Wolfgang Schuster im Porträt Der Überflieger und seine Bürger

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Geht er? Oder geht er nicht? Wolfgang Schuster denkt über eine weitere Amtszeit als Oberbürgermeister in Stuttgart nach. Und räumt Fehler ein.

Bleibt er oder geht er? Am 9. Januar will Oberbürgermeister Schuster verkünden, ob er im Herbst 2012 noch einmal zur Oberbürgermeisterwahl antreten möchte. In der folgenden Bildergalerie werfen wir einen Blick in seinen kommunalpolitischen Werdegang… Foto: Steinert 11 Bilder
Bleibt er oder geht er? Am 9. Januar will Oberbürgermeister Schuster verkünden, ob er im Herbst 2012 noch einmal zur Oberbürgermeisterwahl antreten möchte. In der folgenden Bildergalerie werfen wir einen Blick in seinen kommunalpolitischen Werdegang…Foto: Steinert

Stuttgart - Sein Zerrbild ist im Haus der Geschichte zu besichtigen. Am Bauzaun, der bis vor einem Jahr am Nordausgang des Bahnhofs stand und jetzt museumsreif ist, hat ein Unbekannter eine hellgrüne Schaumstoffstange befestigt. Die schmale Stange bildet den Körper der Wolfgang-Schuster-Puppe. Sie trägt eine gestreifte Krawatte. Zwei mit schwarzen Punkten bemalte Tischtennisbälle sind die Augen, die durch eine von Hand zurechtgebogene Drahtbrille blicken. Seit Kurzem können die Besucher des Museums in der Ausstellung „Dagegen leben – der Bauzaun und Stuttgart 21“ sehen, wie der Streit über den Bahnhof eine Stadt erschüttert hat – auch ihren Oberbürgermeister.

In diesen Tagen entscheidet sich Wolfgang Schuster, ob er noch einmal im Herbst 2012 zur Wahl antritt. Am 9.Januar will er seinen Entschluss bekanntgeben. Der 62-Jährige weiß, dass seine Entscheidung zwiespältige Reaktionen hervorrufen wird. Er hat in Stuttgart nicht nur beim Puppenbastler einen schweren Stand: Am Bauzaun hängen rund zweieinhalbtausend Protestdokumente – 200 davon richten sich gegen den Oberbürgermeister, der seit 15 Jahren die Stadt regiert. Schuster ist am Bauzaun das Feindbild Nummer zwei des Widerstands gegen Stuttgart 21, gleich nach Stefan Mappus. Wie konnte es so weit kommen? Wer ist der Mann, von dem sich viele aus der Distanz ein Bild gemacht haben, weil er nur wenige an sich heranlässt?

Die Kindheitstage waren von Sparsamkeit und einer klaren Rollenverteilung geprägt

Politik sog Wolfgang Schuster fast mit der Muttermilch auf: Sein Vater führte die CDU-Fraktion im Ulmer Gemeinderat. Er arbeitete als Rechtsanwalt, die Mutter kümmerte sich in den späten Nachkriegs- und den frühen Wirtschaftswunderjahren um die vier Söhne. Wolfgang, am 5.September 1949 geboren, war der Zweitälteste.

„Die Härte des Zweiten Weltkriegs und die hierarchische Struktur beim Militär haben meinen Vater geprägt“, erinnert sich Schuster. Der Kirchgang war Pflicht, „ich wurde zur Sparsamkeit erzogen“ – die Rollen zwischen Mutter und Vater waren klar verteilt. Im Elternhaus war gelegentlich ein junger Referendar aus einer anderen Ulmer Anwaltskanzlei zu Besuch, der Wolfgang Schusters weiteres Leben entscheidend beeinflussen sollte: Manfred Rommel. Die Wege der beiden werden sich später wieder kreuzen.

Nach dem Abitur am Ulmer Humboldt-Gymnasium leistete er seine Wehrpflicht bei den Gebirgsjägern in Mittenwald. Der 18-Jährige dachte an die Berge und ans Skifahren, doch dann kam die Weltpolitik dazwischen: Im August 1968 marschierten die Truppen des Warschauer Paktes in der Tschechoslowakei ein und beendeten den Prager Frühling. Es wurde Nato-Alarm ausgerufen – oberste Stufe. „Unsere Rucksäcke standen fertig gepackt“, erzählt Schuster, der damals dachte: „Schade, dass du als Kanonenfutter verheizt wirst.“

Wolfgang Schuster - ein Student auf der Überholspur

Ende der 60er Jahre gingen die Studenten gegen den Muff von tausend Jahren und den Vietnamkrieg auf die Straße. Viele brachen zu neuen Ufern auf, und auch Wolfgang Schuster wurde 1969 endgültig flügge. Er ging nach Tübingen, trug die Haare aber nicht lang, sondern Seitenscheitel und nahm ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften auf. Er zog in das Haus einer Verbindung, unter den dort lebenden Kommilitonen gab es zwei Strömungen: „Die Gruppe Geist und die Gruppe Bier.“

