Wohnimmobilien Kein Ende der Preisspirale

Von Ingo Dalcolmo 

Wer in der Landeshauptstadt 2016 eine Wohnimmobilie erwerben wollte, musste tief in die Tasche greifen. Auch in diesem Jahr werden die Preise nochmals steigen, sagen die Stuttgarter Makler voraus.

Die Preise für Wohnimmobilien werden auch in diesem Jahr in Stuttgart und Teilen der Region weiter steigen. Foto: Wilhelm Mierendorf
Die Preise für Wohnimmobilien werden auch in diesem Jahr in Stuttgart und Teilen der Region weiter steigen.Foto: Wilhelm Mierendorf

Der Wohnimmobilienmarkt in Stuttgart und der Region ist weiterhin von einem knappen Angebot bei steigenden Preisen gekennzeichnet, melden die Immobilienmakler in der Landeshauptstadt unisono. So verzeichnete die Immobilientochter der BW Bank im zurückliegenden Jahr ein um bis zu zehn Prozent höheres Preisniveau als gegenüber 2015. Obwohl die Renditen dadurch weiter sinken, konkurrierten Kapitalanleger weiter mit Eigennutzern um die gleiche Immobilie. Das führte auf dem Immobilienmarkt teilweise zu einem unkritischen Käuferverhalten in Bezug auf das Preis-Leistungs-Verhältnis im Kontext zur Lage, so Robin Frank. Der Geschäftsführer der Immobilienvermittlung BW geht auch für dieses Jahr von einer weiterhin engen Marktsituation mit – abhängig von Lage und Objektzustand – tendenziell steigenden Preisen aus.

Hohe Liquidität im Immobilienmarkt

Bei Hildebrandt Immobilien blickt Geschäftsführer Alfred Hildebrandt auf ein Rekordjahr zurück. Die größte Nachfrage bestand im zurückliegenden Jahr bei Zweiund Dreizimmerwohnungen in guten Lagen. Nach wie vor sei der Markt von viel Liquidität geprägt, der insbesondere Kapitalanleger anziehe, bestätigt der Makler. Bei hochpreisigen Wohnungen ab 800.000 Euro sei die Nachfrage aber zurückgegangen, da hier aus seiner Sicht mittlerweile ein Überangebot bestehe. Trotz des großen Nachfrageüberhangs würden sich überteuerte Immobilien als Ladenhüter erweisen. Für das aktuelle Jahr sieht der Makler keine Entspannung. Vor allem die Akquise von marktfähigen Grundstücken und Wohnungen in den Ballungsräumen sei äußerst schwierig. Diese Entwicklung bestätigt auch Michael Ziegler, Geschäftsführer bei Deutsche Immobilien Württemberg, der trotz knappen Angebots auf einen positiven Geschäftsverlauf im zurückliegenden Jahr blickt.

Für Stephan Scheibe, Teamleiter Wohnimmobilien bei Dr. Lübke, lief das zurückliegende Jahr trotz des knappen Angebots bei Ein- und Mehrfamilienhäusern sehr gut. Trotz der großen Nachfrage hätten Immobilien in den Randlagen der Region nur dann verkauft werden können, wenn der Preis stimmte. Wie lange die angrenzenden Märkte die ebenfalls gestiegenen Preise noch halten werden können, bleibe abzuwarten, so Stephan Scheibe.

Auch beim Stuttgarter Immobilien Kontor, einem Lizenzpartner von Engel & Völkers, überstieg im zurückliegenden Jahr die Nachfrage von Eigennutzern und Kapitalanlegern bei Weitem das Angebot. Das mittlere Preissegment werde dabei überdurchschnittlich nachgefragt. Die Vermittlung erfolge meist innerhalb weniger Tage oder Wochen, so Geschäftsführerin Claudia Philipp. Als Ladenhüter erwiesen sich im zurückliegenden Jahr Immobilien in höheren Preisklassen, die entweder durch eine sehr individuelle Aufteilung schwer nutzbar seien oder bei der Kriterien wie Erschließung, Verfügbarkeit oder Mikrolage nicht den Käuferwünschen entsprachen.

Bieterverfahren haben zugenommen

Wolfgang Link von Link Immobilien erwartet wie seine Kollegen auch in diesem Jahr steigende Preise. So prognostiziert der Stuttgarter Makler bei den Bestandsimmobilien eine Preissteigerungsrate zwischen fünf und zehn Prozent. Das zurückliegende Jahr war aus seiner Sicht durch mehrere Trends gekennzeichnet: Während kleinere Immobilien oft von privat angeboten wurden, fanden hochwertige Immobilien öfter ihren Weg zum Makler als in den Jahren zuvor. Ein weiterer Trend: mehr Überregionalität im Verkauf. Außerdem hätten spezielle Vermarktungsarten wie das Bieterverfahren zugenommen, sagt Wolfgang Link. Aber auch das gab es 2016: Nicht alle Immobilien ließen sich zu jedem Preis verkaufen. So seien gerade bei Privatverkäufen während der Projektlaufzeit von bis zu neun Monaten teilweise mehrere Preisermäßigungen zu erkennen gewesen, hat der Makler beobachtet. Nachgefragt wurden auch bei Link Immobilien vorwiegend Zweibis Dreizimmerwohnungen. Ebenfalls erkennbar sei eine spürbar höhere Nachfrage bei familientauglichen Objekten im bezahlbaren Segment. Im Fokus waren hier vor allem Vierzimmerwohnungen, Doppelhaushälften oder Reihenhäuser bis 500.000 Euro.

Von einer schwierigen Objektbeschaffung bei hoher Nachfrage spricht auch Markus Lechler von Lechler Immobilien. Der Makler bestätigt auch die Erfahrung seiner Kollegen: Nicht alles wird verkauft. Wenn die Lage und der Preis nicht stimmten oder es sich um eine Problemimmobilie handelt, lasse sich das Objekt trotz der hohen Nachfrage nach Wohneigentum in Stuttgart nicht verkaufen. Chancen sieht er in der Region, in die diejenigen ausweichen, die sich die Landeshauptstadt nicht mehr leisten können. Sein Fazit: Die Grundstücks- und Objektbeschaffung werde auch in diesem Jahr darüber entscheiden, ob es für die Immobilienunternehmen ein gutes oder schlechtes Jahr wird.