Prinzip der Förderung kommt bei den Betreibern von gewerblichen Fitnesseinrichtungen wie Thomas Röhrle (siehe "Drei Fragen an") freilich nicht gut an, sie sehen sich im Wettbewerbsnachteil. Zuletzt hat es immer wieder Versuche gegeben, rechtlich dagegen vorzugehen. Aktuell läuft in Kirchheim die Klage eines Sportstudios gegen das geplante Vereinszentrum des VfL Kirchheim, genauer gesagt gegen die dazu nötige Bürgschaft der Stadt Kirchheim für das 4,3 Millionen Euro teure Projekt. 37 Sportvereinszentren gibt es in Württemberg, die Zahl ist am Wachsen.
Wo hört die Gemeinnützigkeit auf? Das ist eine entscheidende Frage zu dem Streitthema. Rainer Brechtken, der Präsident des Schwäbischen Turnerbundes und des Deutschen Turner-Bundes, hat sich in Bezug auf die Kirchheimer Klage umgehend zu Wort gemeldet: "Unsere Vereine sind eine Solidargemeinschaft, die vielfältige soziale Aufgaben übernimmt. Beim Verein gilt das Gesamtdeckungsprinzip über die gesamten Bereiche hinweg. Damit erfüllt er seinen Zweck. Und daraus ergibt sich auch seine Gemeinnützigkeit."
Stichwort Quersubventionierung. "Das Loop gibt uns die Möglichkeit, unser traditionelles Sportangebot zu unterstützen und zu erhalten", sagt Udo Wente, der Geschäftsführer des SV Fellbach (4655 Mitglieder). Mit dem Geld, das ein Sportzentrum erwirtschaftet, können defizitäre Abteilungen am Leben gehalten werden, die wiederum wichtige Funktionen etwa im Kindersport erfüllen. "Ein Verein sozialisiert seine Gewinne, er privatisiert sie nicht wie eine GmbH", sagt der WLSB-Hauptgeschäftsführer Heinz Mörbe und zieht eine deutliche Trennlinie zwischen Vereinszentren und gewerblichen Anbietern: "Bei einem privaten Fitnessstudio ist Sport nicht das Thema, sondern es geht ums Geldverdienen - der Sport ist ein Mittel dazu. Sie suchen sich eine Zielgruppe aus, die Geld bringt, Kinder und Familien fallen da dann raus. Wir tun etwas für die Gesellschaft."
Gewerbliche Areale wie Flächen mit Kraftgeräten werden bei der Bezuschussung nicht berücksichtigt. Das Loop beispielsweise, das im Sommer 2010 nach 13 Monaten Bauzeit eröffnet wurde, hat 2,5 Millionen Euro gekostet. Zuschussfähig davon waren 835 000 Euro. Der WLSB-Topf für Sportstätten hielt 250 500 Euro bereit (30 Prozent der zuschussfähigen Summe). Die Stadt Fellbach steuerte 375 000 Euro bei, ein kostenloses Grundstück, einen zinslosen Kredit über 100 000 Euro und eine Ausfallbürgschaft in Höhe von 735 000 Euro. 1000 Stunden pro Jahr steht das Sportzentrum - im Gegenzug - Fellbacher Schulen und Kindergärten offen.
Der sich formierende Widerstand unter den Fitnessstudios geht nicht spurlos an Udo Wente vorbei. "Selbstverständlich hat man da gerade Bedenken. Das würde ja weitreichende Konsequenzen haben, wenn wir beispielsweise auch den vollen Steuersatz zahlen müssten", sagt der SVF-Geschäftsführer. "Dann müssten wir wahrscheinlich den Mitgliederbeitrag verdoppeln, und der Verein würde die Funktion verlieren, ein möglichst billiges Sportangebot für alle bieten zu können." Seinem Kollegen Rolf Budelmann vom TSV Schmiden (5668 Mitglieder) ist nicht allzu bange: "Hinter dem Thema steckt die Frage der Gemeinnützigkeit, und die ist aus meiner Sicht einfach zu beantworten. Es gibt einen Unterschied zwischen Vereinen, die gezwungen sind, ihre Mittel in gemeinnützige Dinge zu investieren, und einem, der Gewinn macht und damit ein Haus auf den Malediven baut."


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