Wolfgang Schuster war sofort klar, wohin er gehörte. Er begegnete den gesellschaftlichen Umwälzungen mit einer Neugier, die ihn sein ganzes Leben lang antreiben sollte. „Ich habe politische Themen beackert, wir haben zahllose Papiere geschrieben“, erinnert sich Schuster rund 40Jahre später in seinem Amtszimmer im Stuttgarter Rathaus. Viele, die ihn in der Landeshauptstadt begleitet haben, beschreiben Schusters Politikstil heute auf ganz ähnliche Weise: „Er denkt konzeptionell, er ordnet die Welt und seine Programme in 10-Punkte-Pläne“, erzählt ein kritischer Weggefährte. „Was auf dem Papier abgearbeitet wurde, ist für ihn erledigt.“

„Als Jurist“, erzählt er selbst, „habe ich von Anfang an analytisches Denken trainiert.“ Während Wolfgang Schuster in Tübingen studierte, kämpfte in Frankfurt der junge Joschka Fischer in der außerparlamentarischen Opposition. Er las Habermas und Hegel. Der Rebell war da ganz Joschka und noch nicht Herr Dr. h.c. Fischer. Wie ihm ging es vielen. Wolfgang Schuster befand sich da längst auf der Überholspur. Das erste juristische Staatsexamen schloss er als drittbester von 286 Kandidaten ab, das zweite Staatsexamen als viertbester von 445 Absolventen. Für die Promotion im Zivilrecht benötigte er ein halbes Jahr. Wolfgang Schuster kann lange über Disziplin reden und darüber, dass er seine damalige Freundin und heutige Frau Stefanie bewunderte, die noch härter arbeitete als er selbst. „Sie lernte mit unglaublicher Konsequenz.“

 

90 Kommentare Kommentar schreiben

Größenwahn......: Schuster dachte in all den Jahren vor allem an SICH SELBST! Wollte er nicht ein Gebäude von der Größe des Trump Towers bauen...wollte er nicht mal die Olympiade nach Stuttgart holen?? Hat er nicht damals schon eine Menge Geld für seine „Denkmäler“ verpulvert?? Dieser Mann wird von dem schwarzgelben Filz verehrt, weil er Steuergelder für die Wirtschaft verschwendete! Sein größtes Projekt sollte S21 werden! Er er wollte der Stadt seinen Größenwahn aufdrücken...weithin sichtbar, oder wie der Tiefbahnhof eben unsichtbar! ---------------------------------------------------------------------------------------------------- Früher hat man solche Menschen in Einrichtungen gesteckt, damit sie wieder zu sich kommen....heute werden sie Bürgermeister und von merkel unterstützt! Wurde Zeit, dass sich die Bürger von Stuttgart zur Wehr setzen! Wären die Grünen nicht solche Versager und Angsthasen, und würden Anzeige gegen dieses abstruse Projekt erstatten wäre der Spuk schon längst vorüber! Anscheinend sind alle Politiker irgendwo nur Lobbyisten und scheren sich einen Dreck um das Allgemeinwohl! Egal...wir Bürger lassen uns ja gern jedes Jahre mal durchprügeln......

Skeptiker (2) an Skeptiker: Das tut mir leid, habe leider übersehen, dass das Pseudonym Skeptiker bereits existiert. Ich bitte um Entschuldigung.

SATIRE ODER VORABDRUCK EINER WAHLKAMPF-BROSCHÜRE ??: Liebe StZ, was soll denn das sein? VIELEICHT eine Satire! O-Ton Raidt: „ Sein Stuttgart? (die Stadt)..., die mit dem MODERNSTEN Bahnhof.“ Welchen Bahnhof meint Herr Raidt? ---- Zur Zeit hat Stuttgart (immer noch) den alten,leider mutwillig demolierten Kopfbahnhof ( immer noch leistungsfähig, einer der pünktlichsten im Land), der, wie man hört, in den nächsten 10 bis 30 Jahren durch einen im letzten Jahrhundert geplanten, leistungsschwachen Tiefbahnhof ersetzt werden soll.------- ODER doch eher vorgezogener Wahlkampf einer unabhängigen Zeitung für Baden-Württemberg? Dafür spricht die einseitige charakterliche Würdigung des „Überfliegers“ Schuster. Ich meine: Ein Einser-Jurist, der 10-Punktepläne abarbeitet und dabei übersieht, dass er seine Stadt spaltet, ist als Oberbürgermeister dieser Stadt wohl nicht mehr wählbar.

Stuttgart ist war schön bevor der Immobilien - Vertreter mitwirkte !!: 'Er hat Stuttgart für die Zukunft fit gemacht, glaubt er'...lol. Glauben heißt NICHT wissen. Also es reicht-- bitte Platz räumen für Jemanden der/die für Stgt. mehr Interesse hat, nicht für die Immobilien- Branche. Gang Wolfgang Gang ...Danke..

'Skeptiker' an 'Skeptiker': Lieber Forsist 'Skeptiker', ich bin zwar vollkommen Ihrer Meinung, wäre aber trotzdem dankbar, wenn Sie sich ein anderes Pseudonym suchen würden, denn es ist für alle Beteiligten weniger verwirrend, wenn nicht zwei Leute unter dem gleichen Namen posten. Danke!

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