Wolfgang Schuster "Der Blick geht nach vorn"
Thomas Borgmann, 21.05.2010 18:28 Uhr
 Foto: Steinert
Foto: Steinert
Stuttgart - Nach dem Urteil zum Abriss des Hauptbahnhofs strebt OB Wolfgang Schuster nach einem neuen Dialog mit den kritischen Architekten.

Herr Schuster, die Seitenflügel des Bahnhofs dürfen abgerissen werden, Herr Dübbers ist vor Gericht unterlegen. Wie bewerten Sie das?


Nach dem Urteil des Landgerichts muss unser Blick nun nach vorne gerichtet werden. Mir ist die sorgsame Erneuerung des Bahnhofs außerordentlich wichtig. Das muss die Deutsche Bahn mit Blick auf den Denkmalschutz sensibel umsetzen. Ich würde es sehr begrüßen, wenn sich Herr Dübbers konstruktiv in den Fortgang der Planungen einbringen würde.

Hatten Sie mit diesem Urteil gerechnet?
Ich hätte mich sehr gewundert, wenn es anders ausgegangen wäre. Meine Juristen im Rathaus und ich haben uns auch mit dem Urheberrecht beschäftigt und erwartet, dass das Gericht so urteilt.

Was bedeutet dieses Urteil aus Ihrer Sicht politisch?


Für mich ist wieder einmal deutlich geworden, dass Stuttgart21 rechtens ist und demokratisch legitimiert. Wir hatten auf allen politischen Ebenen Abstimmungen mit Zweidrittelmehrheiten für das Vorhaben: im Europaparlament, im Landtag, im Regionalparlament und im Gemeinderat. Deshalb bin ich froh, dass das Gericht uns keine neuen Beweisaufnahmen und keinen Abwägungsprozess auferlegt hat.

Die Gegner von Stuttgart21 wollen trotz des Urteils weiter gegen das Projekt kämpfen.


Wir leben in einem freiheitlichen Staat, jeder kann sich äußern und demonstrieren. Ich habe aber kein Verständnis dafür, wenn es persönlich wird, wenn beispielsweise die Mitarbeiter des Koordinators Wolfgang Drexler von Projektgegnern beschimpft und herabgesetzt werden.

Der Stadtplaner Franz Pesch hält den Teilabriss für eine städtebauliche Katastrophe. Was entgegnen Sie ihm?


Es wundert mich, dass die Stuttgarter Architekten, die das Projekt vor zehn Jahren begrüßt haben, heute dagegen sind. Wir haben damals monatelang Zeit gelassen zum Nachdenken darüber, ob das der richtige Weg ist.

Ihr Augenmerk gilt gegenwärtig dem Städtebau. Wie geht es in diesem Bereich weiter?


Ich sehe große Chancen, dass die alte und die neue Innenstadt zusammenwachsen. Darüber sind wir mit dem Architekt Christoph Ingenhoven im Gespräch. Ich werde Architekten wie Franz Pesch und Arno Lederer zu einem neuen Dialog einladen.
Kommentare (66)
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JUN
01
Stuttgarter, 21:17 Uhr

Als das visionäre Bild von Schuster aufgenommen wurde...

...hat er wahrscheinlich gerade von "Let's putz Stuttgart" erzählt. LOL.

MAI
31
Michael M., 23:27 Uhr

2 mal Michael M. im Forum

Lieber Michael M. vom 31.05.2010 S21-Lügen Ich habe diese ewigen Lügen der S21-Drahtzieher satt!... Sie haben schreiben mit exakt meinem Namen hier im Forum - Zufall? Auch wenn ich mich wie Sie für den Erhalt des Kopfbahnhofs einsetze, möchte ich doch klar zum Ausdruck bringen, dass ich dies mit einem etwas andern Stil machen will. Es ist nicht zielführend, hier andere Leute zu beleidigen. Wir kommen weiter, wenn wir mit handfesten Argumenten unsere Meinung untermauern und stets auch die S21- Befürworter achten. Nur so können wir den einen oder anderen überzeugen und für den Kopfbahnhof gewinnen. Wäre klasse, wenn Sie dies zukünftig auch so machen könnten.

MAI
31
Engagierter Bürger, 23:16 Uhr

Mail an den Verkehrsminister

Kabinett Anfang Juni in Spar-Klausur Das schwarz-gelbe Regierungsbündnis will Anfang Juni die Weichen für eines der größten Sparpakete in der bundesdeutschen Geschichte stellen. In einer Klausur des Kabinetts am 6. und 7. Juni sollen Schwerpunkte für den Etat 2011 und der mittelfristigen Finanzplanung festgezurrt werden. In Stuttgart erleben wir derzeit eine hitzige Diskussion um das Thema Stuttgart 21. Sehr viele Bürgern ist nicht mehr zu vermitteln, dass für ein vorwiegend städtebauliches Projekt viele Milliarden aus dem Verkehrsetat ausgegeben werden. Die Neubaustrecke nach Ulm kann auch an den bestehenden Kopfbahnhof angeschlossen werden. Mit den heutigen Wendezügen hat der Kopfbahnhof keine Nachteile mehr. Daher rege ich an, den sehr teuren unterirdischen Bahnhof nicht zu realisieren und die freiwerdenden Finanzmittel teils zu sparen und teils in sinnvolle Bahnprojekte (z.B. Gäubahn vollständig 2 spurig) sowie die Modernisierung des Kopfbahnhofs zu stecken. Eine solche Entscheidung aus Berlin könnte auch die Gräben in Stuttgart zwischen Bahnhofsbefürwortern und -Gegnern zuschütten.

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