Wohngebiet in Herrenberg Die Diakonieschwestern dürfen bauen

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Der Gemeinderat billigt die neuerlich überarbeiteten Pläne der Schwesternschaft auf ihrem Grundstück nahe dem Krankenhaus. Vor zwei Jahren war die ursprüngliche Version glatt durchgefallen.

Nach und nach sollen sämtliche Häuser auf den Wiedenhöfer-Areal Neubauten weichen, als erstes das namensgebende Wiedenhöfer-Stift. Foto: factum/Granville
Nach und nach sollen sämtliche Häuser auf den Wiedenhöfer-Areal Neubauten weichen, als erstes das namensgebende Wiedenhöfer-Stift. Foto: factum/Granville

Herrenberg - Die Diakonieschwestern dürfen bauen. Gegen die neuen Pläne für ihr etwa zwei Hektar großes Gelände nahe dem Herrenberger Krankenhaus, das Wiedenhöfer-Areal, regt sich im Gemeinderat kein nennenswerter Widerstand. Pauline Rist-Nowak beklagte für die Frauenliste: „Das Grundstück wird ausgemostet und der Park ist unwiederbringlich verloren.“ Für die Grünen merkte Maya Wulz an, dass Grünflächen insektenfreundlich bepflanzt werden mögen. Ansonsten befürworteten die Stadträte das Vorhaben ohne weitere Wortmeldung.

Was insofern bemerkenswert ist, weil der erste Entwurf vor knapp zwei Jahren glatt durchgefallen war. Zu dicht sei das Grundstück überplant, zu groß die Bauten, ohne zentralen Platz das gesamte Quartier. So lautete die Kritik quer durch alle Gemeinderats-Fraktionen und im Gestaltungsbeirat. Die Entwürfe würden schlicht „an das Architekturbüro zurückgegeben“, hatte Reinhold Lönarz gesagt, der Leiter des Stadtplanungsamts.

Der Grundsatz ist segensreich – darin herrscht Einigkeit

Dies, obwohl die Zeit drängt und die Diakonieschwesternschaft Herrenberg-Korntal damals wie heute im Grundsatz Segensreiches plant. Auch darin herrschte seinerzeit Einigkeit, aber eben nur im Grundsatz.

Die Hildrizhauser-, die Brahms-, die Georg-Friedrich-Händel-Straße und der Forstweg begrenzen das Grundstück. Ein Teil des Altenheims auf dem Gelände hatte gesperrt werden müssen, weil der Bau den Brandschutzvorschriften nicht mehr genügt. Die Bewohner mussten nach Herrenberg-Kuppingen umziehen.

Das gesamte Heim soll abgerissen werden und einem Neubau auf einem anderen Teil des Grundstücks weichen. Gleiches gilt für die Wohnhäuser, die einen größeren Teil des Geländes belegen als das namensgebende Wiedenhöfer-Stift der Schwesternschaft. Sie bilden das sogenannte „Dörfle“ und gelten als baufällig.

Die Neubauten entsprechen formal ebenfalls den Zielen der Stadt, die in Grundsatzpapieren zur Zukunft Herrenbergs festgeschrieben sind. In ihnen soll das sogenannte Mehrgenerationen-Wohnen ermöglicht werden. In die Häuser sollen vorwiegend Familien einziehen. Betreutes Wohnen ist ebenfalls vorgesehen. Die Neubauten sollen in mehreren Schritten entstehen, damit möglichst niemand ihretwegen ein Interimsquartier beziehen muss. Zuerst soll auf einem freien Teil des Grundstücks das neue Altenheim wachsen, danach der Altbau abgerissen werden. Wenn die Neubauten dort bezogen sind, sollen nach und nach andere Häuser fallen.

Details der sechsten Planungsvariante missfielen Anliegern

Bereits im vergangenen Sommer hatten die Architekten Mathias Hähnig und Martin Gemmeke eine neue Planvariante vorgelegt, die sechste. An der übten aber insbesondere Anrainer und aktuelle Bewohner des Areals Kritik. In der aktuellen Variante Nummer sieben – der aller Voraussicht nach letzten – sind auch ihre Wünsche eingearbeitet worden.

In den aktuellen Skizzen ist das Gelände mit Grün durchsetzt. Alle Parkplätze sind in Tiefgaragen vorgesehen. Die Richard-Wagner-Straße, die heute an der Grundstücksgrenze endet, soll das Areal künftig durchschneiden. Sie ist als verkehrsberuhigte Zone vorgesehen und von Bäumen gesäumt. An ihrem Rand beginnt ein kleiner Park. Die Bauten sind zwei oder vier Stockwerke hoch. Nachdem der Gemeinderat die Pläne im Grundsatz befürwortet hat, sollen sie vergleichsweise zügig verwirklicht werden. Zunächst lobt die Schwesternschaft einen Architektenwettbewerb aus. Die Baugenehmigung könnte Mitte 2019 erteilt, das neue Altenheim als erster der Neubauten 2023 eröffnet werden.